Bundeswehr hat Bedarf von rund 10.000 zusätzlichen Panzern und Radpanzern

Waldemar Geiger

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Die Bundeswehr soll der ersten Regierungserklärung von  Bundeskanzler Friedrich Merz zufolge zur konventionell stärksten Armee Europas aufgebaut werden. Damit dies gelingt und die zugesagten Planungsziele der NATO erreicht werden, wird die Bundesregierung Merz zufolge „alle finanziellen Mittel zur Verfügung stellen“. Diese sollen in der nächsten Dekade dem Vernehmen nach dazu genutzt werden, um unter anderem mehrere tausend zusätzliche Panzer und Radpanzer für die Truppe zu beschaffen.

Einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge erwägt die Bundeswehr in den kommenden zehn Jahren die Beschaffung von bis zu 2.500 gepanzerten Kampffahrzeugen und bis zu 1.000 Kampfpanzern. In Fachkreisen gelten die Zahlen als realistisch aber insgesamt zu niedrig. So gehen Insider davon aus, dass in der kommenden Dekade ein Bedarf von rund 10.000 Panzerfahrzeugen auf Ketten- und Radbasis besteht.

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Bislang werden solche Zahlen vom Verteidigungsministerium jedoch nicht bestätigt. Wie ein Sprecher des Bundesministeriums der Verteidigung während der Regierungspressekonferenz am Montag ausführte, wird sein Haus erst dann über konkrete Zahlen informieren, nachdem das Parlament als Kontrollinstanz in Kenntnis gesetzt wurde. Der Sprecher bestätigte lediglich, dass es abgleitet von den kürzlich beschlossenen NATO-Fähigkeitszielen eine erhebliche Erhöhung der Zahl der Großwaffensysteme für die Bundeswehr geben wird. Diese werde am Ende alle Dimensionen betreffen und es werde auch zum ersten Mal mit Umlaufreserven gearbeitet, so der Sprecher. Die Ausplanung dafür sei gerade in der Umsetzung. hartpunkt berichtete bereits am 22. Juni, wonach die Bundeswehr zur Steigerung der Einsatzbereitschaft die Etablierung einer Umlaufreserve in Höhe von bis zu 40 Prozent plant.

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Wie hartpunkt nun aus Insiderkreisen erfahren hat, wird gegenwärtig neben den 1.000 zusätzlichen Kampfpanzern die Beschaffung von knapp 400 Schützenpanzern Puma, rund 500 Unterstützungspanzern, 2.500 Radpanzern Boxer in unterschiedlichen Konfigurationen, mehr als 1.000 Radpanzern Piranha und etwa 4.000 CAVS-Radpanzern für alle vier Teilstreitkräfte, den Unterstützungsbereich und den Heimatschutz diskutiert. Der Großteil der Systeme ist dabei für das Heer vorgesehen, welches dem Vernehmen nach in einer zukünftigen Struktur mit vier mechanisierten Divisionen plant.

Ohne auf Zahlen eingehen zu wollen, bestätigt auch der CDU-Politiker und Verteidigungsexperte Jens Lehmann den Bedarf an zusätzlicher moderner Panzer- und Radpanzertechnik für die Bundeswehr. „Wir sehen die sicherheitspolitische Lage sehr klar und wissen, dass unsere Landstreitkräfte in den kommenden Jahren deutlich gestärkt werden müssen“, erläutert der Berichterstatter für das Heer im Verteidigungsausschuss des Bundestages auf Nachfrage von hartpunkt. Ziel sei es, die Fähigkeiten der Truppe so auszubauen, dass sie den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gerecht werden könne, sagt der CDU-Politiker. „Deshalb unterstützen wir den eingeschlagenen Weg, die notwendigen Mittel bereitzustellen und die Beschaffung entsprechend umzusetzen.“  Nach Meinung von Lehmann muss die Industrie dabei durch entsprechende Bestellungen in die Lage versetzt werden, die geforderten Fahrzeug-Zahlen auch zeitnah liefern zu können.

Grundvoraussetzung für die Realisierung eines solchen Bedarfes sehen Beobachter insbesondere in der jüngst erfolgten Entkopplung von Personal, Material und Infrastruktur. Bis vor kurzem mussten alle drei Aspekte im Rahmen der Planung und Beschaffung synchronisiert werden, bevor Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden konnten. Die Kopplung dieser drei Aspekte – die sich zunächst zweckmäßig anhört, schließlich muss Großgerät auch irgendwo abgestellt und durch Personal bedient und gewartet werden – hat sich in der Realität als Verhinderungsmaßnahme für einen schnellen Aufwuchs erwiesen, da der Aufbau der Teilbereiche nur selten im Gleichschritt erfolgt ist. Nun wird die Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen gesondert vom personellen Aufwuchs der Streitkräfte und der entsprechenden Ausrüstung der Truppe betrachtet und realisiert.

Waldemar Geiger