Der von der OHB-Tochter LuxSpace gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr München entwickelte und gebaute Kleinsatellit mit dem Namen ATHENE-1 ist erfolgreich vom US-amerikanischen Weltraumbahnhof Vandenberg Space Force Base in Kalifornien gestartet. Wie das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB in einer Mitteilung schreibt, hob der Technologiedemonstrator im Rahmen der Transporter-18-Mission an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX ab und wurde planmäßig in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht.
ATHENE-1 sei das zentrale Element des Forschungsprojekts SeRANIS (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space), das von der Universität der Bundeswehr München geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr (dtec.bw) gefördert wird. Ziel des Projekts ist es laut Mitteilung, innovative Technologien schneller von der Forschung in die praktische Anwendung zu überführen und deren Nutzen für zukünftige Weltraumfähigkeiten zu demonstrieren.
Die ATHENE-1-Mission basiert den Angaben zufolge auf der modularen Kleinsatellitenplattform Triton-X Heavy von LuxSpace in Kombination mit einer von der Universität der Bundeswehr München entwickelten multifunktionalen Experimentalnutzlast, deren Integration am OHB-Standort Oberpfaffenhofen erfolgte. Für die Durchführung der Startkampagne war OHB Orbital Access verantwortlich.
Die erforderliche Bodeninfrastruktur für die Übertragung von Telemetriedaten, die Übermittlung von Befehlen sowie die Überwachung und Steuerung des Satelliten stellt das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereit.
Mit dem Start beginne die operative Phase der Mission. ATHENE-1 werde als Technologie- und Erprobungsplattform für insgesamt 22 wissenschaftliche Experimente dienen, schreibt OHB. Im Fokus stehen dabei neue Technologien für satellitengestützte Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie KI-gestützte Datenverarbeitung direkt im Orbit. Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender von OHB, wird mit der Aussage zitiert: „Mit der Mission schaffen wir die Grundlage, um entscheidende Erkenntnisse für künftige Kommunikations-, Navigations- und Sicherheitsanwendungen zu gewinnen. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie wichtig technologische Souveränität und resiliente Weltraumsysteme geworden sind.“
Der knapp 300 Kilogramm schwere Satellit wird den Angaben zufolge unter anderem Verfahren zur Erkennung, Lokalisierung und Abwehr von Störungen erproben, die zur Erhöhung der Resilienz satellitengestützter Navigations- und Kommunikationssysteme beitragen sollen. Darüber hinaus ermögliche die Mission die Erprobung neuer Ansätze der intelligenten Signal- und Datenverarbeitung sowie zukünftiger Anwendungen für staatliche und militärische Nutzer.
Technologisch stehe ATHENE-1 zudem für den Wandel hin zu softwaredefinierten und rekonfigurierbaren Satellitensystemen. Die in der Mission erprobten Technologien sollen es ermöglichen, Funktionen und Anwendungen auch nach dem Start an neue Anforderungen anzupassen. Dadurch können Satelliten flexibler auf neue Standards, Einsatzszenarien oder Störungen reagieren.
„Moderne Operationsführung ist ohne Einsatzunterstützung aus dem Weltraum nicht möglich“, so Vizeadmiral Thomas Daum, Inspekteur Cyber- und Informationsraum der Bundeswehr. „Unser Plan als Bundeswehr für die Zukunft heißt „Gesamtarchitektur Weltraum“ – ein vernetzter und multiorbitaler Ansatz für Sensorik und Datenübertragung mit mindestens einer hohen dreistelligen Anzahl von Satelliten. SeRANIS und vor allem ATHENE-1 schaffen wichtige Grundlagen für den Aufbau dieser Architektur!“
Nach dem erfolgreichen Start werden in den kommenden Tagen laut OHB die ersten Betriebsphasen des Satelliten (Launch and Early Orbit Phase (LEOP) und In-Orbit Commissioning) durchgeführt, bevor schrittweise die wissenschaftlichen Experimente in Betrieb genommen werden. Die Mission ist auf mehrere Jahre angelegt und soll Erkenntnisse für die nächste Generation satellitengestützter Systeme liefern.
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