Der CEO von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, hält es für denkbar, dass in Europa der Bau von drei unterschiedlichen Kampfflugzeugen vorangetrieben werden könnte. Betrachte man die Entwicklung von Kampfflugzeugen der sechsten Generation, so seien die USA dabei, drei bis vier davon zu bauen. China entwickle drei, sagte der Manager heute bei einer Podiumsdiskussion auf der Messe Hannover.
Es sei nicht „das Ende der Welt“, wenn in Europa drei sehr unterschiedliche bemannte oder optional bemannte Kampfflugzeuge gebaut würden, sagte Schöllhorn. Eines davon wäre seinen Worten zufolge das britisch-japanisch-italienische GCAP, „fast so groß wie ein Bomber“, ein zweites wäre ein trägertaugliches französisches Flugzeug, das eine schwere Waffe für die nukleare Abschreckung tragen könne, sowie ein dritter europäischer Fighter für die Luftüberlegenheit, an dem Deutschland beteiligt sei. Man könne viele Technologien in den unterschiedlichen Fighter-Konzepten nutzen, sagte der Chef von Airbus Defence and Space. Die unterschiedlichen Flugzeuge müssten dann über eine Combat Cloud für den Luftkampf miteinander verbunden werden.
Airbus sei bei FCAS (Future Combat Air System), das neben dem Fighter unter anderem auch eine Combat Cloud umfasse, gestartet, um ein kooperatives europäisches Projekt umzusetzen. Man sein nicht gestartet, um als Zulieferer für einen französisches OEM zu enden, betonte der Airbus-Manager. Zwar müsse es Führung bei einem solchen Projekt geben, aber wenn letztendlich keine Partnerschaft auf Augenhöhe möglich sei, werde es erforderlich, den Fighter aus dem FCAS-Vorhaben herauszunehmen und separat zu entwickeln, so Schöllhorn. Er zeigte sich zuversichtlich, dass es trotzdem ein „europäisches FCAS“ geben wird, in dem alle Partner, darunter auch die Briten eingebunden wären.
Das französisch-deutsch-spanische Vorhaben FCAS befindet sich gegenwärtig in einer entscheidenden Phase, nachdem Presseberichten zufolge der letzte Mediationsversuch in der vergangenen Woche gescheitert sein soll. Das Handelsblatt hatte als erstes über das Scheitern berichtet. Bei der Mediation sollte eine Lösung bei der Aufgabenteilung zwischen Dassault und Airbus Defence and Space gefunden werden sollte. Dassault verlangt entgegen den urprünglichen Abmachungen deutlich größere Arbeitsanteile am FCAS-Fighter.
Damit dürfte die Entscheidung über die Zukunft des Vorhabens erneut bei Kanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron liegen.
lah
















