Norwegen wird britische Fregatten beschaffen – TKMS aus dem Rennen

Anzeige

Die norwegische Regierung hat das Vereinigte Königreich als strategischen Partner für den Erwerb neuer Fregatten ausgewählt. Wie aus einer heute veröffentlichten Mitteilung der norwegischen Regierung hervorhegt, handelt es sich beim Kauf britischer Fregatten um die bislang größte Investition Norwegens in seine Verteidigungsfähigkeit.

Konkret sollen Fregatten des Typs 26 beschafft werden, die speziell für die Ortung, Verfolgung und Bekämpfung von U-Booten konzipiert sind. Die norwegischen und britischen Schiffe sollen den Angaben zufolge so identisch wie möglich sein und die gleichen technischen Spezifikationen aufweisen.

Anzeige

Mit der Entscheidung für das britische Angebot ist der deutsche Marineschiffbauer TKMS mit einer auf den norwegischen Bedarf zugeschnittenen Version der F 127 aus dem Rennen. Während Norwegen in erster Linie eine U-Jagd-Fregatte beschaffen will, ist die F 127 primär für die Luftverteidigung ausgelegt, und hätte entsprechend angepasst werden müssen. Der Mitteilung zufolge soll die Lieferung der britischen Fregatten vom Typ 26 an Norwegen bereits im Jahr 2030 beginnen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bei einem Besuch in Norwegen Anfang vergangenen Jahres eine Zusammenarbeit bei der F 127 öffentlich ins Spiel gebracht.

Anzeige

Wie eine Sprecher von TKMS mitteilte, hat das Unternehmen jedoch nicht an einem Wettbewerb für die norwegischen Fregatten partizipiert: „TKMS hat an keiner Ausschreibung zur Beschaffung norwegischer Fregatten teilgenommen und kein Angebot abgegeben. Insofern hat die Entscheidung Norwegens auch keine negative Auswirkung auf die finanzielle und strategische Entwicklung unseres Unternehmens. TKMS hat mit dem laufenden Bauauftrag für bisher vier U-Boote der 212CD-Klasse eine enge, vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Norwegen im Unterwasserbereich. Zwei weitere Boote stehen in Norwegen noch zur finalen Entscheidung an. Im Überwasserbereich steht TKMS unter anderem für die Beschaffung der Flugabwehr-Fregatte F127 durch die Deutsche Marine bereit. Der Bundestag hatte dafür bereits Ende 2024 die Weichen gestellt“, so der Sprecher.

Seit November vergangenen Jahres haben die norwegischen Behörden Frankreich, Deutschland, die USA und Großbritannien als strategische Partner für Fregatten in Betracht gezogen. „Es war eine schwierige Entscheidung. Die vier Kandidaten, Frankreich, Deutschland, die USA und Großbritannien, haben starke und wettbewerbsfähige Angebote vorgelegt. Sie alle sind enge Verbündete, und ich möchte meine Anerkennung für einen konstruktiven Prozess und Dialog zum Ausdruck bringen. Alle vier Verbündeten sind strategische Partner für Norwegen. Die umfassende Zusammenarbeit in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik wird mit allen vier Ländern in vollem Umfang fortgesetzt“, sagte Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Størelaut Mitteilung.

Die Wahl des Vereinigten Königreichs als strategischer Partner für Fregatten sei auch vom Chef der Streitkräfte empfohlen worden. „Diese Entscheidung stellt eine historische Stärkung der Verteidigungszusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern dar“, so Støre.

Die Fregatten für die britische Royal Navy und die königliche norwegische Marine sollen seinen Worten zufolge gemeinsam erworben, betrieben und weiterentwickelt werden. „Dies wird unsere Fähigkeit und die der NATO stärken, die Seegebiete im hohen Norden zu patrouillieren und zu schützen. Dies ist in Zeiten globaler Instabilität von großer Bedeutung für die Sicherheit Norwegens, Großbritanniens und der Verbündeten“, sagte Støre. In der Mitteilung werden keine Angaben darüber gemacht, wie viele Fregatten für Norwegens Marine erworben werden sollen. Im langfristigen Verteidigungsplan der norwegischen Streitkräfte waren fünf Schiffe vorgeschlagen worden.

Norwegen und das Vereinigte Königreich verbinden langjährige, enge Beziehungen. Nachdem während des Zweiten Weltkriegs britische Schiffe eingesetzt worden waren, basierte die Nachkriegsmarine weitgehend auf britischen Doktrinen, Taktiken und Einsatzkonzepten.

Die strategische Partnerschaft mit dem Vereinigten Königreich wird nach Angaben der norwegischen Regierung von einer umfassenden industriellen Zusammenarbeit begleitet. Im Vertragsentwurf hat das Vereinigte Königreich eine industrielle Zusammenarbeit mit der norwegischen Industrie im Gesamtwert der Anschaffung garantiert.

„Mit identischen Schiffen können wir bei anspruchsvollen Missionen noch effizienter zusammenarbeiten. Außerdem werden dadurch die Kosten gesenkt und die gemeinsame Wartung vereinfacht. Darüber hinaus eröffnet sich uns die Möglichkeit, gemeinsame Schulungen für das Personal durchzuführen und möglicherweise sogar norwegische und britische Besatzungsmitglieder austauschbar einzusetzen. Dies ist etwas, das wir im Rahmen der strategischen Partnerschaft weiter untersuchen werden“, sagte Verteidigungsminister Tore O. Sandvik.

Die norwegischen Fregatten werden mit Hubschraubern ausgestattet, die zur U-Boot-Bekämpfung geeignet sind. Eine Entscheidung darüber, welcher Hubschraubertyp auf den norwegischen Fregatten zum Einsatz kommen wird, ist noch nicht gefallen. Diese solle zusammen mit den britischen Partnern untersucht werden, heißt es.

Die norwegische und die britische Regierung wollen in Kürze eine verbindliche Vereinbarung abschließen, die den Rahmen für die strategische Partnerschaft festlegt. Nach Unterzeichnung der Vereinbarung werden die beiden Parteien Vertragsverhandlungen mit dem wichtigsten britischen Lieferanten, BAE Systems, aufnehmen.

Parallel dazu werden den Angaben zufolge die norwegischen und britischen Behörden separate Vereinbarungen über die industrielle Zusammenarbeit für verschiedene Kooperationsprojekte mit relevanten Industriepartnern aushandeln.
lah