Mit dem GARMR hat das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence erst jüngst eine kampfwertgesteigerte Variante des vormals unter der Bezeichnung Kinetic Defence Vehicle (KDV) geführten Drohnenabwehrfahrzeuges vorgestellt. Die drei wesentlichen Merkmale der Kampfwertsteigerung sind die Integration unterschiedlicher Abfangdrohnen, die Vernetzung mehrerer Fahrzeuge zu einer Feuereinheit und die Anbindung der Systeme an ein übergeordnetes Luftlagebild. In Kombination sorgen die Modifikationen dafür, dass sich der GARMR nunmehr neben dem Objektschutz auch zum Raumschutz eignet.
Diehl Defence hat GARMR für eine höchstmögliche taktische Modularität bei gleichzeitig minimalem Personalbedarf konzipiert. So ist das System so ausgelegt, dass Effektorik – die sich aus einem Maschinengewehr mit drehbarem Rohrbündel im Kaliber 7,62 x 51 mm oder 12,7 x 99 mm sowie mehren unterschiedlichen Abfangdrohnen – und Sensorik, alo Radar und Elektrooptik, auf einer Plattform kombiniert werden.
Das einzelne Fahrzeug kann so im Standbetrieb, unterstützt durch einen hohen Automatisierungsgrad der Subsysteme sowie KI-Unterstützung Detektion und Klassifikation von Drohnenzielen (AirScout von Walaris), mit einer Person einzelne Objekte vor Drohnen schützen und Ziele in bis etwa 5 km Entfernung mit Abfangdrohnen bzw. rund 500 bis 1.000 m Entfernung mit dem Maschinengewehr effektiv bekämpfen. Da die fernbedienbare Waffenstation zudem stabilisiert ist, kann die Bekämpfung auch während der Fahrt erfolgen. Dazu ist dann aber neben dem Systembediener auch ein Kraftfahrer notwendig. Im Standbetrieb können sich die Personen abwechseln und so einen gewisse Schichtfähigkeit aufbauen.
Gezeigt wird das Fahrzeug bis dato auf einer 4×4-Radplattform Enok AB, die von der ACS Armoured Car Systems GmbH auf Basis der Mercedes-Benz-G-Plattform der Baureihe 464 realisiert wird. Diehl Defence zufolge ließe sich das Drohnenabwehrsystem jedoch auf jede andere beliebige Trägerplattform integrieren, die über eine entsprechende Nutzlastkapazität für die Aufnahme der Sensoren und Wirkmittel verfügt. Im Rahmen der Robotikmesse Exponential Europe wurde beispielsweise GARMR auf geschützten Enok-Varianten gezeigt. Denkbar wären aber auch Lkw oder sonstige Fahrzeuge.
Weiterhin gib Diehl Defence an, dass über die Adaption einer Standardschnittstelle jegliche einsatzreife Abfangdrohnen innerhalb weniger Monate auf das Fahrzeug physisch und softwaretechnisch integriert werden können, was die theoretische Abfangreichweite des Systems auf über 50 km erhöht. So bietet beispielsweise Destinus mit der Hornet Block 2 eine Abfangdrohne an, die feindliche Drohnen der Shahed-Klasse auf eine Entfernung von über 70 km erfolgreich bekämpfen kann.
Aus der Theorie wird jedoch sehr schnell Praxis, wenn man die beiden anderen aufgeführten Maßnahmen zur Kampfwertsteigerung des Systems betrachtet.
Vernetzung
Mit der Kampfwertsteigerung des KDV zum GARMR wurde das System mit einem von Walaris neu entwickelten Command & Control System ausgestattet, das KI-unterstützt den Einsatz von Einzelsystemen erleichtert und zudem die Möglichkeit bietet, mehrere Systeme zu einer Feuereinheit zu vernetzten. So können Sensoren und Wirkmittel auf unterschiedlichen Fahrzeugen platziert werden oder mehrere GARMR-Plattformen zu einer Feuereinheit kombiniert werden, die im Raum gestaffelt eine größere Fläche vor Drohnenangriffen schützen und Sensordaten austauschen können. Die Größe der taktischen Feuereinheit ist dabei variabel. Diehl Defence spricht davon, dass bei Bedarf auch sechs oder acht Systeme verbunden werden können.
Anbindung ans übergeordnete Luftlagebild
Schlussendlich hat der Überlinger Rüstungskonzern eine Schnittstelle in den GARMR implementiert, die die Einbindung der GARMR MRS an übergeordnete Luftverteidigungssysteme erlaubt. Was sich nach „wenig“ anhört, stellt in der Realität ein wesentliches Element der Kampfwertsteigerung dar. Denn durch diese Schnittstelle ist es dem GARMR möglich, Zieldaten von anderen Luftverteidigungssystemen zu erhalten und so Drohnen weit außerhalb der eigenen Sensorreichweite mit weitreichenden Abfangdrohnen zu bekämpfen.
Damit ließe sich der GARMR auch als ergänzendes und auf die Abwehr von Drohnen spezialisiertes Element in ein leistungsfähigeres Luftverteidigungs-Ökosystem, wie beispielsweise IRIS-T SLM/SLS integrieren.
Waldemar Geiger


















