Russlands jüngst ausgelieferte Kampfpanzer sind mit einem ausladenden Drohnenabwehrkäfig, im englischen Sprachraum als „Tsar Tent“ (Zarenzelt) bezeichnet, und bei einigen Fahrzeugen mit dem aktiven Schutzsystem „Arena-M“ ausgestattet. Dies stellt den neuesten Schritt von Bemühungen zur Steigerung der Überlebensfähigkeit von Kampfpanzern dar, die seit 2020 laufen – vor allem, um der Drohnenbedrohung in der Ukraine zu begegnen. Doch Panzerung und Störmaßnahmen haben ihre Grenzen: Wie Russland seine Kampfpanzer einsetzt, ist ebenso entscheidend wie die Art und Weise, wie es sie schützt.
Das „Tsar Tent“
Der russische Konzern Uralvagonzavod lieferte am 12. September ein neues Los von Kampfpanzern des Typs T-90M und T-72B3M an die Landstreitkräfte aus. Sie waren mit dem markanten „Tsar Tent“ ausgestattet – einer weitläufigen Anordnung aus Stahlstangen und Gummielementen, die an einem Schutzkäfig über dem Turmdach angebracht wurde. Diese Anpassung dient dazu, die Sicht der Panzerbesatzung und die Schwenkfähigkeit des Turms zu gewährleisten – was bei früheren Modifikationen für den Kampfeinsatz nicht der Fall war. Die Stangen und Seile sind offenbar so ausgelegt, dass sie stark genug sind, um eine angreifende Drohne abzulenken oder zu zerstören. Es ist zwar nicht die erste Lieferung von Kampfpanzern mit dieser Konfiguration, doch andere aktuelle Ereignisse bieten Anlass, einen umfassenderen Blick darauf zu werfen, wie Russland seine Kampfpanzer an die Bedrohung durch Drohnen anpasst.
Unter dem „Tsar Tent“ behalten der T-90M und der T-72B3M ihre umfassende Ausstattung mit explosiver Reaktivpanzerung (Explosive Reactive Armour; ERA) vom Typ „Kontakt“ und „Relikt“ bei. Der Triebwerksraum wurde zusätzlich gepanzert – vermutlich ebenfalls mit ERA –, um einen der anfälligeren Bereiche des Panzers vor Hohlladungsbedrohungen zu schützen. Und einer Quelle zufolge gibt es zwei unterschiedliche Entwicklungswege für russische Kampfpanzer: Einige werden mit dem abstandsaktiven Schutzsystem Arena-M und einer kleineren Variante des „Tsar Tent“ ausgestattet. Die anderen Panzer erhalten das vollständige „Tsar Tent“ sowie die Verkabelung für Arena.
Im Laufe des Jahres 2027 soll die Kapazität des Arena-Systems Berichten zufolge von zwölf Abfangwirkkörpern auf 36 erhöht werden. Diese Entwicklung folgt auf einen Angriffsversuch mit einer kleinen Anzahl von mit Arena ausgerüsteten Panzern im Juli dieses Jahres. Dieser Angriff wurde zwar abgewehrt, doch Beobachter gehen davon aus, dass das Arena-System dazu beitrug, die Wirksamkeit der ukrainischen Drohnenangriffe zu verringern. Der Schwerpunkt der Modernisierungen scheint auf der Durchhaltefähigkeit zu liegen. Das heißt, ein Kampfpanzer soll eine höhere Anzahl von Drohnen-Treffern aushalten können, um die Wahrscheinlichkeit zu steigern, dass er weiter an einer Offensive teilnehmen kann.
Russlands Kampfpanzerentwicklung
Russlands Konstruktionsdoktrin in Bezug auf Kampfpanzer tendierte stets dazu, ein Gleichgewicht zwischen Mobilität und Panzerung zu bevorzugen. Seit den 1980er Jahren setzen die Konstrukteure in großem Umfang auf Reaktivpanzerung, um die Überlebensfähigkeit ihrer Panzerkonstruktionen zu erhöhen, anstatt sich auf schwere passive Schutzlösungen zu verlassen. Dieser Ansatz verschafft Kampfpanzern wie dem T-64 und dem T-72 eine angemessene Überlebenschance gegen Panzerabwehrraketen und ähnliche Waffen sowie gegen einige größere Panzerabwehrlenkflugkörper und Wuchtgeschosse im Frontalbereich. Die Seiten, das Dach und das Heck russischer und sowjetischer Panzer waren schon immer weniger geschützt, ähnlich wie bei ihren westlichen Pendants.
Die ersten Versuche mit einer möglichen Bedrohung durch Drohnen umzugehen, gab es im Jahr 2020. Russische Panzer an der Grenze zur Ukraine wurden bei Übungen mit Vorrichtungen gezeigt, die viele heute als „Cope Cages“ (Drohnenschutzkäfige) bezeichnen. Russische Medien bezeichneten sie als „Sonnenblenden“, und es gab Spekulationen, dass sie zum Schutz vor den neu erworbenen Javelin-Panzerabwehrlenkflugkörpern der Ukraine beitragen sollten.

