Die ukrainische Sommeroffensive 2023 sollte einen entscheidenden Wendepunkt des russisch-ukrainischen Krieges darstellen und einzelnen Beobachtern zufolge sogar die Voraussetzung für eine Rückeroberung der Krim schaffen. Nach den erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensiven in Charkiw und Cherson im Jahr 2022 wurden sowohl in der Ukraine als auch in den westlichen Unterstützernationen große Erwartungen in die Sommeroffensive gesetzt.
Nach einer mehrmonatigen Vorbereitungszeit startete im Juni 2023 dann die langerwartete Offensive der ukrainischen Streitkräfte, die aus Sicht der Ukraine und der westlichen Unterstützernationen jedoch nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.
Eine bereits im Juli 2025 auf der Webseite der U.S. Army veröffentlichte Analyse eines US-Panzeroffiziers fasst die damaligen Ereignisse zusammen und erklärt, welche Gründe auf der taktischen Ebene maßgeblich zum Scheitern der Sommeroffensive 2023 beigetragen haben.
Dem Autor zufolge hat eine unzureichende Aufklärung im Vorfeld der Offensive dazu geführt, dass die russischen Verteidigungsmaßnahmen, hier insbesondere die Ausdehnung der russischen Minensperren, falsch eingeschätzt wurden. Dies führte dann dazu, dass ungenügende Mittel für die Öffnung der Sperren von den dafür zuständigen Kräften mitgeführt wurden.
Die Öffnung der Minensperren wurde außerdem dadurch erschwert, dass für das dafür notwendige Kräftedispositiv eine Zusammensetzung mit Fahrzeugen gewählt wurde, die über unterschiedliche Mobilitätsfähigkeiten verfügten. Mehrere Radfahrzeuge blieben in den geöffneten Minengassen stecken, so dass nachfolgende Panzer außerhalb der Minengassen vorrücken mussten und so auf Minen auffuhren.
Gleichzeitig waren die mit der Offensive betrauten Truppen nach Erkenntnissen des Autors nicht in der Lage, unterschiedliche Kräfte und Mittel so zu synchronisieren, dass die für die Öffnung der Sperren zuständige „Breaching Force“ auf eine effektive Feuerunterstützung zurückgreifen konnte. Verschärfend kam hinzu, dass die ukrainischen Streitkräfte nicht in der Lage waren, eine örtlich begrenzte Luftüberlegenheit in den Angriffsräumen herzustellen, so dass die vorrückenden Verbände sowohl von russischen Bodentruppen als auch von russischen Luftfahrzeugen bekämpft wurden.
Der Autor führt aber gleichzeitig Beispiele auf, bei denen die aufgeführten Kritikpunkte berücksichtigt wurden und dadurch Durchbruchserfolge erzielt wurden. Die russischen Streitkräfte hätten jedoch Lehren daraus gezogen und entsprechende Maßnahmen ergriffen, um ukrainische Durchbruchsversuche in der Folge noch weiter zu erschweren.
Im weiteren Verlauf der Analyse führt der Autor Faktoren auf, die den Erfolg solcher Operationen begünstigen. Er verweist dabei aber auch auf auftretende Dilemmata, wonach eine effektive Breaching Force Masse benötigt, aber diese Masse in der modernen Kriegsführung gleichzeitig eine Verwundbarkeit darstellt. Begründet wird dies mit einer leichteren Aufklärbarkeit größerer Truppenverbände.
Die Analyse argumentiert dahingehend, dass Drohnen die Art und Weise verändern, wie gepanzerte Verbände eingesetzt werden müssen, um Durchbruchserfolge in mit Sperren gesicherten Räumen erzielen zu können.
Der vollständige Beitrag in englischer Sprache kann auf der Webseite der U.S. Army frei gelesen werden: Blocked and Bloodied: Lessons from the Combined Arms Breach during the 2023 Ukranian Counter-Offensive
Waldemar Geiger
















