Der schwedische Rüstungskonzern Saab verfügt über eigene, intern entwickelte Agenten auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) und hat diese bereits auf der Gripen E fliegen lassen, wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt. Damit habe Saab seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, eigene KI-Systeme für den Luftkampf zu entwickeln, zu trainieren und im Flug zu erproben – und zwar vom ersten Konzept bis hin zum Einsatz in einem einsatzfähigen Kampfflugzeug.
KI sei eine von mehreren Schlüsseltechnologien bei der Entwicklung zukünftiger Kampfflugzeuge. Saab hat den Angaben zufolge innerhalb seines Geschäftsbereichs Advanced Programs eine ganze Familie von KI-Agenten entwickelt. Diese Familie nutze unterschiedliche KI-Verfahren, um taktische Entscheidungen in komplexen Einsatzumgebungen zu treffen. Dafür müssten die Agenten lernen, sich anzupassen und bei einer Vielzahl von Missionsaufgaben mit Piloten und Bedienern zusammenzuarbeiten.
Die Agenten können laut Mitteilung den Piloten im Cockpit unterstützen oder an der Seite bemannter Flugzeuge auf einer eigenen unbemannten Flugplattform operieren.
„Die Zukunft des Luftkampfes wird nicht von einzelnen Plattformen bestimmt, die isoliert agieren, sondern von Netzwerken aus bemannten und unbemannten Systemen, die als koordinierte Streitmacht zusammenarbeiten. Durch die vollständige Kontrolle über die gesamte Technologieplattform bauen wir die Fähigkeiten auf, die für diese Zukunft erforderlich sind“, erklärt Peter Nilsson, Leiter von Advanced Programs im Geschäftsbereich Aeronautics von Saab, laut Mitteilung.
Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit sei Saabs AI Fighter Pilot Academy. Diese Initiative diene der Entwicklung der KI-Agenten und schaffe gleichzeitig die erforderliche Infrastruktur, um KI-Agenten für eine Vielzahl von Szenarien und Plattformen zu entwickeln, zu trainieren und zu bewerten. Zusammen mit der Gripen E, deren innovative Architektur die schnelle Integration und Erprobung neuer Technologien ermögliche – sogar im zivilen Luftraum –, kontrolliere Saab die gesamte Entwicklungskette im eigenen Unternehmen, von der Simulation bis zu den Flugversuchen.
Unterstützt wird Saabs Fähigkeit, diese Arbeiten auszuweiten, durch Sferical AI, eine schwedische Initiative für souveräne KI, die sichere Rechenkapazitäten in großem Umfang für die fortgeschrittene KI-Entwicklung bereitstellt. Saab sei Gründungspartner dieser Initiative.
Im Rahmen der AI Fighter Pilot Academy werden die Agenten nach Angaben des Unternehmens in simulierten Umgebungen für verschiedene Fähigkeiten im Luftkampf trainiert. Durch Millionen simulierter Flugstunden in einer Vielzahl unterschiedlicher Einsatzszenarien können sie Taktiken und Entscheidungswege erproben, die weit über das hinausgehen, was ein einzelner Pilot im Laufe seines Lebens erleben könnte.
Eine dieser Fähigkeiten ist der Luftkampf außerhalb der Sichtweite (Beyond Visual Range, BVR). Diese Fähigkeit wurde nun auch unter realen Flugbedingungen erfolgreich validiert, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Während der Flugversuche steuerte der KI-Agent das Flugzeug in BVR-Luftkampfszenarien autonom. Die softwaredefinierte Architektur der Gripen E ermöglicht es laut Hersteller, neue KI-Software in ein Serienflugzeug zu integrieren und damit zu fliegen, ohne dafür spezielle experimentelle Flugplattformen zu benötigen.
Saab arbeitet nach eigenen Angaben nun daran, die Fähigkeiten seiner KI-Agenten weiter auszubauen und sie in einem breiteren Spektrum von Szenarien fliegen zu lassen. Die im Rahmen der AI Fighter Pilot Academy entwickelte Infrastruktur bilde eine wichtige Grundlage für zukünftige unbemannte Plattformen.
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