Dies mag der Grund gewesen sein, warum russische Einheiten ihre Panzer mit diesen Käfigen ausstatteten, doch es ist unwahrscheinlich, dass sie eine Javelin daran gehindert hätten, das Panzerdach zu durchschlagen. Zu diesem Zeitpunkt war die Ukraine jedoch bereits versiert darin, Drohnen einzusetzen, um Munition auf russische und Formationen der Separatisten in den besetzten Gebieten abzuwerfen. Angesichts der Tatsache, dass für israelische Panzer bis 2023 eine ähnliche Art von Schutzgitter eingeführt wurde, obwohl sie nicht mit Javelin-Panzerabwehrflugkörpern konfrontiert waren, scheint es naheliegend, dass Drohnen einer der Auslöser waren.
Als die russische Invasion in der Ukraine begann, beschleunigte sich der Anpassungszyklus, was zu Ergänzungen der Schutzgitter und schließlich zu den russischen „Schildkröten“- und „Igel“-Panzern führte; bei den Schildkröten-Panzern wurde eine Art Scheune um den Panzer herum gebaut, während die Igel-Panzer mit dichten Drahtgeflechten ausgestattet waren. Viele Panzer wurden zudem zusätzlich zu ihren Schutzkäfigen mit elektronischen Störsendern gesichtet, die einen gewissen Schutz bieten sollten, indem sie die Steuerungsverbindung einer Drohne abfingen oder störten, sobald diese sich dem Kampfpanzer näherte. Die Igel-Entwicklungen und verschiedene andere Anpassungen im Einsatz verhinderten zwar manchmal die Drehung des Turms, erhöhten jedoch den Schutz vor Drohnen. Ein ukrainischer Drohnenbediener gab beispielsweise in einem Interview mit RFE/RL an, dass eine solche Ausstattung es einem russischen Panzer ermöglichte, Dutzenden von Treffern durch FPV-Drohnen standzuhalten.
Minen stellen für Panzer beider Seiten weiterhin ein großes Risiko dar. Sobald ein Panzer manövrierunfähig ist, wird es wesentlich einfacher, Drohnen und andere Angriffssysteme einzusetzen, die erforderlich sind, um die Panzerung oder die Igel-Stachel zu beieinträchtigen und den Panzer schließlich zu zerstören.
Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist die Automatisierung, die bereits vor der Invasion im Jahr 2022 begann. Seit einiger Zeit arbeitet Uralvagonzavod an einem unbemannten Panzerkomplex namens „Shturm“. Dabei handelt es sich um eine Reihe ferngesteuerter T-72-Kampfpanzer, die ursprünglich für den Kampf im urbanen Gelände konzipiert wurden. Dazu gehörten gemäß den 2018 diskutierten ursprünglichen Konzepten ein Panzer mit einer verkürzten 125-mm-Kanone und ein weiterer mit einem Planierschild. Im Jahr 2025 tauchten Aufnahmen auf, die offenbar zwei solcher Systeme zeigten: einen mit verkürzter Kanone und einen ohne Turm, der jedoch für den Einsatz von thermobarischen Raketen und anderen Waffen ausgerüstet war. Der Status dieser Fahrzeuge ist jedoch unbekannt, und es dürften zahlreiche Herausforderungen zwischen dem Einsatz einiger weniger Fahrzeuge in einer russischen Stadt und ihrem Einsatz in einer Geländeoffensive bestehen.
Struktur versus Technologie
Es ist jedoch wichtig, die technische Weiterentwicklung der russischen gepanzerten Fahrzeuge auch im Zusammenhang mit den organisatorischen Auswirkungen zu betrachten, die der Krieg in der Ukraine auf die russischen Landstreitkräfte hatte.
Einst als Artilleriearmee mit vielen Kampfpanzern beschrieben, sah die russische Planung traditionell große, offensive Vorstöße vor, die darauf abzielten, Schwachstellen in der gegnerischen Front zu identifizieren und auszunutzen. In einem für russische Planer idealen Szenario werden mehrere Vorstoßlinien genutzt, die durch massiven Artillerieeinsatz und Luftangriffe umfassend unterstützt werden. Wird eine vielversprechende Angriffsachse identifiziert, wird vom Befehlshaber erwartet, dass er diesen Erfolg ausweitet, indem er zusätzliche Kräfte in den Vorstoß einbringt, um die Dynamik aufrechtzuerhalten. Wichtig ist, dass diese Vorstöße in der Regel im Rahmen großer jährlicher Manöver einstudiert werden, was für die russische Kriegsführung von entscheidender Bedeutung ist. Tatsächlich warnte ein ukrainischer Offizier in einem Vortrag auf der „International Armoured Vehicles“-Konferenz im Jahr 2018, dass Russlands „Zapad“-Manöver im Jahr 2017 eine Vorbereitung auf eine erhebliche Eskalation in der Ukraine gewesen sein könnte.
Dieses Einsatzkonzept erfordert eine große Anzahl von Kampfpanzern und Artillerie, damit es funktioniert. Russland hat jedoch in der Ukraine Tausende von Kampfpanzern und gepanzerten Fahrzeugen verloren, was es daran hindert, die Art von Streitkräften aufzustellen, die für einen Durchbruch erforderlich wären.
Nach dem Scheitern der ersten Offensive im Jahr 2022 haben die daraus resultierende Kommandostruktur und Vorgehensweise Russlands in der Ukraine dazu geführt, dass der Vorstoß mit kleinen Formationen und vereinzelten Kampfpanzern statt mit der in der russischen Doktrin vorgesehenen Masse priorisiert wurde. Gleichzeitig hat der Mangel an Artilleriemunition Russland daran gehindert, Offensiven angemessen zu unterstützen – ein Problem, mit dem auch die Ukraine während ihrer Gegenoffensive im Jahr 2023 zu kämpfen hatte.
Kein gepanzertes Fahrzeug, egal wie fortschrittlich es auch sein mag, kann lange überleben, wenn es ohne andere Fahrzeuge, Infanterie und Feuerunterstützung auskommen muss und isoliert ist. Moderne Panzerabwehrgeschosse sind sehr leistungsfähig und werden letztendlich eine Schwachstelle finden oder die Reaktivpanzerung überwinden, um die Besatzung oder die Munition zu erreichen. Es ist daher naheliegend, dass ein Teil der Probleme Russlands (und der Ukraine) mit ihren gepanzerten Fahrzeugen darauf zurückzuführen ist, wie sie gezwungen waren, diese einzusetzen.
Die Gesamtheit des Gefechtsfeldes
Der letzte Aspekt, der hier zu berücksichtigen ist, ist die Gesamtheit des Gefechtsfeldes. Dieses Konzept bezieht sich auf die Summe aller Komponenten auf einem Gefechtsfeld, von Logistik, Führung und Unterstützung bis hin zu Art und Anzahl der Panzereinheiten, der Luftunterstützung und der verfügbaren Optionen zum Wirken auf Distanzen. Allgemein gesagt prägt das Zusammenspiel dieser komplexen Prozesse, Systeme und Plattformen einen Kriegsverlauf und dessen Ergebnisse.
Das bedeutet, dass ein Vergleich zwischen einem Leopard 2A8 und einem T-90M wenig aussagekräftig ist. Die Unterschiede im Geschützkaliber und in der Schutzphilosophie werden den Verlauf eines Gefechts oder Krieges wahrscheinlich nicht so stark beeinflussen wie die Gesamtheit der beteiligten Systeme. Der zweite Bergkarabach-Krieg im Jahr 2020 ist ein gutes Beispiel dafür. Aserbaidschan gelang es, ein Zusammenspiel verschiedener Effekte zu orchestrieren, darunter elektronische Kriegsführung und die Ausschaltung der armenischen Flugabwehr, gepaart mit Langstreckenangriffen und der kontinuierlichen Beobachtung durch die Bayraktar-TB2-Kampfdrohnen. Eine gut koordinierte Bodenoffensive besiegelte den Erfolg und durchbrach damit eine Pattsituation, die seit den 1990er Jahren bestanden hatte. Würde man jedoch einen dieser Aspekte aus dem Gesamtkontext herausnehmen, wäre die Wirkung weitaus geringer. Ohne die Ausschaltung der armenischen Flugabwehr hätten die TB2-Drohnen es schwer gehabt, und die Offensive hätte zu weitaus schwereren Verlusten geführt, wenn die armenische Artillerie nicht tagelang bombardiert worden wäre.
Ähnlich verhält es sich in der Ukraine, wo viele dazu neigen, den Fokus übermäßig auf Drohnen zu richten. Dabei werden die elektronischen Kampfführungs- und Flugabwehrsysteme außer Acht gelassen, die den Einsatz von Drohnen einschränken und die Fähigkeit der russischen Luftwaffe, sich frei über die Frontlinien zu bewegen, beeinträchtigen. Außerdem werden die gigantischen Anstrengungen der Ukraine und Russlands vergessen, die von ihren Einheiten an der Front generierten Informationen auszuwerten, ebenso wie die anhaltende Rolle der Artillerie und der daraus resultierende Bedarf an spezialisierten Drohnen-Besatzungen, um Drohnen aufzuspüren. In diesem Zusammenhang ist Russlands Kampf um den Erhalt seiner Kampfpanzer Teil einer umfassenderen Bemühung, die Manövrierfähigkeit wiederherzustellen, aber er steht nicht für sich allein, und sollten diese Bemühungen scheitern, bedeutet dies nicht das Ende des Kampfpanzers. Vielmehr deutet dies darauf hin, dass Russland trotz all seiner technischen Anpassungen Schwierigkeiten hat, das gesamte Gefechtsfeld zu seinen Gunsten zu beeinflussen.
Autor: Sam Cranny-Evans. Der Beitrag erschien erstmalig am 16.09.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Calibre Defence.


















