Das deutsche Heer hat fünf Handlungsfelder identifiziert, in denen es schnell besser werden muss, um in einem Krieg mit einem Gegner wie Russland bestehen zu können. Neben der Abwehr von Bedrohungen aus der Luft, dem elektromagnetischen Kampf, der Integration von unbemannten Systemen und der digitalen Führungsfähigkeit geht es um das indirekte Feuer über große Distanzen, auch als Deep Precision Strike bezeichnet.
„Wir müssen besser werden im Bereich indirekte Wirkung und da Entfernungen mit in den Fokus nehmen, die bisher für Landstreitkräfte fast nicht vorstellbar waren“, sagte gestern der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, in einer Paneldiskussion beim Defence TechDay 2026 von Bayern Innovativ auf dem Fliegerhorst Erding.
Man werde auf große Entfernungen wirken müssen, um effektiv und erfolgreich zu sein, so der General weiter. Erst Anfang des Monats hatte der höchste deutsche Heeresoffizier laut Redetext auf einer Veranstaltung ausgeführt, dass seine Teilstreitkraft über Low Cost Cruise Missiles (LCCM) verfügen werde, wobei zwei marktverfügbare Systeme im Fokus stünden. Diese müssten für die Bundeswehr allerdings noch qualifiziert werden. Ein erster Zulauf ab 2027 sei grundsätzlich möglich, hieß es in dem Text. Dabei gehe es laut Manuskript um Reichweiten von 1.500 Kilometern.
Dem Redetext zufolge sieht der Inspekteur eine gute Ergänzung von LCCM und klassischen Marschflugkörpern bei der Bekämpfung von strategischen Zielen. „Daher halten wir aus der operationellen Perspektive der Landstreitkräfte Typhon und Tomahawk auch bei uns im Heer für richtig verortet. Vor allem, weil das System seinen höchsten Einsatzwert eben im synchronisierten Einsatz mit den Low Cost Cruise Missiles entfaltet. Und weil wir im Ringen um Geschwindigkeit gut beraten sind, aus einer Hand zu führen und zu wirken“, sagte Freuding laut Text.
Wie er am Rande der Veranstaltung in Erding auf Nachfrage von hartpunkt deutlich machte, wünscht sich „auch“ das Heer, Tomahawks zu betreiben, ohne die Luftwaffe dabei auszuschließen. „Es gibt ja Waffensysteme, die alle Teilstreitkräfte betreiben“, so Freuding. So werde ebenfalls die Marine eine Verwendung für Tomahawk haben. Eine Entscheidung zu konkreten Beschaffungen bei den beiden möglichen LCCM-Anbietern könne womöglich im Jahr 2027 fallen, sagte der Heeresinspekteur.
In seinem Impulsvortrag auf dem Defence TechDay betonte der General, dass die Bundeswehr Fragen nach der Ökonomie des Krieges breiten Raum geben müsse und sich nicht nur auf technologische Spezifikationen verengen dürfe. Wenn ein Wirkmittel den Gegner ein Vielfaches dessen koste, was die Verteidigung dagegen die Bundeswehr koste, sei dies ein ökonomischer und damit auch ein militärischer Vorteil. Dies mache Abschreckung glaubwürdig, weil der Gegner erkenne, „dass wir im Wortsinne berechenbarer, länger und effizienter durchhalten können. Wir brauchen deshalb abgestufte Wirkmittel“, forderte Freuding. Das seien kostengünstige Interceptoren dort, wo Masse auch mit Masse begegnet werden müsse, und hochwertige Effektoren dort, wo sie erforderlich seien.
Bei der Abwehr von Bedrohungen aus der Luft habe Freuding Zweifel, ob diese allein mit kinetischer Wirkung erfolgreich sein könne. Er setze große Hoffnung in die Lasertechnologie, auch wenn diese mit zahlreichen Risiken behaftet sei, insbesondere bei der Energieversorgung. „Aber das ist für mich eine Möglichkeit, dieser Bedrohung nachhaltig zu begegnen. Und diese Bedrohung auch perspektivisch zu reduzieren.“
Lars Hoffmann

















