Der Lenkflugkörperspezialist MBDA Deutschland und das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw haben gestern einen Vertrag über die Entwicklung und Beschaffung des Anti-Drohnen-Lenkflugkörpersystems DefendAir unterzeichnet. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die dafür in Höhe von rund 500 Millionen Euro benötigten Haushaltsmittel bereits letzte Woche freigegeben, hartpunkt berichtete.
Der bis vor kurzem noch als Small Anti Drone Missile bezeichnete Flugkörper solle in Zukunft in großer Stückzahl am Standort Schrobenhausen produziert werden, erläuterte Thomas Gottschild, Geschäftsführer von MBDA Deutschland, heute bei einem Pressegespräch in Berlin. Esgehe dabei um Produktionszahlen, die etwa um das Zehnfache höher liegen als bei herkömmlichen Flugkörpern, sagte der Manager. Seiner Einschätzung zufolge erfolgt die Wertschöpfung des Waffensystems zu etwa 90 Prozent in Deutschland. Ein Teil der Aktuatoren komme aus Großbritannien.
„Das System nutzt bewährte Technologien aus dem Enforcer-Programm, was das Entwicklungsrisiko verringert und schnellstmögliche Verfügbarkeit gewährleistet. Als Beitrag zur European Sky Shield Initiative (ESSI) weckt DefendAir bereits starkes Interesse weiterer Partnernationen“, betonte Gottschild. Er schätzt den Technological Readiness Level im Durchschnitt auf deutlich über 6 ein. Seinen Worten zufolge soll schnell mit umfangreichen Flugversuchen gestartet werden, um die Weiterentwicklung zu forcieren. Ende kommenden Jahres solle die Produktion aufgenommen werden.
MBDA hat nach eigenen Angaben mit der Entwicklung des Lenkflugkörpers bereits vorvertraglich begonnen, um erste Systeme schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen und die Verteidigungsfähigkeit gegen Drohnen signifikant zu stärken.
Wie Andreas Heinemann, Vice President Surface Based Air and Missile Defense bei MBDA Deutschland, ausführte, ist der DefendAir zunächst für den Einsatz auf den deutschen Flakpanzern des Typs Skyranger mit 30mm-Maschinenkanone vorgesehen. Für diesen Einsatz sei im Augenblick eine Stückzahl von mindestens 9 Flugkörpern vorgesehen. Für die Zukunft werde auch an eine stationäre Nutzung des Flugkörpersystems, etwa zum Schutz kritischer Infrastruktur, sowie als MANPADS für den Verschuss von der Schulter eines Soldaten gedacht. Heinemann betonte, dass der DefendAir aufgrund seines aktiven Suchkopfs allwetterfähig ist.
Nach Angaben von MBDA wird bei der Entwicklung des Flugkörpers großer Wert auf die Kosteneffizienz gelegt. Nach Aussage von Gottschild steht der Preis des DefendAIR fast in einem 1:1-Verhältnis zu dem zu bekämpfenden Ziel.
Die Integration der Waffe in den Flak-Panzer Skryranger erfolgt im Rahmen des Projekts Nah- und Nächstbereichsschutz (NNBs). Laut MBDA fügt sich DefendAir in das globale Portfolio des Unternehmens ein. Neben Sky Warden, der Mistral-Familie und CAMM (Common Anti-Air Modular Missile) werde DefendAir das Luftverteidigungsportfolio ergänzen und die umfassenden Lösungen im Bereich der integrierten Luftverteidigung von MBDA stärken.
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