Kampfpanzer neue Generation – Nachfolger für Leopard 2 nimmt wichtige Hürde

Waldemar Geiger

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Mit dem sogenannten Kampfpanzer neue Generation – vormals auch als Brückenlösung bezeichnet – beabsichtigt die Bundeswehr, einen modernen Kampfpanzer zu beschaffen, mit dem die Zeit bis zur Einführung des Main Ground Combat Systems (MGCS) überbrückt werden soll. Das Vorhaben hat kürzlich eine wichtige Hürde genommen, wie gut unterrichtete Quellen gegenüber hartpunkt berichten.

Bereits Mitte Dezember 2025 ist öffentlich bekannt geworden, dass die Bundeswehr den Kampfpanzernachfolger über die PSM Projekt System & Management GmbH, ein 50:50-Joint-Venture von KNDS Deutschland und Rheinmetall, beschaffen will. Dies ging aus einer damals vom Bundeskartellamt publizierten Pressemitteilung hervor, in der die Zustimmung zur Erweiterung des bestehenden Gemeinschaftsunternehmens kommuniziert wurde. Die PSM war ursprünglich für die Entwicklung und Beschaffung des Schützenpanzers Puma gegründet worden.

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In diesem Zusammenhang war für viele Beobachter interessant zu erfahren, wie eine Baugruppenverantwortung für die Entwicklung des zukünftigen Kampfpanzers zwischen den beiden an der PSM beteiligten Systemhäusern aussehen könnte. Schließlich haben sowohl Rheinmetall als auch KNDS Deutschland auf der Eurosatory 2024 mit dem KF51 CUT bzw. dem Leopard 2 A-RC 3.0 konkurrierende Kampfpanzerkonzepte vorgestellt, die beide auf das nunmehr unter dem Namen „Kampfpanzer neue Generation“ laufende Vorhaben zielten.

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Wie es nun aus gut unterrichteten Kreisen heißt, haben sich die beiden Häuser auf 14 Baugruppen für den neuen Panzer verständigt, von denen jedes Systemhaus die Verantwortung für sieben Baugruppen übernimmt. So soll Rheinmetall beispielsweise unter anderem die Verantwortlichkeit für die Waffenanlage, die Optiken der Hauptwaffe sowie das 360-Grad-Sichtsystem tragen, während KNDS Deutschland den Autolader, die Richt- und Stabilisierungsanlage sowie die Feuerleitung verantwortet. Ungeklärt scheint aktuell noch zu sein, ob die zwischen den Unternehmen vereinbarte Arbeitsaufteilung auch die Billigung des Verteidigungsministeriums findet. Weder das Ministerium noch die beiden Unternehmen wollten den Sachverhalt auf Nachfrage von hartpunkt kommentieren oder dazu Stellung nehmen.

Kampfpanzer neue Generation

Über das genaue Design des Kampfpanzers neue Generation ist bis heute nur wenig bekannt. Lediglich die Anfang 2025 veröffentlichte Mitteilungen des BAAINBw über einen Teil der vergebenen technischen Studien im Zusammenhang mit zukunftsweisenden Panzertechnologien boten einen unscharfen Blick auf den zukünftigen Kampfpanzer der deutschen Panzertruppe, hartpunkt berichtete. Die Ergebnisse der Studien sollen in diesem Jahr vorliegen.

Die vergebenen Studienaufträge in Kombination mit dem zwischen den beiden Systemhäusern vereinbarten Workshare deuten darauf hin, dass der Kampfpanzer neue Generation zumindest äußerlich sehr große Überschneidungen mit dem von KNDS Deutschland vorgestellten Panzerkonzept Leopard 2 A-RC 3.0 aufweisen dürfte. Maßgeblich dafür sollen der lineare Autolader sein sowie die markante Waffenaufnahme, die mittels zwei Achsen das Eintauchen der Kanone nach dem Schuss in den Rumpf verhindert. Beide Systeme, für die im Rahmen der Arbeitsteilung KNDS verantwortlich ist, erlauben ein besonders flaches Turmdesign. Als Hauptwaffe dürfte hingegen die 130mm-Waffenanlage von Rheinmetall gesetzt sein. Aus Fachkreisen ist zudem zu hören, dass die Positionierung der gesamten Drei-Mann-Besatzung in der Wanne eine im Vergleich zum Leopard 2 leicht höhere Wanne erfordern würde. Diese zusätzliche Bauhöhe dürfte sich zudem positiv auf die Auswahl eines möglichen Alternativtriebwerkes auswirken. KNDS Deutschland wurde beispielsweise von der Bundeswehr im Rahmen der vergebenen Studien mit der Entwicklung eines alternativen Triebwerks mit der Bezeichnung „OLYMP“ beauftragt. Gut informierten Kreisen zufolge wird im Zuge von OLYMP ein Motor von Liebherr untersucht. Liebherr hat jedoch (öffentlich bekannt) keine Kampfpanzer-Triebwerke im Angebot, die sich durch eine besonders flache Bauweise auszeichnen. Industriemotoren, so wie sie von Liebherr angeboten werden, weisen typischerweise eine höhere Bauform auf. Ob der Kampfpanzer neue Generation am Ende tatsächlich durch ein solches Triebwerk angetrieben wird oder nicht, wird vermutlich erst nach Vorliegen der endgültigen Studienergebnisse feststehen.

Systembedarf 

Beobachter gehen davon aus, dass die Bundeswehr zunächst einmal einen Bedarf von rund 100 Systemen des neuen Kampfpanzers haben dürfte, um damit die aktuelle Flotte von Leopard-2-Kampfpanzern unterhalb des Rüststandes A7 zu ersetzen. Mit einem Zulauf der Systeme wird Insidern zufolge beginnend ab den frühen 2030er Jahren gerechnet.

Zudem wird in Fachkreisen nicht ausgeschlossen, dass ein weiterer Bedarf durch internationale Kunden hinzukommen könnte. Viele der aktuellen Leopard-2-Betreibernationen verfügen aktuell noch über ältere Modelle des Kampfpanzers, bis hin zum Rüststand A4. Beobachter halten es daher für nicht ausgeschlossen, dass ein Teil der internationalen Flotte abhängig vom zeitlichen Druck durch den Leopard 2 A8 oder den Kampfpanzer neue Generation ersetzt werden könnte. Die Grundvoraussetzungen dafür sind bereits gelegt.

Über das EDF-Projekt MARTE (Main ARmoured Tank of Europe) haben sich rund ein Dutzend EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen bereits auf einen generellen Forderungskatalog an einen zukünftigen Kampfpanzer geeignet, welcher dem Vernehmen nach eine große Deckungsgleichheit mit der Forderung der Bundeswehr an den Kampfpanzer neue Generation aufweist. Konkret handelt es sich bei den an MARTE beteiligten Nationen um Deutschland, Belgien, Spanien, Estland, Litauen, Finnland, Griechenland, Italien, Niederlande, Norwegen, Rumänien und Schweden.

Darüber hinaus halten Beobachter es nicht für ausgeschlossen, dass der Kampfpanzer neue Generation die Basis für den sogenannten „Kanonenwagen“ bilden könnte, welcher neben weiteren Gefechtsfahrzeugen im Rahmen des deutsch-französischen Vorhabens Main Ground Combat Systems (MGCS) realisiert werden soll. Vorausgesetzt natürlich, dass dieses noch weiterverfolgt wird.

Waldemar Geiger