Drohnenabwehr ist aufwändig und teuer!

Waldemar Geiger

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Die Nachricht, dass auf dem Leipziger Flughafen eine mit Sprengstoff beladene Kleinstdrohne entdeckt wurde, war noch keine Stunde alt, als die erste Kritik aufkam und die Frage gestellt wurde, wie es zu so einem Vorfall kommen konnte, wo doch die von Drohnen ausgehende Gefahr seit Jahren bekannt ist. So schwer könne es schließlich nicht sein, einen Flughafen vor Kleinstdrohnen zu schützen, hieß es. Die Kritik verkennt jedoch: Drohnenabwehr ist aufwändig und teuer!

Eins vorweg: Der Vorfall, bei dem sich mehrere Drohnen ungehindert auf dem Flughafengelände bewegen konnten, hätte so nicht eintreten dürfen. Es ist nur dem glücklichen Zufall geschuldet, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind und sich die Materialschäden in Grenzen gehalten haben. Es muss daher dringend und konsequent gehandelt werden, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholen kann, der in einer Katastrophe hätte enden können.

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Eine Lösung oder gar nur die Abschwächung der Drohnenbedrohung ist jedoch alles andere als einfach. Selbst die sich im Krieg befindliche Ukraine, die über die letzten Jahre ein breites Netz an Sensoren und Effektoren aufgespannt und viel Erfahrung in der Abwehr von Drohnen unterschiedlicher Klassen gesammelt hat sowie aufgrund der Kriegslage deutlich „robuster“ vorgehen kann, bekommt die Bedrohung nicht wirklich in den Griff. Wer anderer Meinung ist, kann sich gerne nochmal das wenige Tage alte Video anschauen, das den Angriff einer Drohne auf einen Gemüsehändler in der ukrainischen Stadt Cherson zeigt. Nach Aussage des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, ist der Angriff auf Zivilisten kein Einzelfall.

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Das große Problem, das mit einer solchen Drohnenbedrohung einhergeht, wie sie in Leipzig zu beobachten war, ist der Umstand, dass sie überall und jederzeit auftauchen kann. Praktisch jeder mit böswilliger Absicht und rudimentären technischen Fähigkeiten (die Voraussetzung ist der Zugang zu einem Sprengsatz) ist in der Lage, sich heute ein solche Sprengsatzdrohne zu „basteln“, diese ins Auto zu legen, an seinen Bestimmungsort zu fahren, um die über Funk oder Lichtwellenleiter gesteuerte Drohne dort aus der Deckung zu starten und anschließend ins mehrere Kilometer entfernte Ziel zu fliegen.

Die Bedrohung für jedes sich lohnende Ziel kann also jederzeit und aus jeder Richtung kommen. Dementsprechend muss auch eine Lösung allumfassend sein. Genau hier beginnt jedoch die Herausforderung, wie sich am Beispiel des Flughafens Leipzig gut darstellen lässt.

Bevor eine Drohne abgefangen werden kann – egal wie und durch wen – , muss sie erstmal als Drohne geortet und identifiziert sowie als Bedrohung klassifiziert werden. Erst dann würde der Abfangvorgang beginnen. Damit dies möglich ist, bräuchte man also entsprechend geeignete Radare, um auch Kleinstdrohnen sicher orten zu können. Das aufgefasste Radarsignal müsste dann an eine entsprechend leistungsfähige Optik übergeben werden, mit der sichergestellt werden kann, ob es sich um eine Drohne oder einen Vogel handelt. In einem Folgeschritt müsste die Drohne als Bedrohung klassifiziert werden – es könnte sich ja auch um eine freundliche Drohne handeln (bspw. Abfangdrohne) oder eine Drohne, die zwar keine eigene ist, aber keine „Bedrohung“ im Sinne einer Sprengsatzdrohne darstellt.

Ist die Drohne als Bedrohung klassifiziert, wird diese dann mit einer Gegenmaßnahme aus der Luft geholt. Dies könnten beispielsweise Abfangdrohnen oder Netzfangdrohnen sein.

Diese aufgeführten Elemente der Sensorik und Effektorik müssten zudem vernetzt sein und durch einen Bediener oder eine Bedienmannschaft gesteuert oder zumindest überwacht werden.

Bedenkt man nun, wie groß ein Flughafen und der dazugehörige Anflugraum ist und wie wenig Handlungszeit man beispielsweise hätte, wenn eine Drohne direkt aus dem Kurzzeitparkplatz des Flughafens gestartet würde, um dann ein oder zwei Minuten später das erste Flugzeug zu erreichen, wird schnell deutlich, dass ein Bediener, eine Abfangdrohne und ein Sensorturm nicht ausreichen, um sich wirkungsvoll vor einer solchen Bedrohung zu schützen. Und hier sprechen wir bisher nur von einer einzigen Drohne. In Leipzig waren es Berichten zufolge zwei – was sicherlich auch nicht die Grenze nach oben darstellt.

Um also einen einzigen Flughaben wie Leipzig effektiv vor einer Drohnenbedrohung schützen zu können, die sich aus multiplen Drohnen zusammensetzt, bedarf eines Verbundes zahlreicher Radare, Optiken und Abfangsysteme in Verbindung mit einer größeren mit entsprechenden Befugnissen ausgestattete Bedienmannschaft, die den Flughafen sowie den An- und Abflugraum an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr überwachen und vor Drohnen schützt.

Nun ist es aber so, dass der Flughafen Leipzig nicht die einzige kritische Infrastruktur ist, die sich als „lohnendes“ Ziel für mögliche Sabotageakte mit Sprengdrohnen eignet. Die Anzahl der entsprechenden KRITIS-Objekte dürfte sich im vier- oder fünfstelligen Bereich befinden. Alle diese Objekte mit entsprechender Abwehrtechnik und dem dafür benötigten Personal auszustatten, geht nicht von heute auf morgen und ist zudem mit einem sehr hohen finanziellen Aufwand verbunden.

Wenn man die Sicherheit haben will, wird die Öffentlichkeit die Kosten dafür tragen müssen, unabhängig davon, ob diese über Steuern oder einen höheren Preis von Dienstleistungen und Produkten finanziert werden.

Waldemar Geiger