Die Bundeswehr darf 237 zusätzliche Zugsysteme des Soldatensystems „Infanterist der Zukunft – Erweitertes System VJTF +“ (IdZ-ES VJTF +) beschaffen und 116 Bestands-Zugsysteme anteilig auf den Konstruktionsstand „VJTF +“ hochrüsten, der Obsoleszenzbeseitigungen und mehrere neue Fähigkeiten enthält. Die dafür notwendigen Finanzmittel in Höhe von etwas mehr als 1,3 Milliarden Euro hat der Haushaltsausschuss des Bundestages gut informierten Kreisen zufolge in seiner heutigen Sitzung freigegeben. Somit kann die Bundeswehr entsprechende Abrufe für die Neubeschaffung und Regeneration aus einem im Februar 2025 mit Rheinmetall geschlossenem Rahmenvertrag tätigen.
Dem Vernehmen nach soll die Umrüstung der Bestandsysteme sowie die Lieferung aller neu bestellten Zugsysteme noch in dieser Dekade erfolgen. Ein Zugsystem umfasst 35 einzelne Soldatensysteme und eine Zugausstattung an Peripheriekomponenten, bestehend aus einer erweiterten IT-Ausstattung, Optiken, Optroniken sowie der Bekleidungs-, Schutz- und Trageausstattung. In Summe würde die Bundeswehr nach Abschluss der Maßnahme über etwas mehr als 12.000 Einzelsysteme verfügen.
Gegenüber dem Konstruktionsstand VJTF obsoleszenzbereinigt (aus dem Rahmenvertrag vom Februar 2025) wird VJTF + gut informierten Kreisen zufolge mehrere Änderungen enthalten. Zentrales Element ist eine neue Schnittstellenbox mit zusätzlichen Anschlüssen. Diese Schnittstellenbox ist integriert im Rückenteil der Schutzweste auf einer neuen Rückenplatte. Auf Grundlage von Nutzungserfahrungen wurde die Rückenplatte zur Aufnahme des UHF-Funkgeräts (Soldatenfunkgerät) verbessert. Durch die Verstauung des UHF-Funkgeräts auf der Rückenplatte und Nutzung einer neuen Antenne, die hinten an der Schulter der Soldaten aus der Schutzweste herausragt, kann der Soldat weiteren Platz an den Seitenteilen der Schutzweste, beispielsweise für Kampfmittel, nutzen. Gleichzeitig ist das missionskritische Funkgerät, das vollständig über die Software des Systems fernbedient wird, geschützt.
Mit VJTF + wird die Truppe zudem einige neue Fähigkeiten erhalten. Dazu zählen beispielsweise tragbare Drohnenwarnsysteme des Typs Wingman 105. Das System warnt akustisch ad-hoc-über den Sprechsatz mit Gehörschutz als auch visuell im Battle Management System von vor funkgesteuerten Drohnen in der Nähe. Eine Richtungsbestimmung der Drohnen ist ebenfalls möglich. Die zentrale Energieversorgung des Soldatensystems wird durch eine neue Generation von Akkus verbessert. Durch eine ca. 40 Prozent höhere Akkuleistung wird jeder Soldat und jede Soldatin künftig nur vier anstatt sechs Batterien mitführen müssen. Zudem soll jeder Infanterist mit einem Laserwarnsystem ausgestattet werden, welches am Helm befestigt wird und den Träger warnt, wenn er durch ein Laserentfernungsmesser oder Laserzielbeleuchter angelasert wird.
Neu ist zudem die Möglichkeit, im Soldatensystem vorhandene Optroniken abgesetzt nutzen zu können. So wird es beispielsweise möglich sein, die Moskito-Optik auf einem Dreibein aufzustellen und diese in Kombination mit einem Laptop und dem im Satz enthaltenen Soldatenfunkgerät PNR-1000 D „unbemannt“ zur Überwachung eines Sektors einzusetzen. Personen, Fahrzeuge oder Drohen im Erfassungsbereich, werden so automatisiert erkannt und die Daten im BMS angezeigt. Jedes Zugsystem wird zudem eine Drohnenbedieneinheit SRoC 7 (Soldier Robotic Controller) bekommen, mit der zukünftig die Missionsplanung und Missionssteuerung von unterschiedlichen Aufklärungs- und Wirkdrohnen erfolgen soll. Über die Software zur Drohnensteuerung können mehrere unbemannte Systeme gleichzeitig gesteuert werden, sodass das Soldatensystem auch für die Integration neuer unbemannter Systeme vorbereitet ist.
Waldemar Geiger













