Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat auf den DALO Industry Days in Dänemark mit dem MCMV 24 jüngst sein neues Konzept für ein Minenjagdboot vorgestellt. Auch wenn das Boot auf den ersten Blick recht konventionell wirkt, zeigt eine genauere Betrachtung eine Reihe von Konstruktionsentscheidungen, die es vom Wettbewerb abheben.
Das Boot ist für die Ostsee oder vergleichbare Küstengebiete konzipiert, in denen die Minengefahr nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt ist, sondern sich von feindlichen Küsten über offene Gewässer bis in befreundete Häfen erstreckt. Dazu gehört ein vielfältiges Spektrum an Bedrohungen, das von konventionellen Minen über aus der Luft ausgesetzte Minen bis hin zu Minen reicht, die in naher Zukunft von unbemannten Wasserfahrzeugen (USV) aus verbracht werden. Da sich in diesem Umfeld ein Einsatz aus sicherer Entfernung nur schwer umsetzen lässt, entschied sich Saab für ein kleineres, 66 Meter langes Boot, das direkt innerhalb des von Minen bedrohten Gebiets operieren kann. Daher verfügt das System über eine Reihe traditioneller Technologien zur Signaturreduzierung, darunter vor allem einen Rumpf aus GFK – eine Kernkompetenz der Saab-Werft Kockums. Im Vergleich zur aktuellen schwedischen Koster-Klasse verwendet das Boot statt Voith-Schneider-Antrieben herkömmliche Propeller und opfert damit ein gewisses Maß an Manövrierfähigkeit und Signaturreduzierung zugunsten einer größeren Höchstgeschwindigkeit.
Eine Höchstgeschwindigkeit von 22 Knoten gilt als entscheidender Faktor für eine größere operative Flexibilität, als sie herkömmliche Minenjagdplattformen bieten. In Verbindung mit einer leistungsfähigeren Sensorausstattung – darunter das Giraffe-1X-Radar von Saab sowie das Feuerleitsystem und elektrooptische Sensorsystem CEROS – und verschiedenen Bewaffnungsoptionen, zu denen die 40-mm-Kanone von Bofors gehört, der Saab-Leichtgewichtstorpedo (TP 47 im schwedischen Dienst) sowie C-UAS-Flugkörper des Typs Saab Nimbrix, kann das Boot Patrouillen durchführen und gleichzeitig seine Selbstverteidigungsfähigkeiten gegen herkömmliche Bedrohungen sowie gegen Seedrohnen und luftgestützte unbemannte Systeme aufrechterhalten.
Für die Marinen Estlands, Lettlands und Litauens, die sich historisch auf die Minenbekämpfung in der Ostsee konzentriert haben, nun aber einen wachsenden Bedarf an Offshore-Patrouillen haben, ist dieses Konzept wie geschaffen. Saab bietet die Plattform zudem in speziellen Konfigurationen für Patrouillenschiffe oder die Küstenwache an, was Betriebs- und Wartungssynergien für Marinen ermöglicht, die einen gemeinsamen Rumpf für mehrere Einsatzprofile suchen.
Minenbekämpfungsoperationen werden mithilfe einer Reihe ferngesteuerter und autonomer Unterwassersysteme durchgeführt. Ein interessantes Konstruktionsmerkmal ist die spezielle Bugklappe zum Ausbringen und Einholen von ROVs (Remotely Operated Vehicles) wie dem „Double Eagle“ von Saab, ergänzt durch großzügigen Platz auf dem Achterdeck für Einsatzmodule und den Einsatz weiterer unbemannter Systeme.
Neben Schweden – wo das Konzept als potenzieller Ersatz für die Koster-Klasse (ursprünglich in den 1980er Jahren als Landsort-Klasse gebaut) ins Auge gefasst wird – bestätigte Saab erste Gespräche mit anderen Nationen, darunter Dänemark und Deutschland, die ähnliche Anforderungen haben.
Autor: Robin Häggblom hat einen Master of Science in Technolgy von der Universität Oulu und ist seit einem Jahrzehnt in verschiedenen Positionen in der finnischen Schifffahrts- und Verteidigungsindustrie tätig. Außerdem ist er unter dem Pseudonym „Corporal Frisk“ als Verteidigungsanalyst tätig. Der Beitrag erschien erstmalig am 7.09.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.















