Mit der F-35A Lightning II erhält die Luftwaffe in Kürze erstmals ein Kampfflugzeug der fünften Generation, das ab 2027 beim Taktischen Luftwaffengeschwader 33 in Büchel stationiert werden soll. Die erste der 35 im Jahr 2022 bestellten Maschinen hat erst vor wenigen Tagen die Endmontage beim Hersteller Lockheed Martin verlassen. Ab 2030 soll das Kampfflugzeug den Tornado als Kernwaffenträger ersetzen und die Rolle „nukleare Teilhabe“ wahrnehmen.
Entgegen der ursprünglichen Planung der Bundeswehr wird die F-35 jedoch nicht mit Marschflugkörpern des Typs JASSM-ER bewaffnet werden. Dies bestätigte das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw auf Nachfrage von hartpunkt.
Aus einer Mitteilung der Defense Security Cooperation Agency (DSCA) aus dem Jahr 2022 geht hervor, dass die Bundesrepublik Deutschland bei der US-Regierung im Rahmen des Foreign Military Sale (FMS) den Kauf von 35 Kampfflugzeugen des Typs F-35A sowie einer umfangreichen Bewaffnungsoption angefragt hat. Darunter auch bis zu 75 Flugkörper des Typs AGM-158B/B2 Joint Air-to-Surface Standoff Missiles-Extended Range (JASSM-ER), wie hartpunkt berichtete. Die JASSM-ER kann hartpunkt vorliegenden Informationen zufolge nur über ein Regierungsgeschäft erworben werden.
In einem im Januar 2026 veröffentlichten Beitrag auf der Webseite der Bundeswehr heißt es zudem, dass die Lenkwaffe bereits gekauft wurde. „Während JASSM-ER bereits gekauft wurde, steht dies bei Tomahawk und Taurus Neo noch aus“, schrieb der Autor des Beitrages „Deep Precision Strike: Abschreckung durch Reichweite und Präzision“.
In dem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten „Modernized Selected Acquisition Report“ des US-Kriegsministeriums wird Deutschland weder als Programmpartner noch als Käufer der JASSM-ER aufgeführt. Der Grund dafür liegt in einer Neuausrichtung der Fähigkeitslage der Luftwaffe.
„Die Beschaffung der JASSM-ER wurde 2022 zeitgleich mit der Beschaffung der F-35A bei der US Air Force angefragt. Ausgelöst durch die drastische Änderung der geopolitischen Ausgangslage durch die russische Vollinvasion in der Ukraine im selben Jahr fand eine umfassende Neuausrichtung der Fähigkeitslage der DEU Luftwaffe statt. Infolgedessen wurde die Beschaffung der JASSM-ER zugunsten anderer Vorhaben vorerst zurückgestellt“, erklärte ein Sprecher des BAAINBw gegenüber hartpunkt.
Somit scheint die Kaufabsicht des JASSM-ER aufgeschoben, aber nicht aufgehoben zu sein.
Bei der JASSM-ER handelt es sich um einen konventionellen Marschflugkörper mit einer deutlich verringerten Radarsignatur, der vom US-Rüstungskonzern Lockheed Martin gefertigt wird. Der 1.200 kg schwere Flugkörper verfügt über einen Penetrations- bzw. Spreng-Splitter-Gefechtskopf WDU-42/B mit einem Gewicht von 453,6 kg und ist in der Lage, Hochwertziele in einer Entfernung von bis zu 1.000 km zu bekämpfen.
Waldemar Geiger


















