Das Waffensystem P-8A Poseidon der australischen Luftwaffe hat eine Anfangsbefähigung bei der Bekämpfung von Seezielen aus großer Entfernung mittels LRASM-Flugkörper (Long Range Anti-Ship Missile) erreicht. Wie das australische Verteidigungsministerium in einer Erklärung vom 11. September bekanntgab, hat die Royal Australian Air Force (RAAF) mit der Long Range Anti-Ship Missile (LRASM) sowie der Joint Air-to-Surface Standoff Missile – Extended Range (JASSM-ER) die Anfangsbefähigung (Initial Operating Capability oder IOC) zur Bekämpfung von Zielen auf große Distanzen erreicht. Der Meilenstein ist der vorläufige Endpunkt von Erprobungen von LRASM und JASSM-ER auf Kampfflugzeugen des Typs F/A-18F Super Hornet in den vergangenen zwei Jahren, sowie vor wenigen Monaten dem erfolgreichen Verschuss einer LRASM mittels einer RAAF P-8A Poseidon anlässlich der multinationalen Marine-Übung RIMPAC 2026.
Der RAAF Chief of Air Force, Air Marshal Stephen Chappell, teilte in einer entsprechenden Stellungnahme mit, die Royal Australian Air Force habe bewiesen, dass sie in der Lage sei, mit F/A-18F Super Hornet weitreichende, überlebensfähige und wirksame maritime und landgestützte Angriffe gegen stark verteidigte Ziele durchzuführen.
Zu den Erprobungen mit RAAF F/A-18F gehörte im Februar 2025 der Verschuss von zwei LRASM auf der kalifornischen Point Mugu Sea Range in den Vereinigten Staaten. Zusätzlich testeten australische Super Hornets, welche derzeit das Rückgrat der RAAF-See- und Landzielfähigkeiten repräsentieren, im November desselben Jahres zwei JASSM-ER auf der Woomera Test Range in Südaustralien.
Hinzu kommt der erfolgreiche Testschuss einer RAAF P-8A Poseidon mit einer LRASM im Juni 2026 bei einem sogenannten SINKEX während der multinationalen Marine-Großübung „Rim of the Pacific“ (RIMPAC). Im Rahmen eines umfassenden Seezielschießens traf der australische Seefernaufklärer mit einer AGM-158C das Zielschiff, den ehemaligen amerikanischen Lenkwaffenkreuzer USS Mobile Bay (CG-53).
Die AGM-158B JASSM-ER ist ein unterschallschneller, luftgestützter Langstrecken-Marschflugkörper, der dafür ausgelegt ist, hochwertige Landziele in Entfernungen von bis zu 900 km vom Startflugzeug zu bekämpfen. Die AGM-158C LRASM ist ein ebenfalls unterschallschneller, luftgestützter Seezielflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 370 km und dazu bestimmt, stark verteidigte mobile Ziele auf See, also primär Kriegsschiffe, zu zerstören.
Australien erwarb die AGM-158C LRASM über das Foreign Military Sales-Verfahren beginnend im Februar 2020. Die AGM-158B/B-2 JASSM-ER kam im Juli 2022 im Rahmen des AUKUS-Sicherheitspaktes zwischen Australien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten hinzu. Australische Offizielle haben die Gesamtzahl der erworbenen Flugkörper nicht näher beziffert. Die ursprünglichen FMS-Genehmigungen, die von der amerikanischen Defense Security Cooperation Agency (DSCA) veröffentlicht wurden, sahen jedoch bis zu 200 LRASM und bis zu 80 JASSM-ER in entsprechenden Genehmigungen vor.
JASSM-ER und LRASM sind das Resultat einer verbundenen Entwicklung neuer weitreichender Land- und Seezielflugkörper, welche die Vereinigten Staaten ursprünglich 1995 begonnen hatten. Beide Waffen teilen die stark signaturreduzierte Zelle in „Stealth“-Bauweise sowie das Triebwerk. Zudem zeichnen sich die zwei Lenkwaffen ähnlich wie BGM-109 Tomahawk durch ihren schweren 450-kg-Gefechtskopf aus. Diese Fähigkeit stellt insbesondere bei LRASM einen Unterschied zu den üblichen westlichen Seezielflugkörpern dar, die generell erheblich leichter sind. JASSM-ER wurde 2014 bei der US-Luftwaffe in Dienst gestellt. LRASM folgte 2018 bei der U.S. Air Force und 2019 bei der U.S. Navy.
Die aktuelle australische Pressemitteilung benennt ausdrücklich die P-8A Poseidon und F/A-18F Super Hornet als relevante Startplattformen. Allerdings beabsichtigt die RAAF, LRASM und JASSM-ER auch auf den neueren F-35A Joint Strike Fighter zu integrieren, welche mit 75 beschafften Maschinen die Masse der australischen Kampfflugzeug-Flotte darstellen.
Die erweiterten See- und Landzielfähigkeiten der australischen Streitkräfte haben überdies auch eine seegestützte Dimension. Die australische Marine (RAN) ist derzeit im Begriff, die Überwasserflotte von RGM-84 Harpoon auf die Naval Strike Missile (NSM) umzustellen und beschafft außerdem bis zu 220 BGM-109 Tomahawk-Marschflugkörper für den Einsatz von den Lenkwaffenzerstörern der Hobart-Klasse. Hinzu kommen weitere Modernisierungsmaßnahmen, etwa die Einrüstung von Joint Strike Missiles (JSM) auf F-35.
All diese Bemühungen sind Teil der geplanten Investitionen in weitreichende See- und Landzielfähigkeiten, welche die australische Regierung in ihrem jüngst veröffentlichten „Integrated Investment Program“ (IIP), wie von hartpunkt berichtet, mit Ausgaben von 30 bis 37 Milliarden A$, etwa 19 bis 23 Milliarden Euro, beziffert.
Alexander Luck















