China weitet Produktion amphibischer Docklandungsschiffe nach Guangzhou aus

Alexander Luck

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China hat in Guangzhou mit der Fertigung von LPD (Landing Platform Dock, also Docklandungsschiffen mit Hubschrauberhangar) des Typs 071 begonnen. Zum ersten Mal produzieren nun zwei Werften neue Docklandungsschiffe für die chinesische Marine (PLAN). Detaillierte Satellitenbilder, die hartpunkt vorliegen, zeigen zwei Einheiten im Bau auf der COMEC-Werft (offiziell „CSSC Offshore and Marine Engineering“), auch bekannt als „Guangzhou Shipyard International“ (GSI), auf der Insel Longxue in Guangzhou.

Die konkreten Satellitenaufnahmen, die auf den 4. Oktober 2026 datiert sind und diesem Autor vorliegen, sind nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Allerdings kann hartpunkt anhand der Bilder bestätigen, dass die im Bau befindlichen Schiffe in Erscheinungsbild und Abmessungen, einschließlich einer Gesamtlänge von 210 Metern, dem Typ 071, im Westen auch als Yuzhao-Klasse bekannt, entsprechen. Bei diesem Entwurf handelt es sich um ein amphibisches Kriegsschiff mit einer Verdrängung von ungefähr 22.000 Tonnen. Das mit einem Welldeck ausgestattete Schiff entspricht in Auslegung und Verwendung den LPD westlicher Marinen wie der amerikanischen San-Antonio-Klasse oder der britischen Albion-Klasse.

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Die Werft führt die Fertigung dieser Neubauten in einem separaten Trockendock etwa zwei Kilometer südlich der Hauptproduktionsanlagen von COMEC auf Longxue durch. Die Anlage scheint in den letzten Jahren modernisiert worden zu sein, unter anderem durch einen neuen Vollportalkran für die Montage großer Schiffssegmente. Eines der beiden Docklandungsschiffe befindet sich kurz vor der Fertigstellung. Es verfügt bereits über einen installierten Hauptmast für Sensorik und Kommunikation sowie nahezu alle Komponenten des Aufbaus. Das Erscheinungsbild deutet darauf hin, dass ein Stapellauf bis Ende des Jahres oder Anfang 2027 erfolgen könnte. Das zweite Schiff dürfte innerhalb weniger Monate folgen.

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Zweiter Fertigungsstandort ein Novum für den Bau großer amphibischer Einheiten

Das Erscheinen dieses Schiffstyps bei COMEC ist bemerkenswert, weil Hudong-Zhonghua in Shanghai bislang alle LPD des Typs 071 gebaut hat. Zuvor wurden lediglich deutlich kleinere Panzerlandungsschiffe (LST) des Typs 072 an mehr als einem Standort produziert. Die bisherige Produktion der Yuzhao-Klasse umfasste acht Einheiten für die chinesische Marine sowie ein Schiff für die Königliche Marine Thailands.

Hudong nahm überdies kürzlich den Bau zusätzlicher LPD dieses Typs in Shanghai wieder auf. Der Hersteller hat Ende August das erste Schiff dieses neuen Bauloses vom Stapel gelassen; zwei weitere Einheiten befinden sich in einem Trockendock in der Endfertigung. Die Fertigung in Guangzhou bedeutet, dass die chinesische Marine mindestens fünf weitere Schiffe des Typs 071 und damit insgesamt 13 LPD erhalten wird. Der Bau zusätzlicher Einheiten ist ebenfalls möglich.

Docklandungsschiffe des Typs 071 haben in den letzten Jahren auch dadurch Aufmerksamkeit erregt, dass China auf dieser Klasse den Einsatz eines Feststofflasers zur Verteidigung gegen Luft- und Seeziele im Nahbereich erprobt.

Ausweitung des Schiffbaus in Guangzhou als Teil eines umfassenderen Trends bei der PLAN

Die Ausweitung der Produktion großer amphibischer Kampfschiffe ist Teil eines umfassenden Trends beim chinesischen Marineschiffbau. So haben COMEC und Hudong zwischen 2005 und 2019 gemeinsam zwei Baulose mit insgesamt neun Flottenversorgern des Typs 903/903A produziert. Für das jüngste, dritte Baulos mit mindestens fünf zusätzlichen Tankern ist jedoch die Wuhu-Werft in der Provinz Anhui hinzugekommen. Wuhu hat in den letzten zwei Jahren drei dieser rund 20.000 Tonnen verdrängenden Einsatzgruppenversorger zu Wasser gelassen.

COMEC hat in den letzten Jahren die Fertigung neuer Einheiten für die chinesische Marine erheblich gesteigert und produzierte bisher vor allem Spezial- und logistische Unterstützungseinheiten. Zu den nennenswerten Beispielen zählen bislang insgesamt sechs amphibische Landungsbrücken, die, wie von hartpunkt berichtet, als mobile Verbindungselemente für groß angelegte Landungsoperationen konzipiert wurden, zwei Typen von U-Boot-Unterstützungsschiffen, die bereits erwähnten AORs des Typs 903A sowie zwei Einheiten eines neuen, mit etwa 65.000 Tonnen sehr großen Flottenversorgers für Trägerverbände. Zuletzt lief auf der Werft die zweite Variante eines mutmaßlichen UUV-Mutterschiffs vom Stapel.

Unterdessen konzentrierte sich Hudong in Shanghai auf den Bau amphibischer Kampfeinheiten. Neben den LPD des Typs 071 zählen dazu auch vier amphibische Hubschrauberträger des Typs 075 sowie zuletzt die Konstruktion des Typs 076, der weltweit erstmals einen amphibischen Träger mit einem elektromagnetischen Katapult für den Einsatz von Kampfdrohnen ausstattet. Hudong ist überdies neben der Huangpu-Werft auf der Insel Changzhou in Guangzhou einer von zwei Fertigungsstandorten für U-Jagd-Fregatten der Typen 054A und 054B sowie für Wachschiffe in OPV- und Fregattengröße für die chinesische Küstenwache. Das Erscheinen von LPD des Typs 071 bei COMEC könnte darauf hindeuten, dass die Werft ihr Portfolio weiter ausbauen und zusätzliche Kriegsschiffe für die PLAN bauen wird. Eine derartige Ausweitung würde den Aufwuchs und die Modernisierung der chinesischen Marine weiter beschleunigen.

Die bereits zu beobachtenden Aktivitäten bei COMEC sind Teil eines umfassenderen Trends zur Ausweitung des chinesischen Marineschiffbaus, der nicht auf Überwasserkampfschiffe beschränkt ist. Anfang dieses Jahres hat Jiangnan in Shanghai erstmals ein atomgetriebenes U-Boot für die PLAN vom Stapel gelassen. Die Fertigung erfolgt unter Nutzung neuer Produktionsanlagen, die in den vergangenen fünf Jahren errichtet wurden. Die Fertigung neuer Fregatten und Zerstörer hatte sich zuletzt nach der Komplettierung großer Baulose erheblich verlangsamt. Der starke Anstieg beim Bau von U-Booten, Hilfsschiffen und amphibischen Einheiten unterstreicht jedoch, dass Modernisierung und Wachstum der chinesischen Volksmarine in den nächsten Jahren nicht an Dynamik verlieren werden.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien.