Mit rund 28.000 Tonnen Verdrängung ist die russische Kirow-Klasse die derzeit größte und am schwersten bewaffnete Überwasserkampfschiffklasse der Welt. Einer dieser Stahlgiganten aus der Sowjetzeit, die Admiral Nachimow, hat kürzlich eine jahrzehntelange und äußerst kostspielige Modernisierung hinter sich gebracht und ist nun bereit, ihren Platz als Stolz der russischen Marine einzunehmen. In der Zwischenzeit stellt jedoch die Drohnenkriegsführung, wie sie derzeit im Schwarzen Meer zu beobachten ist, diese Investition in Frage. Doch das Geld ist bereits ausgegeben.
Die russische Regierung hat laut Schätzungen bis zu fünf Milliarden US-Dollar für die Modernisierung des Schlachtkreuzers Admiral Nachimow ausgegeben. Das atomgetriebene Schiff ist zusammen mit seinem verbliebenen Schwesterschiff, der Pjotr Weliki (Peter der Große), das derzeit mit Abstand größte Überwasserkampfschiff der Welt, deren Größe nur von Flugzeugträgern übertroffen wird. Ihre modernisierten Vertical Launch Systems (VLS) dürften hinsichtlich der Anzahl der Zellen, einem beliebten Vergleichspunkt für solche Schiffe, unübertroffen sein.
Doch so beeindruckend die Schiffe auch sein mögen, das Projekt scheint den aktuellen Entwicklungstrends der Marinekriegsführung zuwiderzulaufen. Das Schiff kommt zu einer Zeit, in der ukrainische Überwasserdrohnen (USVs) der viel größeren russischen Flotte im Schwarzen Meer offenbar unüberwindbare Probleme bei der Abwehr bereiten und China den Einsatzbereich für unbemannte Plattformen auf dem offenen Meer rasch ausweitet. Während ukrainische Marine-Drohnen die Schwarzmeerflotte im Hafen blockieren, hat sich die russische Marine selbst eine Last auferlegt und klammert sich verzweifelt an die verblasste Größe des Kalten Krieges.
Die Zukunft solch großer Überwasserkampfschiffe im Zeitalter der unbemannten Kriegsführung erscheint zunehmend fraglich. Schon vor dem Aufkommen der Drohnen war es fragwürdig, so viel Geld und Feuerkraft auf einer einzigen Plattform zu konzentrieren. Heute ist dies noch fragwürdiger. Zwar können Drohnen derzeit noch nicht alle Aufgaben bemannter Schiffe übernehmen, doch die Bedrohung, die sie darstellen, und die Art und Weise, wie sie die Seekriegsführung verändern, sind real.
Es geht nicht nur darum, ob Drohnen das Schiff versenken oder außer Gefecht setzen können, sondern auch darum, ob es sich in Anbetracht verfügbarer Mittel und notwendiger Handlungsfelder um eine sinnvolle Investition handelt.
Schlachtkreuzer der Kirow-Klasse
Als sie Ende der 1970er Jahre erstmals in Dienst gestellt wurden, waren die Schiffe des Projekts 1144 Orlan, von der NATO als Kirow-Klasse bezeichnet, die größten Überwasserkampfschiffe seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie waren so groß und schwer bewaffnet, dass sie sich einer einfachen Einordnung in die Nachkriegs-Kriegsschiffkategorien entzogen. Stattdessen bezeichneten viele Analysten im Westen sie als Schlachtkreuzer, um zu betonen, dass sie weit mehr als normale Kreuzer waren. Die US-Marine reagierte darauf mit der Wiederinbetriebnahme der Schlachtschiffe der Iowa-Klasse in den 1980er Jahren.
Die Offensivbewaffnung bestand aus 20 SS-N-22 Shipwreck (P-700 Granit) Überschall-Anti-Schiffs-Flugkörpern. Diese waren viel größer als Flugkörper vom Typ Exocet oder Harpoon und entsprachen denen, mit denen die U-Boote der Oscar-Klasse und Russlands damals neuester Flugzeugträger ausgerüstet waren. Diese als „Flugzeugträgerkiller” bezeichneten Flugkörper hatten eine maximale Reichweite von etwa 260 Seemeilen (480 km) und waren mit einem 750 kg schweren Sprengkopf bestückt.
Die extrem teure Admiral Nachimow, das dritte Schiff dieser Klasse, fiel dem massiven Personalabbau der russischen Marine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zum Opfer. In den 1990er-Jahren wurde sie aufgrund der hohen Betriebskosten aus dem aktiven Dienst genommen und stillgelegt. Die Verschrottung wurde jedoch lange genug herausgeschoben, um eine zweite Chance zu erhalten, als die russische Marine in den 2010er-Jahren eine Modernisierung anstrebte. Im Jahr 2015 begann schließlich die Modernisierung, die fast ein Jahrzehnt gedauert hat. Jetzt ist das Schiff wieder auf See und kehrt zu seiner vollen Einsatzfähigkeit zurück.
