Ein großer Teil der CAVS-6×6-Radpanzer, mit denen die Bundeswehr die Fuchs-Flotte ersetzten will, wird mit einer Panzerabwehrfähigkeit ausgestattet. Dies bestätigen gut informierte Kreise gegenüber hartpunkt. Realisiert werden soll diese Fähigkeit durch eine Integration des Panzerabwehrlenkflugkörpers MELLS LR2 von EuroSpike auf der fernbedienbaren Waffenstation Protector RS4 des norwegischen Rüstungskonzerns Kongsberg Defence & Aerospace. Dem Vernehmen nach wird unter anderem die Radpanzer-Variante Panzeraufklärungsgruppe mit diesem Waffensystem ausgestattet.
Kongsberg hat bereits Anfang Februar mitgeteilt, dass das Unternehmen eine spezifische Variante der Protector RS4 für die deutschen CAVS-Radpanzer liefern wird. Dabei soll es sich um eine modernisierte Variante der „nordischen Version“ der RS4 handeln. Wie gut unterrichtete Kreise gegenüber hartpunkt bestätigen, handelt es sich bei dieser Variante um eine Portector RS4 mit integriertem Spike LR2-Startrohr (in der Bundeswehr als MELLS LR2 eingeführt). Diese Variante der stabilisierten Waffenstation wird derzeit unter anderem auch von den dänischen Streitkräften auf dem geschützten 4×4-Radfahrzeug Eagle V eingeführt. Einem Anfang Januar 2026 veröffentlichten Bericht der Beschaffungs- und Logistikorganisation des dänischen Verteidigungsministeriums (DALO) zufolge, haben die ersten erfolgreichen Schießversuche der kampfwertgesteigerten Waffenstationvariante bereits am 6. November 2025 stattgefunden.
Dem Vernehmen nach ist es dem Bediener möglich, sowohl die Hauptbewaffnung der Waffenstation als auch den Panzerabwehrlenkflugkörper mit derselben Bedieneinheit unter Panzerschutz zu bedienen. Lediglich für das Nachladen müsste das Fahrzeug verlassen werden. Wie es heißt, wird die Waffenstation für den CAVS-Radpanzer nur ein Startrohr aufnehmen können.
Bei MELLS LR2 handelt es sich um eine kampfwertgesteigerte Variante des Panzerabwehrlenkflugkörpersystems MELLS. MELLS steht für das Mehrrollenfähige Leichte Lenkflugkörper-System und basiert auf dem marktverfügbaren Produkt Spike Long Range des israelischen Rüstungskonzerns Rafael Advanced Defence. In Europa wird das Waffensystem durch die EuroSpike GmbH – einem Joint Venture von Rafael Advanced Defense Systems (20 Prozent), Diehl Defence (40 Prozent) und Rheinmetall Electronics (40 Prozent) – hergestellt.
Der LR2-Flugkörper wiegt 13 kg, ist 1,2 Meter lang und hat einen Durchmesser von 13 cm. Nach Angaben des Herstellers verfügt der Spike LR2 über einen leistungsstarken Tandem-HEAT-Gefechtskopf, der alle heutigen Panzer und Fahrzeuge vernichten kann. Es wird aber auch eine Variante mit einem Mehrzweckgefechtskopf angeboten, welche von der Bundeswehr jedoch bis dato nicht beschafft wurde.
Weitere Vorteile des LR2-Lenkflugkörpers gegenüber der Version LR1 sind unter anderem:
- Reichweitensteigerung von 4.000 Meter auf bis zu 5.500 Meter.
- Verbesserte Steuerung und die Möglichkeit einer höheren Flugbahn, die einen steileren Endanflugwinkel von bis zu 70 Grad erlaubt. Dies ermöglicht eine bessere Wirkung hinter Deckungen sowie die Ausnutzung von Schwachstellen in der Panzerung des Zieles.
- Verbesserte Optronik des Flugkörpers mit einer besseren Auflösung für den Schützen und der Möglichkeit, den Suchkopfsensor auch im Flug in den Modi visual/infrarot zu wechseln.
- Nutzung eines ungekühlten IR-Suchers. In der Version LR1 muss der IR-Sucher mittels einer Gaspatrone gekühlt werden. Einmal aktiviert, steht die Funktion für eine weitere Aktivierung nicht mehr zur Verfügung, bis die Gaspatrone getauscht wird. Der Lenkflugkörper kann somit nur noch im Visual-Modus genutzt werden, bis eine neue Patrone eingesetzt wird.
Waldemar Geiger

















