Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin hat auf der heute beginnenden Farnborough International Airshow in der Nähe von London einen neuen Boden-Luft-Flugkörper mit der Bezeichnung PAC-3 Adapted Capability Effector (PAC-3 ACE) vorgestellt. Der neue Abfangflugkörper solle das Patriot-Luftverteidigungssystem um eine deutlich kostengünstigere Option ergänzen und nach Angaben des Unternehmens weniger als die Hälfte einer PAC-3 MSE (Missile Segment Enhancement) kosten.
Die PAC-3 ACE basiert den Angaben zufolge auf dem Feuerleit- und Einsatzkonzept der PAC-3-Familie und sei mit dem Patriot-Waffensystem sowie dem Integrated Battle Command System (IBCS) kompatibel. Dadurch soll laut Mitteilung die Entwicklung beschleunigt und eine rasche Einführung in die Streitkräfte ermöglicht werden. Wie Lockheed Martin auf Nachfrage mitteilte, soll die PAC-3 ACE über den gleichen Mini-Hit-to-Kill-Gefechtskopf wie dei PAC-3 MSE verfügen.
Nach Angaben von Lockheed Martin ist der Flugkörper für die Abwehr eines breiten Bedrohungsspektrums ausgelegt. Dazu zählen klassische Luftziele, Marschflugkörper sowie ballistische Flugkörper kurzer und kürzester Reichweite. Mit der neuen Variante reagiert der Konzern nach eigenen Angaben auf den steigenden Bedarf nach kosteneffizienten Abfangflugkörpern, die sich in großen Stückzahlen beschaffen und bevorraten lassen. Nach Aussage von Frank St. John, dem COO von Lockheed Martin, in einem Interview mit der Financial Times erreicht der PAC-3 ACE etwa zwei Drittel der Einsatzabdeckung des PAC-3 MSE bei einem Drittel der Kosten, die zwischen 1,5 und 2 Millionen Dollar liegen sollen.
Für die Entwicklung und spätere Produktion der PAC-3 ACE will Lockheed Martin nach eigenen Angaben mit Industriepartnern und Zulieferern aus den USA und Europa zusammenarbeiten. Das Unternehmen sieht darin einen Beitrag zur Stärkung der transatlantischen Kooperation sowie zur Erhöhung der Resilienz der Verteidigungsindustrie. Nach Angaben des Unternehmens soll der erste Flugtest des Effektors Anfang 2028 erfolgen. Wie es in dem FT-Interview heißt, habe es für Lockheed Martin Priorität, eine Lieferkette in Europa aufzubauen. Man befinde sich in frühen Gesprächen mit der US-Regierung, um die Erlaubnis zur Produktion außerhalb den USA zu erhalten. Aus Europa könnte demnach alles vom Feststoffmotor bis zur Steuerungselektronik gesourct werden. Auch sei die Gemeinschaftsproduktion mit einem europäischen Partner denkbar.
Ein zentrales Ziel des Programms sei die Senkung der Kosten pro Bekämpfungsvorgang, ohne auf die aus Sicht des Herstellers bewährte Leistungsfähigkeit der PAC-3-Familie zu verzichten. Gleichzeitig soll die Verfügbarkeit einsatzbereiter Lenkflugkörper erhöht werden.
„Die amerikanischen Streitkräfte und unsere Verbündeten benötigen eine Lösung, die sich im Einsatz bewährt hat und gleichzeitig wirtschaftlich ist. Die PAC-3 ACE baut auf der unübertroffenen Leistungsfähigkeit der PAC-3 MSE auf“, erklärte Tim Cahill, Präsident von Lockheed Martin Missiles and Fire Control, laut Mitteilung. Durch die Zusammenarbeit mit Verbündeten solle zudem die industrielle Widerstandsfähigkeit gestärkt und eine schnelle Reaktion auf neue Bedrohungen sichergestellt werden.
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