Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat heute die Vorstellung einer kampfwertgesteigerten Variante des Lance-2-Turms mit einer Selbstverteidigungsfähigkeit gegen Drohnen auf der Eurosatory 2026 in Paris angekündigt und dazu ein Video veröffentlicht.
Auf Details und Funktionsweise der Selbstverteidigungsfähigkeit wollte das Unternehmen mit Verweis auf die Präsentation in Paris auch auf Anfrage nicht weiter eingehen. Gleichwohl sind in dem Video bestimmte Elemente erkennbar, die Rückschlüsse auf die Funktionsweise des Systems ermöglichen.
Mit der Maschinenkanone MK30-2 im Kaliber 30 x 173 mm und der Fähigkeit, tempierbare Munition verschießen zu können und den hochentwickelte Zieloptiken ist der Lance-2-Turm grundsätzlich befähigt, Drohnen unterschiedlicher Größe auch auf weitere Distanzen zu bekämpfen. Die Herausforderung liegt in der Detektion der Drohne, so dass die Besatzung des mit dem Lance-Turm ausgestatteten Fahrzeuges die Drohne überhaupt erstmal ins Visier nehmen kann.
Die Befähigung von Waffenstationen oder Türmen zur Drohnenabwehr erfordert üblicherweise drei Elemente: Sensorik, Tracker und Feuerleitrechner. Die Sensorik hat die Aufgabe, mögliche Drohnenbedrohungen zu erfassen, als solche zu klassifizieren und die Besatzung entsprechend zu alarmieren. In einem nächsten Schritt muss das Periskop in Richtung der Drohne geschwenkt werden, so dass die Drohne im Sichtfeld der Optronik wahrgenommen und getrackt werden kann. Anhand des beobachteten Flugprofils wird dann eine Feuerleitlösung errechnet, die Waffenanlage auf das Ziel geschwenkt und die Bekämpfung eingeleitet.
Wie in dem Video sehr gut zu sehen ist, hat Rheinmetall den Lance-2-Turm mit zwei zusätzlichen Sensortypen bestückt, die Drohnen detektieren und klassifizieren sollen. Auf der in Schussrichtung linken Seite (Turmheck) ist ein Akustiksensor APV 100 erkennbar. Der Sensor kann einerseits die Richtung bestimmen, aus der das Fahrzeug mit Rohr- und Handwaffen beschossen wird, andererseits kann der APV 100 auch die Geräuschsignatur von Drohnen erkennen und die Besatzung vor anfliegenden Drohnen warnen. Der Detektionssektor wird von Rheinmetall mit 360 Grad angegeben.
Auf der in Schussrichtung rechten Seite befindet sich das „Stabilisierte Elektrooptische Sensorsystem“ (SEOSS), das System ist 360 Grad schwenkbar, verfügt über unterschiedliche elektrooptische Sensoren und wurde offensichtlich um zwei Radarpaneele vom Typ Echoguard des US-Herstellers Echodyne ergänzt. Echodyne gibt einen Detektionssektor der Echoguard-Radare mit 120 Grad in der Vertikalen und 80 Grad in der Horizontalen an. Mittels der sichtbaren Anordnung der beiden Paneele könnte eine maximale Abdeckung von 240 Grad erreicht werden. Das Echogard ist nach Angaben des Herstellers in der Lage, Kleinstdrohnen auf Distanzen von bis zu 1,5 km sicher detektieren und verfolgen zu können.
Ein möglicher Bekämpfungsvorgang könnte als wie folgt stattfinden: Eine in der Luft befindliche Drohne wird mittels des Radars oder Akustiksensors erfasst und die Besatzung entsprechend gewarnt. In einem nächsten Schritt wird die SEOSS-Optronik in die Richtung der Drohne geschwenkt, um diese gegebenenfalls auch optisch als Bedrohung zu klassifizieren und für die Berechnung einer Feuerleitlösung tracken zu können. In der Zwischenzeit wird die „trägere“ Waffenanlage in die Richtung der Drohne nachgezogen und auf den errechneten Haltepunkt gerichtet. Nachdem mittels eines Laserentfernungsmessers die korrekte Entfernung zur Drohne bestimmt wurde, wird der Schuss ausgelöst und die Patrone beim Verlassen des Rohrs auf den vorbestimmten Detonationszeitpunkt programmiert. Alternativ kann sich die Besatzung dazu entscheiden sich einzunebeln, in Deckung zu bewegen oder eine andere Schutzmaßnahme zu ergreifen.
Fazit
Die angekündigte Selbstverteidigungsfähigkeit gegen Drohnen macht aus dem Lance-Turm sicherlich kein auf die Drohnenabwehr spezialisiertes Flugabwehrsystem. Dafür sind weder Sensorik noch die Richtgeschwindigkeiten des Turmes ausgelegt. Gleichwohl würde diese Kampfwertsteigerung mit dem Lance-Turm ausgestattete Gefechtsfahrzeuge – wie beispielsweise den Schützenpanzer Lynx oder den in der Einführung in die Bundeswehr befindlichen Schweren Waffenträger Infanterie – in die Lage versetzen, sich besser gegen Drohnen wehren zu können. Alleine die Fähigkeit zur Detektion der Drohne erlaubt es der Besatzung, darauf reagieren und Schutzmaßnahmen – bspw. Ausweichen, Bekämpfen, Blenden – ergreifen zu können.
Waldemar Geiger

















