Das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw hat in der vergangenen Woche eine Ankündigung über die Bereitstellung von „ergänzender fliegerischer Grundlagenausbildung Jet“ veröffentlicht. Wie es in der auf der europäischen Datenbank TED erschienenen Mitteilung heißt, müssen Luftfahrzeugführer im Rahmen der ergänzenden fliegerischen Grundlagenausbildung Jet „als verantwortlicher Luftfahrzeugführer in Einsitzer-Cockpits ausgebildet, qualifiziert sowie lizenziert werden und gleichzeitig die Teamfähigkeit in einer taktischen Formation im Luftkampf und im weiteren Sinne als Teil moderner, verbundener Luftkriegsoperationen unter Bedrohung, interoperierend mit der Vielzahl an Plattformen und Fähigkeiten, erlernen und verinnerlichen“.
Beobachter gehen davon aus, dass angehende Piloten der Luftwaffe eine solche Ausbildung bislang in erster Linie auf der Sheppard Air Force Base in Texas absolvieren. Dort werden sie laut einem Bericht auf der Seite der Bundeswehr auf Flugzeugen der Typen T-6A und danach T-38C Talon (siehe Titelbild) ausgebildet. Die T-38C ist ein Strahl-Schulflugzeug für den Flug im Überschallbereich, die T-6A eine Propellermaschine.
Wie es in dem Beitrag aus dem Jahr 2024 heißt, bilden auf der Air Base Sheppard beim Euro NATO Joint Jet Pilot Training (ENJJPT) insgesamt 14 NATO-Länder gemeinsam aus. Pro Jahr kommen demnach etwa 250 angehende Pilotinnen und Piloten nach Wichita Falls, darunter 24 aus Deutschland. Die Ausbildung eines Flugzeugführers dürfte Kosten von mehreren Millionen Euro verursachen, während die Ausbildungskapazitäten als begrenzt gelten.
Bei dem Verhandlungsverfahren mit vorheriger Veröffentlichung eines Aufrufs zum Wettbewerb sollen die Leistungen spätestens 24 Monate nach Vertragsschluss über einen Zeitraum von 10 Jahren angeboten werden. Starten soll das Projekt am 1. Juli 2027 und bis zum 30. Juni 2036 laufen.
Von den Anbietern wird gefordert, dass sie eine Zulassung als Approved Training Organization (ATO) oder entsprechendes Äquivalent aufweisen, weil sie „hochwertige und äußerst komplexe Pilotenausbildungen“ durchführen müssen, für die entsprechend gefestigte Erfahrungen auf diesem Gebiet zwingend erforderlich seien.
„Die Ausbildung eines Piloten auf einem militärischen Luftfahrzeug im Bereich Jet stellt eine enorme Herausforderung dar und bedarf der höchsten qualitativen sowie quantitativen Ansprüche an die Ausbildung. Um einem derartigen Anspruch gerecht zu werden, bedarf es einer hohen Expertise sowie Lern- und Anpassungsfähigkeit. Dementsprechend muss seitens des Bewerbers bereits in der Vergangenheit auf einem vergleichbaren Niveau ausgebildet worden sein“, heißt es in der Mitteilung.
Überdies sollen mindestens 50 Piloten pro Jahr über die letzten fünf Jahre ausgebildet worden sein. Vom Bewerber wird eine Eigenerklärung verlangt, wonach er sowie alle von ihm eingesetzten Unterauftragnehmer in einem Mitgliedsstaat der EU, in UK, in Norwegen, in der Schweiz, in den USA oder in Kanada ansässig sind. Der Gesamtumsatz muss über einen Gesamtumsatz in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Euro exklusive Steuern (netto) innerhalb der letzten 3 Jahre betragen haben, somit scheiden kleine und mittlere Unternehmen als Anbieter aus.
Als Zuschlagskriterien werden Ausbildungsdauer, zusätzliche IT zur Möglichkeit der Analyse und individueller Ausbildungsplanung der Trainingsteilnehmer, Ausbildungsort, Wetter am Ausbildungsort und Preis, der zu 50 Prozent in die Bewertung einfließt, genannt. Die Ausschreibungsunterlagen sind auf Deutsch zu verfassen, auch die Angebote sollen auf Deutsch erfolgen. Die Frist für den Eingang der Teilnahmeanträge ist der 11. Juni.
Lars Hoffmann


















