Die Divisionen des Deutschen Heeres sollen zukünftig mehr als 500 km weit wirken können. Dies erklärte der Inspekteur des Deutschen Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, heute im Rahmen der Experimentalserie Land 2026 in Wietzendorf.
„Ich glaube, dass wir bei der künftigen Landkriegsführung, was die Tiefe anbelangt, über völlig andere Parameter sprechen“, erklärte Freuding. Seiner Aussage nach wird in den vergangenen Monaten immer wieder festgestellt, dass die „Geometrie des Gefechtsfeldes“ neu vermessen werden muss. „Die 500 km wird das sein, wo die Division, wir nennen das in einem Deep Fight, wirken können muss“, so der Inspekteur des Heeres. Dies ist auch der Grund, weshalb das heute angekündigte Drohnenregiment auf Divisionsebene als Divisionstruppe angesiedelt wird.
„Ich bin genauso überzeugt, dass diese 500 km weder das letzte Wort aus der Perspektive der Taktik noch das letzte Wort aus der Tiefe der technologischen Entwicklung sind“, führte Freuding weiter aus. Ihm zufolge bildet diese Reichweite den aktuellen Einstieg für das Regiment, welches den Realitäten des aktuellen Gefechtsfeldes entspricht.
Die aktuelle Gefechtsdoktrin des Deutschen Heeres sieht vor, dass Brigaden bis zu 75 km tief in den feindlichen Raum wirken sollen, die Divisionen 150 km und die Korpsebene bis zu 300 km. Die Ausstattung der Heeresdivisionen mit Wirkmitteln, die 500 km und mehr ins Feindesland wirken können, würde die Reichweite der Divisionen somit mehr als verdreifachen. Es liegt zudem der Schluss nahe, dass auch die Wirkreichweiten der anderen taktischen Ebenen an die Realitäten des neuen Gefechtsfeldes angepasst werden.
Freuding selbst sprach zwar nicht an, mit welchen Wirkmitteln genau diese Reichweitenbänder zukünftig abgedeckt werden. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass dies mittels Systemen erfolgen wird, die aktuell im Rahmen des Vorhabens „One Way Effector 500 Plus (OWE 500+)“ näher betrachtet werden.
Die massenproduzierbaren und kostengünstigen OWE 500+ sollen in der Lage sein, Nutzlasten von rund 50 kg über eine Distanz von 500 km präzise ins Ziel zu bringen. Mit dem Sachverhalt vertraute Kreise gehen davon aus, dass die Streitkräfte bei einer Massenproduktion Systempreise von rund 100.000 Euro anvisieren. Dadurch soll es der Bundeswehr möglich sein, auch über längere Zeit hinweg mehr als 100 solcher Wirkmittel pro Tag zu verschießen und im Bedarfsfall nachzubeschaffen. Beobachter halten dies für durchaus realistisch.
Mögliche Produktionsengpässe könnte es höchstens bei der Herstellung von Nutzlasten geben, wenn spezifische Gefechtsköpfe benötigt werden sollten. Offenbar wird auch die Idee verfolgt, dass die Systeme bei Bedarf Artilleriegranaten ins Ziel bringen könnten. Die Wirkung solcher Granaten wäre dann möglicherweise nicht ideal im Vergleich zu einem optimierten Gefechtskopf der 50-kg-Klasse. Dafür sind die Granaten in großen Stückzahlen verfügbar und nachproduzierbar.
Waldemar Geiger


















