Strike-Drohnen oder Loitering-Munition-Systeme vom Typ Lancet und Molniya zählten lange Zeit zu den wirkungsvollsten taktischen Wirkmitteln der russischen Streitkräfte, um Stellungen, Material und Logistik der ukrainischen Streitkräfte im frontnahen Raum zu bekämpfen. Wie aus einer heutigen Mitteilung des ukrainischen Generalstabs hervorgeht, hat die Effektivität solcher Systeme jedoch stark nachgelassen.
Grund dafür ist die zunehmende Leistungsfähigkeit der ukrainischen Drohnenabwehr. Wie der ukrainische Generalstab heute schreibt, hat Russland in der Woche vom 29. Oktober bis 4. November insgesamt 7.947 solcher Wirkmittel eingesetzt, von denen 7.225 durch ukrainische Streitkräfte bekämpft werden konnten. Dies entspricht einer Abwehrquote von fast 91 Prozent.
„Der Kampf um den Luftraum findet nicht nur über Städten und Dörfern im Hinterland statt, wo konventionelle und jetgetriebene Shaheds abgeschossen werden. Er wird auch jeden Tag an der Front ausgetragen, denn davon hängen die Widerstandsfähigkeit der Front, die Sicherheit der Frontgebiete und das Leben der Zivilbevölkerung ab“, schreibt der ukrainische Generalstab auf seinen Social-Media-Kanälen.
Allein am 30. Oktober sollen die russischen Streitkräfte 1.609 Loitering-Munition-Systeme eingesetzt haben, über die Woche hinweg sollen täglich mehr als 1.100 Angriffe mit solchen Wirkmitteln stattgefunden haben.
Leistungsfähigkeit der frontnahen Drohnenabwehr
Nach Angaben von Serhii „Flash“ Beskrestnov, einem ukrainischen Drohnenexperten und früheren Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, vom Mai 2026 sollen sich die Stückkosten der einfachen Molniya-Strike-Drohnen auf umgerechnet 1.500 US-Dollar belaufen. Lancet-Loitering-Munition soll hingegen bis zu 68.000 US-Dollar pro System kosten.
Strike-Drohnen haben sich in den letzten Jahren als eine besonders effektive und kosteneffiziente Wirkmittelkategorie für die Punktzielbekämpfung über größere Entfernungen durchgesetzt. Sowohl die russischen als auch die ukrainischen Streitkräfte setzen Tausende solcher Systeme pro Monat ein. Auch mehrere NATO-Streitkräfte haben in den letzten zwei Jahren Vorhaben aufgelegt, um solche Systeme zu beschaffen.
Die nun von den ukrainischen Streitkräften erreichte Abfangquote von über 90 Prozent relativiert jedoch die Effizienz und Effektivität solcher Wirkmittel, die zwischenzeitlich sogar als Ersatz für klassische Artilleriesysteme propagiert wurden.
Allerdings bietet die einzelne Angabe der Abfangquote noch keine hinreichende Datenlage für eine fundierte Bewertung der Effektivität und Effizienz solcher Systeme. Dafür wären mehr Daten zu lokalen Einsatz- und Abfangquoten, den eingesetzten Drohnenabwehrmitteln und -kräften sowie ein längerer Betrachtungszeitraum nötig. Dennoch sind die Angaben, sollten sie tatsächlich so zutreffend sein, ein starker Indikator für die zunehmende Leistungsfähigkeit der Drohnenabwehr und ein Hinweis dafür, dass sich eine effektive Abwehr gegen solche Wirkmittel organisieren lässt.
Waldemar Geiger

















