Der europäische Lenkflugkörper-Konzern MBDA rechnet noch für das laufende Jahr mit einem Auftrag der französischen Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA für die Entwicklung und Produktion der neuen Land Cruise Missile (LCM). Wie ein Vertreter des Unternehmens gestern vor Journalisten auf der Messe Eurosatory in Paris erläuterte, soll die LCM voraussichtlich 2030 zur Verfügung stehen.
Die Finanzierug der Langstreckenwaffe, die von der „Missile de Croisiere Naval“ (MdCN) abgeleitet wird, erfolge über die DGA, während MBDA auf eigene Kosten den Werfer entwickle. Dieser solle 2029 zur Verfügung stehen. Die LCM sei eine Alternative zum amerikanischen Marschflugkörper Tomahawk und weise eine Reichweite von über 1.000 Kilometern auf. Unbestätigen Berichten zufolge soll die Tomahawk etwa 1.800 Kilometer weit fliegen können. Offenbar wird der neue MBDA-Marschflugkörper Flugkörper sowohl für den Einsatz von See als auch von Land entwickelt, weshalb auch die Bezeichnung „Naval Cruise Missile – Land Cruise Missile (NCM-LCM) MK2“ gewählt wurde.
Nach Aussage des MBDA-Vertreters gibt es bereits außerhalb Frankreichs Interesse für die LCM. Wie er ausführte, sieht sein Unternehmen auch Deutschland als potenziellen Kunden. Die Bundeswehr hat bekanntlich einen dringenden Bedarf an Deep-Strike-Fähigkeiten und das BMVg hatte in diesem Zusammenhang den Kauf von Tomahawks in den USA angefragt. Selbst wenn diese Anfrage positiv beantwortet werden sollte, was offen ist, dürfte es viele Jahre bis zur Lieferung dauern, da die US-Streitkräfte ihre durch den Iran-Krieg reduzierten Tomahawk-Bestände wieder aufbauen müssen.
Laut MBDA wird die LCM dafür ausgelegt, stationäre Ziele tief im feindlichen Hinterland zu bekämpfen und soll dafür mit einem leistungsfähigen und flexiblen Sprengkopf ausgerüstet werden, der verschiedene Zündmodi aufweist. Die über Stealth-Fähigkeiten verfügende Waffe soll Geschwindigkeiten im hohen Unterschallbereich erreichen und besser als die Vorgängerversion gegen Jamming geschützt sein. Darüber hinaus ist eine synchronisierte Time-On-Target (ToT)-Fähigkeit vorgesehen. Über diese Fähikeit verfügt bereits die MdCN.
Verschossen wird die Waffe aus einem Lkw-basierten Launcher mit vier Zellen. Laut MBDA wird es weniger als 15 Minuten dauern, um in Feuerstellung zu gehen und die Flugkörper zu launchen. Der neue Flugkörper wird nach Angaben des Unternehmens mit einem Missionsplanungssystem geliefert. Da die LCM auf der etablierten MdCN basiert, scheinen die Zeitvorgaben für die Entwicklung durchaus realistisch. Womöglich stellt der Ansatz eine Option für die Bundeswehr dar, ihre Fähigeitslücken im Bereich Deep Strike zumindest teilweise zu schließen.
Lars Hoffmann


















