Die Bundeswehr bereitet derzeit offenbar eine größere Beschaffung von Drohnenabwehrsystemen des Typs GARMR von Diehl Defence vor. Wie gut unterrichtete Kreise gegenüber hartpunkt bestätigen, soll zunächst jedoch nur eine sehr geringe Anzahl an GARMR (unterhalb der Schwelle für eine 25-Millionen-Euro-Vorlage) auf einer Mercedes-Benz-G-Plattform zu Qualifizierungszwecken beschafft werden, während parallel ein größeres Beschaffungsvorhaben, womöglich auch im internationalen Rahmen, vorbereitet wird. Dem Vernehmen nach könnte die Realisierung dieses Vorhabens dann jedoch auf einer größeren, gegen ballistische Bedrohungen geschützten Plattform erfolgen.
In der Zwischenzeit sollen dem Vernehmen nach einige GARMR-Systeme in der aktuell verfügbaren Version gekauft werden, um diese für den Einsatz in der Bundeswehr zu qualifizieren. Im Fokus steht offenbar die zeitige Ausstattung der Panzerbrigade 45 mit effektiven Drohnenabwehrlösungen für ihren Einsatz in Litauen. So hat der Inspekteur des Deutschen Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, im Rahmen seines Besuchs bei der Experimentalserie Land 2026 am 1. Oktober vor Pressevertretern angekündigt, dass die Panzerbrigade 45 vor ihrer Verlegung nach Litauen mit einer Fähigkeit zur Drohnenabwehr ausgestattet werden soll.
Im Rahmen seiner Keynote anlässlich des parlamentarischen Abends des Förderkreises Deutsches Heer e. V. am 7. Oktober bekräftigte er diese Aussage. „Bei der Drohnenabwehr arbeiten wir hart daran, die Panzerbrigade 45 noch vor ihrer Verlegung erstauszustatten. Mit einer leistungsfähigen Zwischenlösung, die wir auch weiternutzen, wenn unsere Zielsysteme zulaufen“, so Freuding. Dem Vernehmen nach hat Freuding im Rahmen seiner Aussagen auf die GARMR-Beschaffung angespielt.
Beobachter gehen davon aus, dass die GARMR – um die straffen Zeitlinien halten zu können – zunächst auf einer G-Plattform in die Bundeswehr eingeführt werden könnte, die in vielen Aspekten Übereinstimmungen zum bereits eingeführten Wolf 2 aufweist. Dies dürfte den Qualifizierungsaufwand signifikant reduzieren. Zudem dürfte der GARMR zunächst mit der Bewaffnungsoption MG 6 in Kombination mit dem Drohnenabwehrflugkörper Cicada beschafft werden. Bei dem MG 6 handelt es sich um eine in der Bundeswehr in Nutzung befindliche Waffe. Die Cicada ist hingegen die derzeit einzige Abfangdrohne, deren vollständige Integration in das GARMR-System öffentlich bekannt ist. Beobachter halten es jedoch nicht für ausgeschlossen, dass zukünftig auch andere Abfangdrohnen für den GARMR beschafft werden könnten. Diehl Defence sprach bei der Vorstellung des Fahrzeuges von einer Integrationsdauer von wenigen Monaten für eine neue Abfangdrohne.
GARMR
Das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence hat mit dem GARMR im Februar 2026 im Zuge der Enforce Tac 2026 eine neue kampfwertgesteigerte Variante des Kinetic Defence Vehicle vorgestellt, das seit geraumer Zeit in der Ukraine im Einsatz ist.
Aufgebaut auf einer Mercedes-Benz-G-Plattform der modernsten Baureihe 464 mit verlängertem Radstand, bietet das System Platz für Besatzung, Sensorik sowie unterschiedliche Effektorik. Neben dem geschlossenen Fahrerhaus für Kraftfahrer und gegebenenfalls Beifahrer bietet das Fahrzeug zusätzlich eine hintere geschlossene Kabine mit Platz für zwei Soldaten samt der Bedienkonsole für das Drohnenabwehrsystem. Die geschlossene Variante des Fahrzeuges schützt die Bediener vor Witterung und dient somit einer höheren Durchhaltefähigkeit, insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Diehl Defence hat den GARMR jedoch für eine höchstmögliche taktische Modularität bei gleichzeitig minimalem Personalbedarf konzipiert, sodass das System im Notfall auch durch eine einzige Person bedient werden kann.
Das einzelne Fahrzeug kann so im Standbetrieb, unterstützt durch einen hohen Automatisierungsgrad der Subsysteme sowie KI-Unterstützung bei Detektion und Klassifikation von Drohnenzielen, mit einer Person einzelne Objekte vor Drohnen schützen und Ziele in bis etwa 5 km Entfernung mit Abfangdrohnen bzw. rund 500 bis 1.000 m Entfernung mit dem Maschinengewehr effektiv bekämpfen. Da die fernbedienbare Waffenstation zudem stabilisiert ist, kann die Bekämpfung auch während der Fahrt erfolgen. Dazu ist dann aber neben dem Systembediener auch ein Kraftfahrer notwendig. Im Standbetrieb können sich die Personen abwechseln und so eine gewisse Schichtfähigkeit aufbauen.
Das Dach der Fahrerkabine dient zudem der Aufnahme von zwei EchoShield-Radaren des US-Herstellers Echodyne, die auf zwei Dachträgerschienen montiert sind. Auf dem Dach der Bedienerkabine ist die stabilisierte Waffenstation R400 samt Waffe montiert. Die Stabilisierung erlaubt es, dass das Fahrzeug auch während der Fahrt Drohnen zielsicher mit der Maschinenwaffe bekämpfen kann. Ein in die Waffenstation integrierter Wettersensor erhöht die Präzision des Waffeneinsatzes auf weitere Distanzen. Als primärer Effektor des GARMR soll das MG 6 im Kaliber 7,62 x 51 mm zum Einsatz kommen. Diese Lösung bietet eine maximale Bekämpfungsreichweite von 1.000 bis 1.200 Metern, die effektive Reichweite soll bei rund der Hälfte der Entfernung liegen.
Hinter der Bedienerkabine befindet sich ein Rüstsatz, der neben einer modular bestückbaren Ladefläche zur Aufnahme von bis zu 15 Cicada-Abfangdrohnen auch Platz für ein Sensormastsystem samt integrierter Optronik bietet. Mit der Cicada können Drohnen in einer Entfernung von über 5 km bekämpft oder alternativ mit einem Netz „gefangen” und kontrolliert zum Absturz gebracht werden.
Mehrere GARMR-Fahrzeuge können zu einer vernetzten Feuereinheit kombiniert werden. Früheren Angaben von Diehl Defence zufolge soll der GARMR zudem über eine Schnittstelle verfügen, die die Einbindung des Systems in übergeordnete Luftverteidigungssysteme erlaubt.
Waldemar Geiger


















