Skunk Works, die Entwicklungsabteilung des US-Rüstungskonzerns Lockheed Martin, präsentiert ein neues unbemanntes Kampfflugzeug – auch als Collaborative Combat Aircraft (CCA) bezeichnet – mit dem Name Vectis. Nach Angaben von Skunk Works handelt es sich um das CCA seiner Klasse mit der höchsten Überlebensfähigkeit. Vectis sei kompatibel mit Flugzeugen der fünften und der kommenden Generation, sagte OJ Sanchez, Vice President and General Manager von Lockheed Martin Skunk Works, vor wenigen Tagen bei einem Gespräch mit Medienvertretern. Skunk Works konzentriert sich innerhalb von Lockheed Martin auf Innovationsthemen. Man habe Analysen von Crewed-uncrewed Operations des unbemannten Kampfflugzeugs mit F-35 und F-22 durchgeführt, die Ergebnisse seien „beeindruckend“, so Sanchez. Vectis weise Signaturen ähnlich wie bemannte Flugzeuge der Generation 5 und der neuesten Generation auf.
Das CCA der Kategorie 5, das sich im Prototypenstadium befinde, verkörpere die Tradition des Unternehmens in den Bereichen Kampfflugzeuge, autonome Systeme und offene Missionsarchitekturen. „Vectis ist das Ergebnis unserer Expertise in den Bereichen komplexe Systemintegration, Entwicklung fortschrittlicher Kampfflugzeuge und Autonomie“, sagte Sanchez.
„Wir bauen nicht einfach nur eine neue Plattform – wir schaffen ein neues Paradigma für die Luftmacht auf der Grundlage eines hochleistungsfähigen, anpassbaren und erschwinglichen agilen Drohnen-Frameworks.“ Vectis ermögliche die Herstellung der Multi-Domain Connectivity. Den Ausführungen des Managers zufolge ist das neue Stealth-CCA unter anderem für Aufgaben in den Bereichen Luft-Luft, Luft-Boden sowie ISR-Missionen ausgelegt. Es sei hoch flexibel und könne unterschiedliche Nutzlasten tragen. Innerhalb der kommenden zwei Jahre soll der Prototyp des CCA erstmals fliegen.
Nach Angaben von Lockheed Martin wird das unbemannte Flugzeug für Reichweiten ausgelegt, die mit den Einsatzgebieten im indopazifischen Raum, in Europa und CENTCOM kompatibel sind. Details zum Triebwerk wollte Sanchez nicht nennen. Er deutete jedoch an, dass nach augenblicklicher Einschätzung von Skunk Works für den Aufgabenbereich des CCA der Flug im Überschallbereich nicht erforderlich ist. Die Maschine, die kleiner als eine F-16 sei, solle von klassischen Runways starten und auch wieder landen können.
Sanchez betonte, dass die Entwicklung der Maschine unter Berücksichtigung der Referenzsystemarchitektur der US-Streitkräfte erfolgt. Ob Vectis am nächsten Increment des Collaborative Combat Aircraft Program der U.S. Air Force teilnehmen könnte, ließ der Skunk-Works-Chef offen, wollte es aber auch nicht ausschließen. Das CCA biete eine Reihe von Fähigkeiten, die für die Air Force von Interesse sein könnten. Neben den US-Streitkräften sieht Lockheed Martin offensichtlich auch andere Nationen als potenzielle Kunden und will auch deren Designforderungen berücksichtigen, soweit diese vorliegen.
Bekanntlich will auch die Deutsche Luftwaffe sogenannte Jagdbomberdrohnen beschaffen. Rheinmetall-Chef Armin Papperger hatte vor einigen Wochen in einer Analysten-Konferenz gesagt, dass sein Unternehmen über eine Kooperation bei solchen Drohnen mit Anduril, Boeing und Lockheed Martin spreche. Nicht ganz klar war seinerzeit, um welches CCA es in den Gesprächen mit Lockheed Martin ging. Womöglich kommt Vectis für eine Partnerschaft mit dem deutschen Rüstungskonzern in Frage. Allerdings scheint die Entwicklung des CCA zeitlich hinter den Entwürfen von Boeing und Anduril zu liegen.
Skunk-Works-Chef Sanchez wies darauf hin, dass das Entwicklungsprogramm auf Interoperabilität und Einbindung in eine offene Software-Architektur ausgelegt sei. Dabei stützte sich Lockheed Martin auf das eigene Know-how bei Steuerungssystemen wie MDCX, die Kompatibilität über das gesamte Kommando- und Kontrollspektrum hinweg gewährleisteten.
Nicht zuletzt strebt Skunk Works an, Vectis zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Dieser soll durch die eigene langjährige Erfahrung mit digitalem Design und moderner Fertigung erreicht werden. Beim Thema Stealth, das entscheidend für die Überlebensfähigkeit ist, setzt das Unternehmen ebenfalls auf die eigene Expertise.
Lars Hoffmann


















