Zugang zum Weltraum: DLR plant im kommenden Jahr Start einer Rakete von See

Lars Hoffmann

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Während in Europa erhebliche Expertise zum Bau von Satelliten vorhanden ist, gibt es weiterhin Engpässe bei Trägerraketen und geeigneten Startplätzen. Nach Aussage von Walther Pelzer, Vorstandsmitglied im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und dort für die Deutsche Raumfahrtagentur zuständig, holen die europäischen Launcher-Hersteller mittlerweile deutlich auf. Dagegen habe Europa eine Schwachstelle bei Startplätzen in äquatorialen Regionen. Wie er gestern am Rande einer Pressekonferenz des deutsch-amerikanischen Satellitenbauers Planet Labs in Berlin erläuterte, befindet sich der einzige äquatoriale Startplatz Europas in Kourou und damit weit weg vom Kontinent. Deshalb müsse geprüft werden, wie eine größere Resilienz erreicht werden könne. Diese stelle man unter anderem dadurch her, dass man über mehrere Startmöglichkeiten in der Äquatorialzone verfüge.

Der Hauptvorteil eines Raketenstarts in Äquatornähe ist die höhere Geschwindigkeit, die die Rakete bereits durch die Erdrotation mitbekommt. Deshalb können bei gleichem Treibstoffverbrauch größere Nutzlasten transportiert werden als etwa in nördlichen Breitengraden.

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Als Optionen nannte Pelzer Inseln von europäischen Partnern, etwa der Briten oder Portugiesen. Ziel sei es, dort Möglichkeiten zum Start zu schaffen. Entweder von der Insel selbst, wenn diese groß genug und logistisch gut angebunden sei, oder aber als „Hub für einen Sea Launch“. Ein solcher Start würde von Schiffen erfolgen und ist nach Einschätzung des DLR-Managers deutlich flexibler, insbesondere aufgrund des Sicherheitsbedarfs in einem Krisenfall. Ein Teil der für einen solchen Start benötigten Komponenten würde dann womöglich auf dem Luftweg auf die Insel gebracht. Einen Start aus der Nordsee, wie er früher diskutiert wurde, sieht Pelzer dagegen kritisch.

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Interessant seien alle Bereiche, von denen aus man nach Osten fliegen könne, sagte er. Beim Blick auf Afrika sei Kenia ein interessanter Partner, mit dem man arbeiten könne. Es gebe aber auch eine private Plattform im Nordosten Südafrikas. „Wir gucken uns da an, was es gibt“, so der DLR-Experte. Dabei werde momentan wenig ausgeschlossen.

Im kommenden Jahr gehe es von der Theorie in die Praxis: So sei ein erster Test-Launch von See geplant, sagte Pelzer. Dies werde jedoch noch kein orbitaler Flug sein, sondern es werde eine Höhenforschungsrakete eingesetzt. Damit wolle die Raumfahrtagentur seiner Aussage zufolge Erfahrungen sammeln, wie ein Sea Launch funktioniere und welche Probleme dabei aufträten. Dabei sei die Raumfahrtagentur seinen Ausführungen zufolge nicht der erste Anwender, denn China und Russland hätten bereits Sea-Launch-Missionen durchgeführt. Für Deutschland und Europa biete sich damit jedoch die Chance, Resilienz aufzubauen.

Nach Angaben von Pelzer interessiert sich mittlerweile auch die European Space Agency (ESA) für das Thema. Perspektivisch sei es aus seiner Sicht wünschenswert, wenn launcher-agnostische Startplattformen (Star Pads) entwickelt würden. Gegenwärtig sei dies meist nicht der Fall.

Lars Hoffmann