Admiral Nachimow Modernisierung
Der Flugkörper Granit ist nach wie vor eine beeindruckende Waffe, aber die Offensivbewaffnung wird modernisiert, um stattdessen 80 Marschflugkörper aufnehmen zu können. Das neue vertikale Launch-System kann wahrscheinlich die Kalibr-Familie von Landangriffs- und Seeziel-Marschflugkörpern aufnehmen, die in etwa den amerikanischen Tomahawk-Flugkörpern entsprechen, sowie die größeren P-800 Oniks (SS-N-26 Strobile). Letztere sind ein VLS-Äquivalent der Granit mit größerer Reichweite, aber kleinerem Gefechtskopf. Sie können auch für Landangriffe eingesetzt werden, wo sie besonders schwer abzuschießen sind, aber weniger präzise als die Kalibr. Das Schiff wird wahrscheinlich auch mit der Hyperschallrakete 3M22 Zircon (SS-N-33) ausgerüstet.
Die Flugabwehr wird ebenfalls modernisiert, wobei die S-400 (SA-21 Growler) die S-300 (SA-10 Grumble) aus der Spätzeit des Kalten Krieges ersetzt. Die umfangreiche Ausstattung aus Nahbereichswaffen, Geschützen, U-Boot-Abwehrraketen und Torpedos wird schrittweise modernisiert.
Die Bedrohung durch Drohnen verändert die Seekriegsführung
Das Aufkommen von Marine-Drohnen für den Einsatz sowohl über als auch unter Wasser sowie in der Luft, schafft neue Bedrohungen für die Überwasserflotte. Am deutlichsten wird dies im Schwarzen Meer, wo die russische Marine aufgrund der schwer fassbaren, aber anhaltenden Bedrohung durch ukrainische Überwasserdrohnen (USVs) im Wesentlichen auf ihre Häfen beschränkt bleibt. Diese Überwasserdrohnen haben sowohl Vor- als auch Nachteile, sie sind einzeln nicht so gefährlich wie eine einzelne Granit- oder ein Oniks-Flugkörper. Aber sie sind leistungsstark genug, und die von Russland eingesetzten hochentwickelten Nahbereichsverteidigungssysteme haben sich gegen sie als nicht wirksam genut erwiesen.
Darüber hinaus haben alle diese Drohnentypen einen gemeinsamen Vorteil: Sie sind unbemannt. Das macht sie prinzipiell entbehrlich. Niemand, nicht einmal ein russischer Mil-Blogger, wird die Zahl der auf See zerstörten ukrainischen USVs feiern. Doch sie müssen nur einmal durchkommen, um einen strategischen Einfluss auf den Krieg zu nehmen, der die Narrative verändert.
Größere Kriegsschiffe mögen in Friedenszeiten besonders beeindruckend sein, sind aber nicht viel besser geschützt als die russischen Schiffe im Schwarzen Meer, die sich in Noworossijsk verstecken. Sie sind nicht wesentlich besser gepanzert. Vielleicht hätte man aus dem Verlust der Moskwa lernen und das Geld, das für die Ausstattung der Nachimow mit neuen Langstrecken-Luftverteidigungssystemen und Marschflugkörpern ausgegeben wurde, besser in Brandbekämpfungs- und Schadensbegrenzungssysteme investieren sollen.
Prestigeprojekt?
Das Programm hat mittlerweile alle Merkmale eines Prestigeprojekts, bei dem es ebenso sehr um die Wahrnehmung von Macht wie um den praktischen militärischen Wert geht. Die Bedeutung des Schiffes in dieser Hinsicht könnte zunehmen, da der derzeitige Stolz der russischen Marine, ihr einziger Flugzeugträger, die Admiral Kusnezow, immer teurer in der Wartung wird und möglicherweise außer Dienst gestellt wird.
Auch die Vereinigten Staaten haben sich unter der Trump-Regierung von den allgemeinen Trends abgewandt und das Konzept der ultragroßen Kampfschiffe wieder aufgegriffen. Die neuen 35.000 Tonnen schweren „Schlachtschiffe” der Trump-Klasse sind deutlich größer als die russischen Schiffe und werden jeweils 10 bis 15 Milliarden Dollar kosten. Ob diese gebaut werden, bleibt jedoch abzuwarten.
Das Projekt zur Modernisierung der Nachimow begann lange vor der vollständigen Invasion der Ukraine und vor dem Aufkommen ukrainischer Überwasserdrohnen. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat Russland Schwierigkeiten, große Kriegsschiffe zu bauen.
Es handelt sich außerdem nur um ein einziges Schiff, und es wird immer wahrscheinlicher, dass die beiden anderen großen Kriegsschiffe, ihr Schwesterschiff Pjotr Weliki und der Flugzeugträger Admiral Kusnezow, außer Dienst gestellt werden. Möglicherweise ist es nur zur Show gedacht, um im Ausland und bei Marineparaden die Flagge zu hissen.
Autor: H.I. Sutton. Der Beitrag erschien erstmalig am 11.02.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.













