Mit dem GARMR hat Diehl Defence Ende Februar eine kampfwertgesteigerte Variante des vormals unter der Bezeichnung Kinetic Defence Vehicle (KDV) geführten Drohnenabwehrfahrzeuges vorgestellt, die neben der MG-Primärbewaffnung auch unterschiedliche Abfangdrohnen ins Feld führen kann. Nun hat die im bayerischen Friedberg ansässige ACS Armoured Car Systems GmbH (ACS) das GARMR-System auf eine Mercedes-Benz-G-Plattform der modernsten Baureihe 464 mit verlängertem Radstand integriert, wie das Unternehmen auf Anfrage von hartpunkt bestätigte. Bis dato wurde die kompakte Drohnenabwehrlösung nur auf einer offenen G-Plattform mit regulärem Radstand gezeigt.
Die korrekte Bezeichnung für die Plattform lautet Enok MBB – das MBB steht Modular Box Body. In der MBB-Variante verfügt das Fahrzeug über eine Gesamtlänge von rund 5,40 m (rund 80 cm längerer Radstand), womit sich eine breite Palette von zusätzlichen Rüstsätzen, bspw. Personaltransport, Sanität oder Materialtransport, realisieren lässt. Eine weitere Änderung zum Enok AB liegt in dem Umstand, dass der vordere Teil der G-Fahrerkabine erhalten bleibt, der um einen geschlossenen Rüstsatz erweitert wird, welcher wiederum auf Basis der gleichen modularen Aluminium-Profile realisiert wird, wie sie auch beim Enok AB oder der Luftlandeplattform Caracal zum Einsatz kommen.
Neben dem geschlossenen Fahrerhaus für Kraftfahrer und gegebenenfalls Beifahrer bietet das Fahrzeug zusätzlich eine hintere geschlossene Kabine mit Platz für zwei Soldaten samt der Bedienkonsolen für das Drohnenabwehrsystem. Die geschlossene Variante des Fahrzeuges schützt die Bediener vor Witterung und dient somit einer höheren Durchhaltefähigkeit, insbesondere bei niedrigen Temperaturen.
Das Dach der Fahrerkabine dient zudem der Aufnahme von zwei EchoShield-Radaren des US-Herstellers Echodyne, die auf zwei Dachträgerschienen montiert sind.
Das Dach der Bedienerkabine verfügt offensichtlich über genügend Traglast für die Aufnahme der stabilisierten Waffenstation R400, die entweder mit einem Drehbündel-Maschinengewehr im Kaliber 7,62 x 51 mm oder .50 bewaffnet werden kann.
Hinter der Bedienerkabine ist ein Rüstsatz erkennbar, der neben einer modular bestückbaren Ladefläche für die Aufnahme von Drohnen (die gezeigte Konfiguration kann bis zu 15 Cicada-Abfangdrohnen aufnehmen) noch über ein vertikales sowie ein horizontales Staufach verfügt. Das vertikale Staufach dient beispielsweise zur Unterbringung eines Sensormastes mit unterschiedlichen Sensoren (Radar und Elektrooptik).
Drohnenabwehrsystem GARMR
Diehl Defence hat GARMR für eine höchstmögliche taktische Modularität bei gleichzeitig minimalem Personalbedarf konzipiert. Das System ist so ausgelegt, dass Effektorik und Sensorik auch auf einer kleinen 4×4-Plattform kombiniert werden können.
Das einzelne Fahrzeug kann so im Standbetrieb, unterstützt durch einen hohen Automatisierungsgrad der Subsysteme sowie KI-Unterstützung Detektion und Klassifikation von Drohnenzielen (AirScout von Walaris), mit einer Person einzelne Objekte vor Drohnen schützen und Ziele in bis etwa 5 km Entfernung mit Abfangdrohnen bzw. rund 500 bis 1.000 m Entfernung mit dem Maschinengewehr effektiv bekämpfen. Da die fernbedienbare Waffenstation zudem stabilisiert ist, kann die Bekämpfung auch während der Fahrt erfolgen. Dazu ist dann aber neben dem Systembediener auch ein Kraftfahrer notwendig. Im Standbetrieb können sich die Personen abwechseln und so einen gewisse Schichtfähigkeit aufbauen.
Das GARMR-System verfügt zudem über ein von Walaris neu entwickeltes Command & Control System, das KI-unterstützt den Einsatz von Einzelsystemen erleichtert und zudem die Möglichkeit bietet, mehrere Systeme zu einer Feuereinheit zu vernetzten. So können Sensoren und Wirkmittel auf unterschiedlichen Fahrzeugen platziert werden oder mehrere GARMR-Plattformen zu einer Feuereinheit kombiniert werden, die im Raum gestaffelt eine größere Fläche vor Drohnenangriffen schützen und Sensordaten austauschen können. Die Größe der taktischen Feuereinheit ist dabei variabel. Diehl Defence spricht davon, dass bei Bedarf auch sechs oder acht Systeme verbunden werden können.
Darüber hinaus verfügt der GARMR über eine Schnittstelle zur Anbindung an ein übergeordnetes Luftverteidigungssystem. Durch diese Schnittstelle ist es dem GARMR möglich, Zieldaten von anderen Luftverteidigungssystemen zu erhalten und so Drohnen weit außerhalb der eigenen Sensorreichweite mit weitreichenden Abfangdrohnen zu bekämpfen.
Waldemar Geiger



















