Die norwegischen Streitkräfte werden 16 Raketenartilleriesysteme des Typs K239 Chunmoo sowie Artillerieraketen mit drei unterschiedlichen Reichweiten beschaffen, darunter auch Raketen mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Dies geht aus einer heutigen Mitteilung des norwegischen Verteidigungsministeriums hervor, in der zudem eine ausführliche Begründung für die Auswahlentscheidung aufgeführt ist.
Neben dem Kauf von 16 Raketenartilleriesystemen umfasst die Beschaffung auch Raketen sowie integrierte Logistikunterstützung, Ausbildungsmaterial und nicht näher spezifizierte Unterstützungssysteme. Als Vertragspartner für das Vorhaben mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 19 Milliarden Kronen – was 1,65 Milliarden Euro entspricht – fungiert der südkoreanische Rüstungskonzern Hanwha. Die Vertragsunterzeichnung ist für den 30. Januar geplant. Die Auslieferung der 16 Raketenartilleriesysteme und des Ausbildungsmaterials soll in den Jahren 2028 und 29 erfolgen. Die Raketenlieferungen sind für den Zeitraum 2030 bis 2031 angesetzt.
Den Aussagen des norwegischen Verteidigungsministers Tore O. Sandvik zufolge wurde die Auswahlentscheidung auf der Grundlage einer Ausschreibung der Rüstungsbeschaffungsbehörde Forsvarsmateriell (FMA) und einer Empfehlung der Streitkräfte getroffen.
„Diese kommen zu dem Schluss, dass das südkoreanische Unternehmen Hanwha der einzige Lieferant ist, der alle Anforderungen hinsichtlich Leistung, Lieferzeit und Kostenrahmen erfüllt“, wird Sandvik in der Mitteilung seines Ministeriums zitiert.
Neben Hanwha haben sich an der im November 2024 veröffentlichten Ausschreibung auch KNDS, Rheinmetall sowie Saab zusammen mit Boeing beteiligt.
Die Forderung der norwegischen Streitkräfte war es, dass Raketenartilleriesysteme, Raketen und die Feuerleitsoftware von einem einzigen Systemlieferanten zu liefern sei. Bei Ablauf der Angebotsfrist im März 2025 haben der Mitteilung zufolge alle Anbieter mit Ausnahme von SAAB/Boeing ihre Angebote eingereicht. Zudem wurde auch eine amerikanische Alternative über Foreign Military Sales (FMS) mit Lockheed Martin geprüft. Dabei handelt es sich um das Raketenartilleriesystem HIMARS.
Der deutsche Hersteller KNDS wurde im Juni 2025 nach einer ersten Bewertung und Klärungsgesprächen aus dem Wettbewerb ausgeschlossen. Laut FMA erfüllte das Unternehmen nicht die Anforderungen für die Lieferung eines kompletten Systems.
Auswahlbegründung für K239 Chunmoo
„Das Chunmoo-System von Hanwha war das einzige Angebot, das alle Anforderungen der Ausschreibung erfüllte. Der Vertrag sieht die Lieferung von 16 Abschusssystemen und einer größeren Anzahl von Raketen mit drei unterschiedlichen Reichweiten vor, darunter auch mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Keiner der anderen kommerziellen Anbieter konnte eine vergleichbare Reichweite bieten“, begründet das norwegische Verteidigungsministerium die Auswahlentscheidung in seiner heutigen Mitteilung. „Das Verteidigungsministerium kam außerdem zu dem Schluss, dass die Lösung aus Südkorea schneller und kostengünstiger geliefert werden kann als die anderen Alternativen“, heißt es in der Mitteilung weiter.
Hanwha hat außerdem ein umfassendes Industriekooperationsabkommen mit norwegischen Unternehmen angeboten, das 120 Prozent des Vertragswertes entspricht.
Weiterhin wird darauf verwiesen, dass die Produktionslinien für die Raketen in Polen eingerichtet werden. Der Mitteilung nach hat Polen 300 Chunmoo-Raketenartilleriesysteme mit tausenden von Raketen gekauft und einen Vertrag mit Hanwha über die lokale Raketenproduktion geschlossen. Dem Ministerium zufolge plant Hanwha nun, alle europäischen Kunden, einschließlich Norwegen, von dort aus mit Raketen zu beliefern.
Waldemar Geiger


















