Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat im Rahmen einer Live-Demonstration auf dem sogenannten Nordic Mortar Day erstmals das von der Tochterfirma Rheinmetall Nordic entwickelte „Mortar Mission Module“ im scharfen Schuss vorgeführt.
Wie das Unternehmen in einer heute veröffentlichten Mitteilung schreibt, handelt es sich bei dem Mortar Mission Module „um eine europäische, skalierbare Lösung, die durch Schnelligkeit, Präzision, Zuverlässigkeit und Preisgünstigkeit entscheidende Effekte auf dem Gefechtsfeld erzielen soll“.
Kernbestandteil des Mörser-Missionsmoduls ist der automatische 120mm-Mörser Ragnarok, welcher in ein mit einer durchgehenden Dachlucke ausgestattetes „Kampfraum-Modul“ integriert wurde. Das System wurde erstmalig auf der DSEI 2025 in London der Weltöffentlichkeit präsentiert. Das Missionsmodul ist erkennbar auf einer Basis für einen 10-Fuß-Standard-ISO-Container aufgebaut. Diese Lösung erlaubt es, Fahrzeug und Modul unabhängig voneinander nutzen zu können. Sichtbar sind zudem zwei Dachluken, die sich über die gesamte Fläche des Missionsmoduls zu den Seiten aufklappen lassen. Zudem verfügt das Modul über seitlich aufklappende Hecklucken, die den Ein- und Ausstieg der Besatzung ermöglichen.
Wie Rheinmetall auf Nachfrage von hartpunkt ausführte, beträgt das derzeitige Gesamtgewicht des Mortar Mission Module rund 5.400 Kg, wobei jedoch noch nicht alle gewichtsreduzierenden Maßnahmen abgeschlossen sind. Das Zielgewicht des Missionsmoduls wird mit 4,8 Tonnen angegeben. Neben der Waffenanlage und der Besatzung sieht das Modul Platz für die Aufnahme von etwa 50 Mörserpatronen vor, wobei 20 davon in einem „ready to fire“ Gestell vorbereitet werden können.
6mm-dicker Panzerstahl sorgt für einen ballistischen Grundschutz der Besatzung und der im Modul integrierten Ausrüstung. Darüber hinaus sind Schnittstellen für die Aufnahme zusätzlicher Schutzelemente vorhanden. Die Maße des Mortar Mission Module werden vom Hersteller mit 3,09 m Länge, 2,76 m Breite und 1,56 m Höhe angegeben.
Beobachter gehen davon aus, dass die Lösung auf ein derzeit in Norwegen laufendes Vorhaben abzieht, bei dem eine Mörserlösung gesucht wird, welche auf einer ACSV-Kettenplattform von der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) beweglich gemacht werden könnte. Bei dem ACSV handelt es sich um ein gepanzertes Mehrzweckkampfunterstützungsfahrzeug mit einem Höchstgewicht von 26 Tonnen, einschließlich einer Nutzlast von 8 Tonnen. Dazu ist das Heck des ACSV mit einem „Ladebett“ für verschiedene austauschbare Missionsmodule ausgestattet, das auch mit Standard-ISO-Containern von 10 Fuß Länge kompatibel ist. Die norwegischen Streitkräfte sind Pilotkunde des ACSV und haben bereits knapp 50 der Fahrzeuge in unterschiedlichen Varianten – Materialtransport, Flugabwehr, Pionier-Variante mit Kran, Radarfahrzeug und Bergefahrzeug – bestellt.
Während der Vorführung selbst, an der laut Rheinmetall Gäste aus fünf NATO-Nationen (Norwegen, Schweden, Finnland, den Niederlanden und Deutschland) teilnahmen, wurde das Mortar Mission Module im norwegischen Rena integriert auf einem HX-Lkw im scharfen Schuss vorgeführt. „Das auf Geschwindigkeit und Einfachheit ausgelegte System lässt sich nahtlos in bestehende und zukünftige Plattformen integrieren und ermöglicht es den europäischen Streitkräften, ihre Fähigkeiten einfach und ohne hohen logistischen Aufwand zu verbessern“, schreibt das Unternehmen.
Das Ragnarok-Mörsersystem selbst wurde bereits 2019 erstmals vorgestellt, damals unter der Bezeichnung Mortar Weapon Systems 120 bzw. MWS120. Das manuell geladene und vollelektrische System mit mechanischer Übertragung ermöglicht eine Schussrate von 18 bis 20 Schuss pro Minute. Die Ausrichtung der Waffenanlage erfolgt automatisch. Das Systemgewicht beträgt knapp eine Tonne. Die Nutzung moderner Rückstoßtechnologien erlaubt die Integration des Systems in eine breite Palette an Fahrzeugplattformen. Neben Kettenfahrzeugen und schwereren 8×8-Fahrzeugen ist somit auch eine Nutzung in 6×6- und 4×4-Fahrzeugen möglich.
Waldemar Geiger














