Das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence hat erstmals eine mit Abfangdrohnen ausgestattete Variante des Drohnenabwehr-Fahrzeuges Kinetic Defence Vehicle (KDV) gezeigt. Die Präsentation des Fahrzeuges erfolgte offenbar im Rahmen eines Standortbesuches von NATO-Botschaftern und dem Inspekteur der Luftwaffe, bei dem den Besuchern auf dem Fliegerhorst Neuburg ein breites Portfolio von Luftverteidigungslösungen aus dem Hause Diehl Defence gezeigt wurden.
Wie hartpunkt bereits vor einer Woche berichtete, arbeitet Diehl Defence daran unterschiedliche kinetische Abfangdrohnen in das System zu integrieren, die die Drohnenabwehrfähigkeit des KDV sowohl in hybriden Szenarien als auch im Kriegseinsatz signifikant erweitern sollen. Mittels der Integration von Abfangdrohnen soll dem System eine Fähigkeit zum kostengünstigen, raumdeckenden Schutz vor Drohnen verliehen werden.
Neben der Integration des von Diehl Defence selbst entwickelten Drohnenabwehrflugkörpers Cicada, welcher als „Dual-use“-Wirkmittel für die militärischen sowie behördlichen Markt ausgelegt ist, soll offenbar auch eine kinetisch wirkende und einsatzbewährte Abfangdrohne eines anderen Anbieters in das System integriert werden, mit der feindliche Drohnen der NATO Klasse II (<600kg) auf Entfernung von weiter als 20 km abgeschossen werden können. Mit weiteren Details zum Namen der Abfangdrohne oder des Unternehmens hält sich der Rüstungskonzern derzeit noch bedeckt.
Auf dem nun von Diehl Defence veröffentlichten Bild ist das Fahrzeug in einer 4-sitzigen Konfiguration mit einem überarbeitetem Laderaum-Rüstsatz erkennbar auf dem drei Transportkanister des Abfangflugkörpers Cicada in der Länge und vermutlich mindestens vier in der Breite platziert werden können.
Damit könnte das Fahrzeug in dieser Variante neben der stabilisierten Waffenanlage samt Drehbündel-Maschinengewehr (MG6) auf dem Dach mindestens 12 Cicada-Abfangdrohnen mitführen.
Der Rüstsatz für die Abfangdrohnen scheint durch im bayerischen Friedberg ansässige ACS Armoured Car Systems GmbH (ACS) entwickelt und gebaut worden zu sein. Das Unternehmen hat vor rund einer Woche auf seinem LinkedIn-Profil das Bild eines Enok AB – der die Fahrzeugplattform für den KDV bildet – mit entsprechendem Rüstsatz, hier jedoch ohne Abfangdrohnen, veröffentlicht.
Der Rüstsatz selbst scheint neben der Ladefläche für die Abfangdrohnen auch über ein horizontales Staufach darunter sowie ein vertikales Staufach davor zu verfügen, in dem offenbar die Masteinheit mit der Aufklärungssensorik integriert ist.
Da der KDV zukünftig auch eine höhere Anzahl an Abfangdrohnen mitführen können soll, liegt die Vermutung nahe, dass das gezeigte Fahrzeug nur eine von mehreren möglichen Varianten darstellt. So sollen die an die Ukraine gelieferten KDV beispielsweise den Enok MBB als Platform nutzen. Somit wäre auch die Realisierung eines mit Abfangdrohnen ausgestatteten KDV auf Basis des Enok MBB denkbar.
Bei dem Enok MBB – das MBB steht Modular Box Body – handelt es sich im Grunde um eine verlängerte Variante der leichten 4×4-Plattform Enok AB (Airborne) auf Basis der militarisierten Mercedes-Benz-G-Plattform – der G 464 – mit verlängertem Radstand – 3.650 mm im Vergleich zu 2.850 mm bei regulärer Länge.
In der MBB-Variante verfügt das Fahrzeug über eine Gesamtlänge von rund 5,40 m, womit sich eine breite Palette von zusätzlichen Rüstsätzen, bspw. Personaltransport, Sanität oder Materialtransport, realisieren lassen. Eine weitere Änderung zum Enok AB liegt in dem Umstand, dass der vordere Teil der G-Fahrerkabine erhalten bleibt, der um einen geschlossenen Rüstsatz erweitert wird, welcher wiederum auf Basis der gleichen modularen Aluminium-Profile realisiert wird, wie sie auch beim Enok AB oder der Luftlandeplattform Caracal zum Einsatz kommen.
Waldemar Geiger


















