Die Bundeswehr benötigt für den erwarteten Aufwuchs der Streitkräfte in den kommenden Jahren deutlich mehr Unterkünfte, um Personal unterzubringen und auszubilden. Damit die benötigte Infrastruktur rechtzeitig zur Verfügung steht, will das Verteidigungsministerium auf das für Auslandseinsätze entwickelte Konzept mit dem Namen German Armed Forces – Contractor Augmentation Program (G-CAP) zurückgreifen und dieses für das Inland anpassen.
Wie es in einem aktuellen Beitrag auf bundeswehr.de heißt, basiert G-CAP auf Rahmenvereinbarungen, die eine schnelle und lageangepasste Bereitstellung von Unterbringungs- und Sanitätseinrichtungen ermöglichen. Im sogenannten Full-Service-Ansatz können sämtliche Leistungen – von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb – unmittelbar abgerufen und zügig realisiert werden. So betrage beispielsweise die Zeit zur Errichtung einer containerbasierten Unterkunft für 1.000 Personen in einem Einsatzcamp rund 270 Kalendertage.
Dem Beitrag zufolge werden gegenwärtig Ideen und Lösungen für eine Anwendung des Konzeptes in Deutschland erarbeitet, dazu werde aktuell eine Markterkundung durchgeführt. In einem ersten Schritt wurde interessierten Unternehmen demnach die Möglichkeit geboten, an der Markterkundung teilzunehmen und ihre Ideen vorzustellen. Die Rückmeldungen werden nun gesichtet und ausgewertet. Am 9. Oktober werde für die interessierten Unternehmen in Berlin ein Industrietag durchgeführt – zur Diskussion der Ergebnisse, zum gegenseitigen Austausch und als Vorbereitung auf die geplante Vergabe.
Im Zentrum der Markterkundung stehe die Frage, welche Bauweise – zum Beispiel Modulbau, Containerbau, Elementbau oder hybride Varianten – am besten geeignet sei, um die ehrgeizigen Zeitvorgaben zu erfüllen.
Die Rahmenvereinbarung soll den Angaben zufolge bundesweit abrufbar, skalierbar und an unterschiedlichen Standorten umsetzbar sein. Auch die optionale Übernahme von Leistungen zum Betrieb der errichteten Einheiten sei grundsätzlich vorgesehen.
Laut dem Artikel besteht ein bundesweiter Bedarf an standardisierten Gebäuden insbesondere für die Basisausbildung im Rahmen des Neuen Wehrdienstes. Geplant sei die Errichtung von über 100 solcher Einrichtungen, sogenannter Referenzbauvorhaben, mit jeweils etwa 3.100 Quadratmetern Nutzfläche. Jede Einrichtung soll folgende Funktionsbereiche umfassen:
- Unterkunftsräume samt Sammelsanitärräumen für bis zu 240 Rekrutinnen und Rekruten, ausgehend von vier Personen pro Unterkunft,
- Büroräume mit Sanitäreinrichtungen für bis zu 60 Personen,
- Lehrsaal für theoretische Ausbildungsanteile von bis zu 60 Rekrutinnen und Rekruten,
- Lagerräume für militärisches Ausbildungsmaterial,
- Waffenkammer zur sicheren Lagerung von Waffen.
Die Umsetzung an bundesweit unterschiedlichen Standorten soll ab 2027 bis zum Jahr 2031 erfolgen. Vorgesehen sei eine geplante Nutzungsdauer der Gebäude von mindestens 25 Jahren. Um eine schnelle Realisierung auf teils nur eingeschränkt erschlossenen Grundstücken zu ermöglichen, sollen standardisierte und beschleunigte Bauweisen eingesetzt werden.
Zentrale Elemente sind laut Bundeswehr dabei eine einheitliche Grundrissplanung und die Typisierung von Gebäudeteilen. Mit der Standardisierung lassen sich demnach eine zügige Umsetzung sowie ein wiedererkennbares Erscheinungsbild gewährleisten.
Besonders gefragt sind Bauweisen mit hohem Vorfertigungsgrad, die eine schnelle Verfügbarkeit ermöglichen. Über eine entsprechende Rahmenvereinbarung sollen mehrere baugleiche Gebäude an unterschiedlichen Standorten errichtet werden. Die Grundstücke will der Auftraggeber zur Verfügung stellen. Diese befinden sich voraussichtlich bereits in Nutzung durch die Bundeswehr.
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