Das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence hat heute im Rahmen der in Nürnberg stattfindenden Messe Enforce Tac 2026 eine neue kampfwertgesteigerte Variante des Kinetic Defence Vehicle mit dem Namen Garmr MRS vorgestellt. Die Abstützung auf Abfangdrohnen verleiht dem auf die Drohnenabwehr spezialisierten Höllenhund – Garmr ist in der nordischen Mythologie der Name des Hundes, der den Eingang zur Unterwelt Hel bewacht – eine Reichweite gegen feindliche Drohnen der NATO Klasse II (<600kg) von über 70 km. Daher auch die Bezeichnung Garmr MRS, das MRS steht hier für Medium Range System (Mittlere Reichweite).
Der neue Garmr MRS weist drei wesentliche Unterschiede zum bis dato bekannten Entwicklungsstand des im Ukraine-Einsatz befindlichen Kinetic Defence Vehicle auf:
- Die Adaption einer Standardschnittstelle für die Aufnahme und den Verschuss von unterschiedlichen Abfangdrohnen. In Nürnberg werden zwei Beispiele für Bewaffnungsoptionen mit der von Diehl Defence entwickelten Cicada, einem „Dual-use“-Wirkmittel für den militärischen sowie behördlichen Einsatz, sowie der von Destinus entwickelten Abfangdrohne Hornet Block 2 gezeigt. Diese Drohne ist Herstellerangaben zufolge in der Lage, feindliche Drohnen auf eine Entfernung von über 70 km erfolgreich zu bekämpfen. Die Cicada kann Drohnen in einer Entfernung von über 5 km bekämpfen oder alternativ mit einem Netz fangen und kontrolliert zum Absturz bringen. Laut Unternehmen können noch zusätzliche Effektoren in das System integriert werden.
- Anpassung der Sensorik durch leistungsfähigere Systeme.
- Weiterentwicklung der Software, so dass mehrere Garmr MRS nunmehr im Verbund agieren können. Zudem wurde eine Schnittstelle implementiert, die die Einbindung der Garmr MRS an übergeordnete Luftverteidigungssysteme erlaubt. Dadurch können die Garmr auch Ziele weit außerhalb der eigenen Sensorreichweite bekämpfen.
Ursprünglich als eine hochautomatisierte und -mobile sowie günstige Drohnenabwehrlösung für den taktischen Einsatz unterhalb des Nah- und Nächstbereichsschutzes entwickelt, geht Diehl Defence mit dem Garmr MRS einen Schritt weiter. Ziel ist weiterhin die Spezialisierung auf die kostengünstige Drohnenabwehr, nun jedoch mit deutlich mehr Reichweite, so dass sich das Fahrzeug im Rahmen der Drohnenabwehr auch für den Raumschutz eignet.
Diehl Defence gibt an, das Waffensystem sechs Monate nach Bestellung ausliefern zu können. Maßgeblich für den Zeitbedarf ist nicht die etablierte Lieferkette für die Subsysteme, sondern potenzielle Anpassungswünsche von Kunden die unter Umständen die software- sowie hardwareseitige Integration von speziell gewünschten Abfangdrohnen erfordern würde.
Als Trägerplattform für den Garmr kommt der Enok AB der im bayerischen Friedberg ansässigen ACS Armoured Car Systems GmbH zum Einsatz. In der Bundeswehr wird die Plattform derzeit unter der Bezeichnung Caracal für die Luftlandetruppe eingeführt. Erste Serienfahrzeuge sollen nun dem Vernehmen nach 2026 der Truppe zulaufen. Als Generalunternehmen für das Vorhaben fungiert Rheinmetall.
Die Mercedes-Benz-G-Plattform der Baureihe 464 bietet nicht nur eine hohe Mobilität auf der Straße und im Gelände, in der Variante Enok AB/Caracal ist das Fahrzeug zudem voll auf die Lufttransportfähigkeit – bis hin zur Innen- und Außenlastfähigkeit in schweren Transporthubschraubern – ausgelegt, was die strategische Verlegefähigkeit des KDV erheblich erhöht. Damit eignet sich das hochmobile Drohnenabwehrsystem nicht nur für den Einsatz zum Schutz von Objekten und Räumen im Kriegsfall bzw. in Zeiten hybrider Bedrohungen, es könnte auch zum Schutz eines Evakuierungsverbandes im Rahmen von militärischen Evakuierungsoperationen vor der zukünftig sicherlich zunehmenden Drohnenbedrohung beitragen.
Waldemar Geiger


















