GCAP keine Alternative zu FCAS

Waldemar Geiger

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Die offenbar nicht mehr zu heilenden Verwerfungen im französisch-deutsch-spanischen Gemeinschaftsvorhaben Future Combat Air System (FCAS) lässt den einen oder anderen Beobachter neidisch auf das Konkurrenzvorhaben Global Combat Air Programme (GCAP) blicken, welches von Großbritannien, Italien und Japan vorangetrieben wird und genau so wie FCAS das Ziel verfolgt, unter anderem ein Kampfflugzeug der 6. Generation zu entwickeln.

Anstatt weiterhin mit Frankreich um industrielle Anteile bei der Entwicklung des New Generation Fighters zu streiten oder wegen des französischen Bedarfs der Trägerfähigkeit Kompromisse bei der Leistungsfähigkeit des zukünftigen Kampfflugzeuges in Kauf zu nehmen, sollte man sich doch lieber gleich dem GCAP anschließen und den zukünftigen Fighter der Luftwaffe aus diesem Vorhaben generieren, wird mitunter von Beobachtern argumentiert. Denkt man jedoch einen Schritt weiter, erkennt man sehr schnell, dass eine deutsche Beteiligung am GCAP keine Alternative für FCAS darstellt. Gründe dafür gibt es mehrere:

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Wer die Meinung vertritt, dass ein maßgeblich deutsch-französisches Rüstungsvorhaben eine komplexe Angelegenheit darstellt, der wird sich wundern, wie komplex die Angelegenheit erst werden kann, wenn neben den bereits drei aktuellen GCAP-Nationen noch potenziell drei weitere dazukommen und am „Brei“ – politisch, militärisch und industriell – mitkochen wollen. Neben Großbritannien, Italien und Japan würde sich nämlich Deutschland zusammen mit Spanien einbringen, weil auch Madrid nicht mit den französischen Forderungen einverstanden ist. Zudem hat Saudi-Arabien Interesse bekundet, bei GCAP einzusteigen. Japan soll sich Medienberichten zufolge gegen eine saudische Teilnahme ausgesprochen haben. Wenn jetzt Deutschland und Spanien dazukämen, Saudi-Arabien aber nicht, dürfte Großbritannien viel zu erklären haben in Riad.

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Generell lehren uns die Erfahrungen aus dem Eurofighter-Programm mit vier Partnern, dass multinationale Kampfflugzeugprogramme für keinen Beteiligten der Vergnügungssteuer unterliegen. Mit zunehmendem Fortschritt des Vorhabens spreizen sich die Interessen und Schwerpunkte der Teilnehmernationen immer weiter auf. Gleichzeitig erlauben die vertraglich fixierten Zuständigkeiten keine autonome Weiterentwicklung der Waffensysteme.

Während gerade Deutschland in den vergangenen beiden Jahrzehnten bei der Weiterentwicklung des Eurofighters geknausert hat, sind es derzeit dem Vernehmen nach Italien und Großbritannien, die Haushaltsmittel lieber für die Entwicklung von GCAP zuteilen, als für die zügige Ertüchtigung der Eurofighterflotten. Man braucht da nicht viel Phantasie um zu erkennen, dass GCAP bei fünf oder sechs beteiligten Nationen eine ähnliche Zukunft drohen würde.

Zudem ist auch bei GCAP nicht alles Gold, was glänzt. Die jüngst kolportierten Preissteigerungen in der Entwicklungsphase des Vorhabens sind da nur ein Beispiel – Italien soll beispielsweise entgegen der 2021 getroffenen Annahme nicht mehr sechs, sondern nunmehr 18,6 Milliarden Euro in der Entwicklungsphase zahlen. Gerade die italienische Seite wirft der britischen Industrie Berichten zufolge vor, dass Zusagen bei der Offenlegung von Technologien nicht eingehalten wurden.

Ein Einstieg weiterer Nationen könnte vielleicht den Kostenrahmen bei der Entwicklung für jeden einzelnen Partner begrenzen, jedoch nicht ohne, dass dafür ein Preis zu bezahlen wäre. Jeder weitere Teilnehmer würde auch eine industrielle Beteiligung am Programm fordern, so dass das bereits verteilte Fell des Bären noch einmal neu zugeschnitten werden müsste. Verzögerungen und Streit sind dann vorprogrammiert. Auch müssten sich alle beteiligten Nationen auf die gleichen technischen Spezifikationen für den Jet einigen. Ob man sich anhand der aktuellen Bedrohungslage leisten will, Zeit für Verhandlungen anstatt für Entwicklungen zu investieren, bleibt dabei offen.

Weiterhin wäre da noch das politische Risiko einer deutschen Beteiligung an GCAP. Sowohl Deutschland als auf Großbritannien haben erst jüngst Erfahrungen machen können, wie schwierig die Gegenseite sein kann. Auf der einen Seite war da der Hickhack um die Exportfreigabe von Eurofightern in den Nahen Osten. Erst die Regierung Merz hat hier eine grundsätzliche Kehrtwende vollzogen, so dass aus britischer Sicht wichtige Industriearbeitsplätze auf der Insel erhalten bleiben. Wer kann da vorhersagen, wie die deutsche Rüstungsexportpolitik in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen wird.

Aber auch von deutscher Seite gibt es gute Gründe nicht mit allzu viel Euphorie ins britische Bett zu steigen. Die Posse rund um das britische Lobbyieren gegen deutsche U-Boote für Polen und Kanada – wie es die Tagesschau im November zu berichten wusste – wird man auch in Berlin nicht vergessen haben. Im Kanzleramt wird man sich sicherlich bewusst sein, dass der aktuellen Labour-Regierung – überspitzt gesagt – kurzfristig 500 Industriearbeitsplätze auf der Insel wichtiger sind als die Berücksichtigung strategischer Interessen von Verbündeten. Wer mag da vorhersagen, wie eine deutsch-britische Zusammenarbeit bei anderen Regierungskonstellationen aussehen würde. Ähnlich wie in Frankreich sind auch in Großbritannien derzeit eher deutschlandkritische als deutschlandfreundliche Kräfte auf dem politischen Vormarsch.

Waldemar Geiger