MBDA will TLVS-Angebot bis September abgeben

Der Lenkflugkörperhersteller MBDA plant, das dritte Angebot für das Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) bis spätestens Anfang September abzugeben. Wie Peter Heilmeier, Leiter Vertrieb- und Geschäftsentwicklung der MBDA Deutschland, am heutigen Dienstag in einer Pressekonferenz erläuterte, arbeiten die beteiligten Teams mit Hochdruck daran, das Angebot bis Ende der bayerischen Sommerferien beim Auftraggeber einzureichen. Die Schulferien in Bayern enden am 7. September. MBDA hält den Mehrheitsanteil am eigens für das Vorhaben gegründeten TLVS GmbH, an dem auch Lockheed Martin beteiligt ist. Laut Heilmeiner handelt es sich bei TLVS um das Projekt mit der höchsten Priorität im Haus. Seinen Worten zufolge wird die Endverhandlung des Vertrages vor Ende der aktuellen Legislaturperiode angestrebt. Er begründete die Zurückweisung des vorangegangenen Angebots im letzten Jahr in erster Linie mit Mängeln bei den so genannten Terms and Conditions – etwa hinsichtlich einer möglichen Rückabwicklung sowie der Garantien.

Laser wird auf F124 integriert

Fortschritte macht offenbar auch ein anderes Zukunftsprojekt von MBDA: So rechnet Heilmeier damit, dass bis Ende 2021 der Demonstrator einer Laserkanone auf der Fregatte Sachsen eingerüstet wird. Die Technologie soll dann ein Jahr an Bord getestet werden.  Für dieses Vorhaben hat MBDA eine Arbeitsgemeinschaft mit Rheinmetall gegründet. Die Aufforderung zum Angebot für die entsprechende befinde sich im Haus, erläuterte der MBDA-Vertriebsleiter.  Insgesamt sieht er im Bereich Laser ein „ungeheures Zukunftspotenzial“.

So befasst sich das Unternehmen unter anderem mit Konzeptstudien hinsichtlich der Bewaffnung des deutsch-französischen Main Ground Combat Systems (MGCS). Auch hier könnte laut MBDA ein Laser zur Abwehr von Bedrohungen aus der Luft im Nächstbereich verwendet werden. Für den Einsatz gegen Kampfpanzer sei die Technologie jedoch auch in 15 bis 20 Jahren noch nicht leistungsstark genug, betonte Heilmeier. Weiter untersucht werden Raketensysteme  für MGCS zur Bekämpfung von Kampfpanzern sowie solche zum Einsatz jenseits der eigenen Sichtachse.

MBDA sieht sich aufgrund der europäischen Struktur des Unternehmens als natürlicher Partner für Lösungen beim Future Combat Air System (FCAS) der Luftwaffe. Dieses von Frankreich und Deutschland initiierte und mittlerweile um Spanien erweiterte Vorhaben gilt als das größte europäische Rüstungsvorhaben der kommenden Jahrzehnte. MBDA schaue dabei insbesondere auf die so genannten Remote Carrier, sagte Guido Brendler, Leiter Vertrieb und Marketing bei MBDA. Remote Carrier sind nach gegenwärtiger Vorstellung unbemannte Flugkörper, die Aufgaben wie Aufklärung, Täuschung und zum Teil Wirkung übernehmen sollen und dabei im Verbund mit bemannten Flugzeugen und anderen Remote Carriern agieren. Brendler sieht hier im Rahmen von FCAS einen Bedarf an unterschiedlichen Typen sowohl im Über- als auch im Unterschallbereich.  MBDA hat eigens für diese Remote Carrier ein „Plateau“ in Schrobenhausen eingerichtet, auf dem die Zusammenarbeit mit anderen Nationen erfolgen soll.

Enforcer-Familie soll entstehen

Weiteres Zukunftspotenzial sieht MBDA für sein System Enforcer, das als Wirkmittel 1800+ in die Bundeswehr eingeführt wird. Dabei handelt es sich um einen Lenkflugkörper für die Infanterie, mit dem Bedrohungen unterhalb von Kampfpanzern bekämpft werden sollen. Der entsprechende Vertrag wurde im Dezember vergangenen Jahres mit dem Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw unterschrieben.  Hinsichtlich der Vertragserfüllung sei man „on track“, sagte MBDA-Manager Heilmeier. Es gebe überdies bereits konkrete Nachfragen von interessierten Nationen.  So befindet sich das Schrobenhausener Unternehmen in ersten Gesprächen in Polen und Australien.

MBDA plant bereits, aus dem Enforcer ein ganze Waffen-Familie zu entwickeln. Dabei denkt das Unternehmen an die Integration auf dem Transportpanzer Boxer, die Adaption für Unmanned Ground Vehicles sowie die Integration in Luftfahrzeuge wie Hubschrauber oder Drohnen.  Außerdem wird ein neuer Tandem-Gefechtskopf für die Panzerabwehr ins Auge gefasst und Marine-Anwendungen untersucht.

Nach Aussage von MBDA-Manager Brendler könnte als Trägerplattform womöglich die zukünftige Eurodrohne in Betracht kommen, man spreche allerdings auch mit anderen Herstellern.  Da der Enforcer-Flugkörper aerodynamisch stabil sei, hänge die Reichweite von Parametern wie Batterielebensdauer und Antriebsleistung ab. Brendler hält Reichweiten bis zu 20 Kilometern für realisierbar, wenn der Start aus  einer großen Höhe erfolgt.
lah/7.7.2020