Forschungsprojekt GhostPlay zeigt Vorteile bei KI-gestützter Taktikentwicklung

Lars Hoffmann

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Das deutsche KI-Technologieunternehmen 21strategies hat am Donnerstag beim GhostPlay@SEA Demo Day in Berlin gemeinsam mit der Helmut-Schmidt-Universität und den Industriepartnern TKMS ATLAS ELEKTRONIK, Hensoldt, Rheinmetall Defence Electronics sowie Borchert Consulting & Research den Nutzen und das Potenzial neuer KI-Technologien bei der Entwicklung und Koordination militärischer Fähigkeiten vorgestellt.

Im Rahmen des dtec.bw-Forschungsprojekts GhostPlay@SEA wurden maritime Einsatzszenarien simuliert. In mehr als 5.000 Simulationsläufen wurde in den vergangenen Jahren untersucht, wie unterschiedliche autonome Systeme in unterschiedlichen Zusammensetzungen gemeinsam wirken. Für die Untersuchung wurden unter anderem die Anzahl unbemannter Überwasserfahrzeuge (USV), deren Bewaffnung und Munitionsausstattung sowie der Einsatz von Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition variiert.

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Ein Ergebnis war, dass nicht allein die Anzahl und Leistungsfähigkeit einzelner Plattformen entscheidend sind, sondern vor allem das Zusammenwirken ihrer Fähigkeiten. Besonders deutlich wurde dies bei Loitering Munition und der Nutzung ihrer Sensorik zur gemeinsamen Aufklärung.

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Ein weiterer zentraler Befund betrifft die Koordination autonomer Systeme. Mithilfe verteilter KI, sogenannter Multi-Agenten-Systeme, können die einzelnen Systeme Informationen austauschen, Aufgaben aufeinander abstimmen und gemeinsam auf Lageänderungen reagieren. Bei der künftig zu erwartenden großen Zahl unbemannter Systeme stößt die manuelle Koordination an praktische Grenzen. Verteilte KI eröffnet hier laut 21strategies die Möglichkeit, die Zusammenarbeit auch unter eingeschränkten Kommunikationsbedingungen aufrechtzuerhalten.

Nach Aussage von Christian Brandlhuber, Chief Technology Officer bei 21strategies, hat sich überdies gezeigt, dass Taktiken, die auf Basis von sogenannten Large Language Models (LLM) mit ihrer großen Leistungsfähigkeit entwickelt wurden, ihre Grenzen haben. LLM-Taktiken erzeugten seiner Aussage zufolge zwar „sehr plausible Handlungsanweisungen“. Treten LLM-Agenten jedoch gegen spezialisierte KI-Agenten an, gewinnen Letztere in 85 bis 90 Prozent der Fälle. Werden spezialisierte KI-Agenten zusätzlich mit einer spieltheoretischen Absicherung versehen, liege die Erfolgswahrscheinlichkeit sogar bei 90 bis 95 Prozent. Brandlhuber warne deshalb davor, sich bei der Simulation allein auf LLMs zu verlassen.

Die Besonderheit des Modells des Unternehmens ist zudem, dass darin ein intelligenter Gegner angelegt ist, der KI-basiert eigenständig neue Taktiken entwickelt und sein Verhalten laufend anpasst. Für zukünftige Übungen der Marine könnte sich daraus der Vorteil ergeben, dass weniger oder gar kein Personal für die Feinddarstellung benötigt wird, was Ressourcen spart.

Die im Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnisse hat 21strategies in seine Produktplattform tactics21 eingebracht. Ein nächster Entwicklungsschritt ist die Übertragung KI-basierter taktischer Fähigkeiten aus der virtuellen Umgebung auf reale Systeme.

Wie Generalleutnant Michael Vetter, Abteilungsleiter Innovation und Cyber im Bundesverteidigungsministerium, während der Veranstaltung ausführte, sollen die bei dtec.bw angestoßenen Projekte in Zukunft verstetigt und genau an die Bedürfnisse der Bundeswehr angepasst werden.

Lars Hoffmann