Die deutschen Streitkräfte beabsichtigen, neue Fusionsbrillen für die Spezialkräfte der Bundeswehr zu beschaffen. Dies geht aus einer heute veröffentlichten Mitteilung des Bundeswehr-Beschaffungsamtes BAAINBw auf der europäischen Online-Vergabeplattform TED hervor.
Wie das BAAINBw dort schreibt, wurde ein Teilnahmewettbewerb eröffnet, mit dem 500 Sätze „Fusionsbrillen SpezKr“ sowie 150 smarte Batteriepacks beschafft werden sollen. „Diese ermöglichen ein stereoskopisches Sehen im Kurz- und Mittelbereich des Nutzers durch zwei Restlichtverstärkerkanäle und kommen in unterschiedlichen Szenarien der SpezKrBw zum Einsatz, wie z. B. beim Fallschirmsprung“, heißt es in der BAAINBw-Mitteilung auf TED.
Die im Rahmen der öffentlich zugänglichen Unterlagen aufgeführten Zulassungskriterien dürften das Anbieterfeld jedoch signifikant einschränken. So müssen interessierte Anbieter, damit sie im Rahmen des Teilnahmewettbewerbs berücksichtigt werden können, zwei Referenz-Projekte im Zeitraum der vergangenen fünf Jahre nachweisen, bei denen Fusionsbrillen an öffentliche Auftraggeber aus dem Verteidigungsbereich geliefert wurden.
Zudem kündigt das BAAINBw an, im Rahmen der Angebotsauswertung eine Voruntersuchung des vom geeigneten Bieter angebotenen Systems bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD91) in Meppen und beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw durchführen zu wollen. Im Rahmen dieser Voruntersuchung, die voraussichtlich im Zeitraum Ende Januar bis April 2027 stattfinden soll, müssen potenzielle Anbieter der Bundeswehr jeweils vier Systeme für die auf maximal vier Tage ausgelegte Voruntersuchung bereitstellen. Die Kosten für die Systeme sowie das abzustellende Begleitpersonal muss der Anbieter selbst tragen.
Fusionsbrillen
Moderne Fusionsbrillen kombinieren Restlichtverstärker- und Wärmebildtechnik. Der „Fusion“-Ansatz basiert darauf, dass das Wärmebild über das optische bzw. restlichtverstärkte Bild gelegt wird. Mindestens zwei Bildquellen sollen so zu einem „nützlicheren“ Bild verschmelzen. Besondere taktische Herausforderungen können dadurch einfacher bewältigt werden.
Beispielsweise ist es selbst auf Distanzen von 50 Metern äußerst schwierig, Personen, die sich nicht bewegen, mittels Restlichtverstärkern im Wald zu detektieren, insbesondere dann, wenn diese angelehnt an Bäume oder Büsche stehen. Die Überlagerung des Restlicht-Bildes mit dem Wärmebild bewirkt, dass die deutlichen Temperaturunterschiede zwischen Bebauung und Bewuchs im Vergleich zu der Körpertemperatur ebenfalls als Detektionsquelle genutzt werden können. Personen sind somit auch auf größere Distanzen deutlich erkennbar.
Der Wärmebildsensor erlaubt es zudem, Wärmequellen – wie beispielsweise einen Menschen – teilweise auch durch Rauch, Nebel und/oder selbst bei völliger Dunkelheit (ohne Restlicht) – beispielsweise in Tunneln oder lichtlosen Kellergewölben – wahrzunehmen. Auch bei der taktischen Verwundetenversorgung bietet die Fusionsbrille gegenüber einer reinen Nachtsichtbrille Vorteile, da Blutaustritte über den Thermalkanal einfacher erkannt werden können.

Technisch kann die Erzeugung des fusionierten Bildes auf zwei unterschiedliche Wege gelöst werden. Neben der Möglichkeit, dies über die Nutzung eines sogenannten Wärmebildgerät-Aufsatzes (Clip-On) zu lösen – bei diesem Ansatz wird das Thermalbild über ein Display des Clip-On auf ein Objektiv der Brille projiziert –, kann das Fusionsbild auch über eine interne Überlagerung erzeugt werden. Dieser zweite Ansatz, bei dem der Wärmebildsensor in die Brille fest integriert ist, gilt in Fachkreisen als leistungsfähiger.
In den Spezialkräften der Bundeswehr kommen daher seit geraumer Zeit Fusionsbrillen mit integriertem Wärmebildsensor zum Einsatz. So ist auf unterschiedlichen von den Spezialkräften der Bundeswehr veröffentlichten Bildern (siehe Kommandosoldat mit dem Sturmgewehr) erkennbar, wie die Kommandosoldaten die Fusionsbrillen des Typs FGE (Fusion-Goggle-Enhanced) des US-Herstellers L3Harris nutzen, die über den deutschen Vertriebspartner IEA MIL-OPTICS GmbH (IEA) beschafft wurden. Zudem wurde das Unternehmen im Sommer 2024 mit der Lieferung von Fusionsbrillen an die Bundespolizei beauftragt, wie hartpunkt berichtete. Den Angaben von IEA zufolge sollte in einem ersten Schritt eine mittlere zweistellige Stückzahl an Systemen, mit einer Option auf eine zukünftige Erhöhung der Menge, geliefert werden. Die geringe Stückzahl ist ein starkes Indiz für die Verwendung der Fusionsbrillen bei den Spezialkräften der Bundespolizei (GSG 9).
Waldemar Geiger


















