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Luftverteidigung wichtiger Geschäftsbereich für MBDA

Im Segment der bodengebundenen Luftverteidigung hat der europäische Flugkörperspezialist MBDA im vergangenen Jahr einen Schwerpunkt seines Geschäfts aufgewiesen. Rund 75 Prozent aller Exporte seien darauf entfallen, sagte Firmen-CEO Eric Béranger am heutigen Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz seines Konzerns in Paris. Dabei zählt er nur die Ausfuhren in Länder außerhalb der MBDA-Mitglieder Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien.

Insgesamt blicke man auf ein „außergewöhnliches Jahr 2023“ zurück, betonte der Manager. Die Kunden erwarteten seinen Worten zufolge vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs ein deutlich schnelleres Handeln. Er wies darauf hin, dass MBDA in der Lage gewesen ist, die Marschflugkörper Storm Shadow und Scalp „binnen Wochen“ in nicht dafür vorgesehene ukrainische Flugzeuge zu integrieren. Eine Aufgabe, die unter anderen Umständen Jahre dauern könne. Auf Nachfrage erklärte Béranger, dass die Beschränkung der Reichweite von solchen Marschflugkörpern – dazu zählte er auch den Taurus – technisch einfach möglich sei.

MBDA könne als einziges Unternehmen außerhalb der USA seinen Kunden die gesamt Palette von Flugkörpern anbieten, bis hin zur nuklearen Abschreckung für die französischen Streitkräfte, so Béranger. „Wir wachsen“, sagte er mit Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres. So habe der Umsatz 2023 rund 4,5 Milliarden Euro betragen, während in diesem Zeitraum Aufträge im Rekordvolumen von 9,9 Milliarden Euro in die Bücher genommen wurden. Ein Plus von 10 Prozent. Den gesamten Auftragsbestand bezifferte der CEO auf 28 Milliarden Euro. Dabei entfalle die Hälfte auf Bestellungen aus den Staaten ohne Beteiligung an MBDA.

Im abgelaufenen Jahr habe das Unternehmen die Zahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen überdies um mehr als 2.500 auf 15.000 gesteigert. 2024 sollen weitere 2.600 dazukommen.

Nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar 2022 habe die Geschwindigkeit bei der Produktion plötzlich einen neuen Stellenwert erhalten, unterstrich der MBDA-Manager. Sein Unternehmen sei jedoch in der Lage, mehr und schneller zu produzieren. So soll der monatliche Ausstoß von Mistral-MANPADS um das Vierfache, der des Boden-Luft-Flugkörpers CAMM um das Dreifache erhöht werden. Bei der Luftverteidigungsrakete Aster projektiert Beranger ein Produktionsplus von 50 Prozent. Dabei soll die Zeit von Bestellung bis zur Auslieferung von 42 Monaten, wie sie bis 2022 üblich war, auf 18 Monate im Jahr 2026 reduziert werden. MBDA Deutschland habe für den Flugkörper Enforcer im Jahr 2026 ein Produktionsziel in vierstelliger Höhe.

„Wie investieren in die Produktionskapazitäten“, kündigte Béranger and und nannte die Zahl von 2,4 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren als Untergrenze. Allein auf Frankreich entfällt seinen Worten zufolge ein Investment von 1 Milliarde Euro. In Deutschland werde im Rahmen des Joint Ventures Comlog mit Raytheon eine Produktionsstätte für die Fertigung von Patriot-Raketen errichtet, was im Rahmen der European Sky Shield Initiative (ESSI) erfolge.

Aufgrund des Drucks auf die Lieferketten baut MBDA außerdem seine Lagerbestände an Vormaterialien auf. So habe man bei speziellen Metallen einen Lagerbestand von 90 Tonnen bei einem – offenbar jährlichen – Bedarf von 4 bis 5 Tonnen. „Wir haben Titan für mehrere Tausend Raketen im Bestand“, sagte Beranger. Auch bei elektronischen Komponenten betreibe man eine Engpass-orientierte Beschaffung.

Dem Manager zufolge ist sein Unternehmen auch bei Innovationsthemen wie Loitering Munition, Laser oder der Abwehr von Hyperschall-Bedrohungen aktiv. Beim Hyperschall-Projekt des European Defence Fund mit dem Namen Hydis, bei dem MBDA Frankreich die Leitung innehat, erwartet Beranger einen Vertragsschluss mit der europäischen Rüstungsagentur OCCAR „in Kürze“.

Dem Unternehmen zufolge, umfassten 2023 große Vertragsabschlüsse mit Kunden aus den MBDA-Staaten Bestellungen für Aster-Flugkörper aus Frankreich und Italien, für Akeron MP und Mistral 3 aus Frankreich, für den Enforcer – der Ende 2023 in Serienproduktion gegangen ist – aus Deutschland, für CAMM-ER aus Italien, für den weiterentwickelten Sea-Viper-Effektor aus Großbritannien sowie für Mistral 3 aus Spanien. Auch beim Export in andere Staaten war der Konzern erfolgrich. Einen milliardenschweren Auftrag verbuchte MBDA für die Lieferung von CAMM-Effektoren nach Polen. Auch Schweden kaufte diesen Flugkörper für seine Korvetten und Griechenland beauftragte eine Modernisierung seiner Scalp-Flugkörper.

Lars Hoffmann

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