Die Partnerländer Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Deutschland, Lettland, Litauen, Norwegen, Schweden und Polen haben eine Rahmenvereinbarung zur Festlegung des Geltungsbereichs der Naval Mines Cooperation (NMC) unterzeichnet, die gemeinsame Beschaffungen von Seeminen ermöglichen soll.
Wie das finnische Verteidigungsministerium in einer Mitteilung schreibt, wird in der Rahmenvereinbarung überdies die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Marinen, Logistik und Lebenszyklusmanagement, Übungen und Schulungen, der Austausch von Informationen und die Entwicklung von gemeinsamen Seeminenwaffensystemen geregelt. Im Rahmen der NMC werde konkret eine gemeinsame Beschaffung des „Blocker Influence Sea Mine System“ unter finnischer Führung geplant. Die gemeinsame Beschaffung wird demnach von Dänemark, Finnland, Deutschland, Litauen und Norwegen vorbereitet.
Im Juli 2024 hatten die Verteidigungsminister der genannten Länder, außer Belgien, eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich Seeminen in der Ostsee, die Naval Mines Cooperation.
Die Zusammenarbeit im Bereich Seeminen ziele darauf ab, die kollektive Verteidigung zu stärken und praktische Möglichkeiten für die Zusammenarbeit bei der Beschaffung, Logistik und dem Betrieb von Seeminenwaffensystemen zu erkunden, heißt es in der Mitteilung.
Die finnische Marine verfüge über ein hohes Maß an Fachwissen und habe die verschiedenen Aspekte der Seeminenkapazitäten kontinuierlich weiterentwickelt. Seit der Unterzeichnung der Absichtserklärung habe Finnland die Führungsrolle in der Zusammenarbeit im Bereich Seeminen übernommen.
„Die Zusammenarbeit im Bereich der Seeminenkriegsführung liegt im Interesse Finnlands und unserer Verbündeten, die in und um die Ostsee operieren. Wir haben erkannt, dass wir durch den Austausch unseres eigenen Know-hows nicht nur unsere Verbündeten stärken, sondern auch unsere eigene Verteidigung“, sagt der finnische Verteidigungsminister Antti Häkkänen laut Mitteilung.
Häkkänen hält gemeinsame Beschaffungsmöglichkeiten für vielversprechend: „Die finnische Industrie verfügt über Weltklasseprodukte und Know-how, das für unsere Verbündeten von Interesse ist. Die Erkundung von Möglichkeiten für gemeinsame Beschaffungen ist ein möglicher Bereich der Zusammenarbeit, und wir haben bereits eine gemeinsame Beschaffung von Blocker-Seeminen vorbereitet.“
Seemine Blocker
Hersteller der Blocker ist das finnische Unternehmen Forcit Defence, welches mit der deutschen TDW Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme mbH (TDW) eine Kooperation für den Vertrieb der schweren Seemine Blocker in Deutschland eingegangen ist. Die TDW soll wohl auch einen gewissen Workshare an der Mine haben. Das Unternehmen hat die Blocker im Zuge der RüNet 2023 erstmalig in Deutschland öffentlich ausgestellt.
Bei der Blocker handelt es sich um eine moderne Seemine, die bereits in Finnland und Estland in Nutzung ist. Die Wirkung der Mine entspricht laut Hersteller einem Äquivalent von mehr als einer Tonne TNT. Einmal verlegt – dies kann per Boot, Schiff oder Helikopter erfolgen – kann die Seemine bis zu zwei Jahre aktiv auf dem Grund verbleiben, bis die in den Akkus verfügbare Energie für die Multi-Sensorik verbraucht ist. Die Schärfung der Mine, die mehrere Schärfungsmechanismen hat, erfolgt erst auf dem Grund.
Ausschlaggebend für die lange Einsatzdauer ist die Art und Weise der Sensornutzung. Dem Vernehmen nach ist nur der Akustiksensor der Mine dauerhaft aktiv. Nimmt dieser Geräusche eines potenziellen Ziels auf, werden weitere Sensoren – ein Druck- und ein Magnetsensor – aufgeweckt und beginnen zu arbeiten. Optional kann auch ein optischer Sensor integriert werden, der die Mine vor Vernichtung durch feindliche Minentaucher schützen soll. Die Sensorik ist zudem in der Lage, die Detonation benachbarter Minen zu erkennen und zündet nur, wenn tatsächlich ein Ziel in Wirkreichweite ist. Kettenreaktionen, bei denen die Detonation einer einzelnen Mine die Detonation weiterer Minen in der Sperre verursacht, werden mit der Blocker ausgeschlossen.
Die Sensorik der Mine kann mittels eines Handheld Device durch den Nutzer frei programmiert werden. Neue Signaturen können so noch kurz unmittelbar vor Einsatz der Seeminen auf diese aufgespielt werden, was das System besonders zukunftsfähig machen soll.
Forcit bietet neben der Gefechtsmine auch eine Übungsversion der Mine an, welche multifunktional genutzt werden kann. Neben der klassischen Aufgabe – Beübung eigener und verbündeter Kräfte im Umgang mit Seeminensperren – kann die Übversion der Blocker als Sensor zur Beschaffung neuer Signaturen genutzt werden. In diesem Fall werden die Übminen über lange Zeit ausgebracht und sammeln bis zur Aufnahme dauerhaft Signaturen des vorbeifahrenden Schiffsverkehrs.
Das System wird als besonders wirtschaftlich angepriesen, unter anderem dadurch, dass in der Mine ein von Forcit entwickelter „extrem insensitiver“ Sprengstoff zum Einsatz kommt, der besonders sicher in der Handhabung ist. Dies erlaubt es dem Hersteller zufolge, die Mine besonders kompakt zu lagern und transportieren – Mine an Mine –, was im Vergleich zu anderen Systemen auf dem Markt erhebliche Kosten in der Logistik einsparen soll. Zudem soll die Wartung der Mine sehr einfach sein, was die Lebenszeitkosten ebenfalls niedrig hält. Herstellerangaben zufolge beträgt der Wartungsaufwand pro Mine nur wenige Minuten alle zwei Jahre.
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