Radhaubitze GRIZZLY LAV – GDLS-Canada zeigt AGM-Geschützmodul auf 10×10-LAV-Plattform

Waldemar Geiger

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Das kanadische Systemhaus General Dynamics Land Systems-Canada (GDLS-Canada) hat gestern im Rahmen der Rüstungsmesse CANSEC mit der Radhaubitze GRIZZLY LAV erstmals das von KNDS Deutschland entwickelte AGM-Geschützmodul auf einer 10×10-LAV-Plattform vorgestellt.

Nach Aussage des Unternehmens basiert die Radhaubitze GRIZZLY LAV auf einer in Kanada entwickelten und hergestellten LAV-Plattform, die alle bewährten Merkmale der in den kanadischen Streitkräften eingeführten LAV-Radpanzerfamilie vereint: Mobilität, Schutz sowie die Kompatibilität bei Bedienung und Wartung. Bei der LAV-Radpanzerfamilie handelt es sich um eine gepanzerte Radplattform, die von der europäischen Piranha-Plattform des GDLS-Konzerns abgeleitet ist.

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Wie es in einer Vorankündigung des Unternehmens zur CANSEC heißt, wurde das System mit Hinblick auf das Projekt „Indirect Fires Modernization“ (IFM) entwickelt, das auf die Modernisierung der Feuerunterstützungsfähigkeiten der kanadischen Streitkräfte abzielt. Die erklärte Absicht der kanadischen Streitkräfte ist es, die aktuell aus 155mm-Feldhaubitzen des Typs M777 bestehende Rohrartilleriesysteme durch moderne, selbstangetriebene Haubitzen zu ersetzen. Dazu wurde bereits im Mai 2025 ein sogenanntes Request for Information (RFI) veröffentlicht. Aus dem RFI ging hervor, dass mindestens 80 155mm-Haubitzen mit einer Rohrlänge von 52 Kaliberlängen beschafft werden sollen.

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Artillery Gun Module

Das Artillery Gun Module ist ein von KNDS Deutschland entwickelter und in Serienproduktion befindlicher, vollautomatischer Geschützturm mit einer aus der Panzerhaubitze 2000 bekannten 155 mm/L52-Waffenanlage von Rheinmetall. Deutschland hat im Rahmen der militärischen Unterstützungsleistung der Ukraine KNDS mit der Herstellung und Lieferung von 54 RCH 155 Radhaubitzen (AGM auf Boxer) beauftragt. Zudem wird die RCH 155 von Katar (12 Systeme) und Deutschland (4 Erprobungsmuster sowie 80 Seriensysteme) und Großbritannien (72 Systeme) beschafft. Beobachter erwarten überdies, dass auch die Schweiz den vollautomatischen Geschützturm in Kürze auf einer 10×10-Piranhaplattform in Serie (32 Systeme) beschaffen wird.

Das Geschützmodul wurde von KNDS plattformunabhängig konzipiert. Vorausgesetzt, dass die geforderten Ansprüche des Geschützes in puncto Traglast und Stabilität erfüllt werden, kann das AGM theoretisch auf jede denkbare Plattform integriert werden. Gemäß den Aussagen des Herstellers treten beim AGM Rückstoßkräfte von bis zu 60 Tonnen (höchste Ladung) auf. Diese müssen durch die Plattform aufgenommen werden (gegebenenfalls auch während der Bewegung), ohne dass das Fahrgestell über Gebühr beansprucht wird oder die Präzision darunter leidet.

In der Radhaubitzenvariante ist das AGM so ausgelegt, dass es im kompletten Wirk- und Richtbereich mit der höchsten Ladung uneingeschränkt schießen kann. Die Fähigkeit zum Feuern während der Bewegung ist einzigartig auf der Welt und wurde seitens der KNDS-Ingenieure aus der Funktionsweise von Stabilisierungsanlagen, wie sie in Kampf- und Schützenpanzern verwendet werden, abgeleitet. Dabei kalkuliert ein Rechner ständig die aktuelle Lage des Fahrzeuges und des Rohres. Weicht die Rohrrichtung vom errechneten Zielpunkt ab, wird nachgesteuert. Nur wenn die Waffe exakt auf das Ziel gerichtet ist, löst der Rechner den Schuss aus.

Die Feuergeschwindigkeit des AGM beträgt mehr als acht Schuss pro Minute. In das AGM wurde ein vollautomatisches Ladesystem für Geschosse und modulare Treibladungen integriert. Die Zünder werden im Ladevorgang induktiv programmiert, die Waffenanlage elektrisch gerichtet. Die Kampfbeladung besteht aus maximal 30 bezünderten Geschossen und 144 modularen Treibladungen und damit rund 50 Prozent mehr, als es typische, auf LKW basierte und im Einsatz befindliche Artilleriesysteme haben. Der Feuerkampf wird durch einen Feuerleitrechner mit integriertem Ballistikrechner und Datenfunk-Anbindung zu einem Artillerieführungssystem unterstützt, der auf eine hochgenaue Navigationsanlage, mit oder ohne GPS-Unterstützung, zurückgreift. Der Turm kann ohne Fahrzeugabstützung um 360 Grad gedreht werden. Die Elevation des Rohres von -2,5 bis 65 Grad erlaubt den Feuerkampf sowohl auf große Entfernung als auch im direkten Richten auf nahe Ziele.

Waldemar Geiger