Das seit Langem laufende polnische U-Boot-Programm „Orka“ hat kürzlich zu einem konkreten Beschaffungsvertrag geführt. Der schwedische Rüstungskonzern Saab wurde mit der Produktion und Auslieferung von drei U-Booten des Typs A26 beauftragt. Diese werden neben Polen auch in Schweden als „Blekinge-Klasse“ in Dienst gestellt. Der Vertrag umfasst zudem ein Waffenpaket sowie ein Ausbildungs- und Unterstützungspaket mit einem Gesamtwert von rund 47 Milliarden SEK (umgerechnet etwa 4,26 Milliarden Euro). Die Auslieferung soll zwischen 2031 und 2038 erfolgen.
Die endgültige Auswahl erfolgte im November 2025 nach einem langwierigen Prozess zur Suche nach einem Ersatz für die veraltete U-Boot-Flotte Polens, die aus dem einzigen U-Boot der Kilo-Klasse vom Typ Projekt 877E, der „Orzeł“, besteht. Die Orzeł wurde 1986 in Dienst gestellt und gilt als das erste U-Boot der Kilo-Klasse, das jemals exportiert wurde. Der aktuelle Auftrag umfasst die Beschaffung von drei in Schweden gebauten U-Booten und ist Teil einer umfassenderen strategischen Zusammenarbeit, in deren Rahmen eine Reihe weiterer Vereinbarungen unterzeichnet wurden.
Leasing der HMS Södermanland
Dazu gehört das Leasing der HMS „Södermanland“, eines älteren U-Boots der A-17-Klasse. Es lief ursprünglich Ende der 1980er Jahre als Teil der aus vier Booten bestehenden Västergötland-Klasse vom Stapel. Zwar ist die Södermanland genauso alt wie die Orzel, doch wurde sie Anfang der 2000er Jahre einer grundlegenden Modernisierung unterzogen, bei der sie verlängert und mit einem luftunabhängigen Stirling-Antrieb ausgestattet wurde. Bereits 2019 gab es Gespräche über die Möglichkeit, die Södermanland und ihr Schwesterschiff, die „Östergötland“ (mittlerweile außer Dienst gestellt), als Übergangslösung an die polnische Marine zu übergeben. Doch damals kam nichts aus diesen Gesprächen heraus.
Gemäß der aktuellen Vereinbarung beginnt die Ausbildung der polnischen U-Boot-Besatzungen bereits im August. Während der Ausbildungsphase soll die Södermanland offenbar operative Einsätze in der Ostsee durchführen. So soll sichergestellt werden, dass trotz der Reduzierung der schwedischen U-Boot-Flotte auf drei Boote durchgehend zehn AIP-U-Boote für die NATO in der Ostsee zur Verfügung stehen (die übrigen sechs werden durch die U212-Klasse der Deutschen Marine gestellt).
Eine weitere wichtige Vereinbarung wurde zwischen Saab und dem polnischen Rüstungskonzern PGZ unterzeichnet. Sie betrifft die Einrichtung eines „rechtlichen und organisatorischen Rahmens für die polnisch-schwedische Zusammenarbeit bei der Durchführung des koordinierten Ausschreibungsverfahrens zur Beschaffung eines U-Boot-Rettungsschiffs“. Polen baut im Rahmen des Ratownik-Programms derzeit ein neues U-Boot-Rettungsschiff mit einer Länge von 96 Metern und einer Verdrängung von 6.500 Tonnen. Da das Rettungsschiff der Königlich Schwedischen Marine, die HMS „Belos“, allmählich in die Jahre kommt, wäre ein Auftrag aus Schweden für ein Schwesterschiff oder ein Schiff mit gemeinsamen Technologien und Subsystemen der logische nächste Schritt in der Zusammenarbeit beider Länder im Unterwasserbereich.
Zeitplan für die Auslieferung der polnischen A26-U-Boote
Die drei polnischen U-Boote werden, wie bereits erwähnt, ab 2031 ausgeliefert, also im selben Jahr, in dem Schweden die Auslieferung des ersten seiner beiden U-Boote, der HMS „Blekinge“, erwartet. Sowohl die HMS Blekinge als auch ihr Schwesterschiff, die HMS „Skåne“, werden derzeit auf der Werft in Karlskrona gebaut. Angesichts dieses engen Zeitplans hat der schwedische Verteidigungsminister Pål Jonson die Idee ins Spiel gebracht, den zweiten Rumpf, die HMS Skåne, umzufunktionieren, sodass sie als erstes Schiff für die polnische Marine dienen könnte.
Polens A26-Waffenpaket
Ein bemerkenswertes Detail ist, dass Saabs Vorstandsvorsitzender Micael Johansson in einem Interview mit der schwedischen Zeitung Dagens Industri nicht nur die Auslieferung eines Waffenpakets mit leichten und schweren Torpedos an Polen bestätigte, sondern auch, dass Saab im Auftrag Integrationsarbeiten für einen nicht näher bezeichneten Flugkörper durchführt, der nicht im Paket enthalten ist und „kein Marschflugkörper ist“. Bei den leichten und schweren Torpedos handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Saabs „Lightweight Torpedo“ (SLWT), der in Schweden bereits als Tp 47 im Einsatz ist, sowie um den schweren „Torped 62“ des Unternehmens. Es ist jedoch anzumerken, dass jüngste Pläne darauf hindeuten, dass der kommende „Torped 63” tatsächlich zeitgleich mit den Orka-Booten in Dienst gestellt werden könnte. Dies wurde im vergangenen Jahr von der schwedischen Rüstungsbeschaffungsbehörde FMV erklärt. Das Angebot könnte somit eine Mischung aus Torped 62 und Torped 63 sein.
Der noch nicht näher bezeichnete Flugkörper ist schwerer einzuschätzen. Es könnte sich entweder um ein Flugabwehrsystem wie das IDAS handeln – wobei die Verbindung zu TKMS sowohl für Schweden als auch für Polen schwer zu schlucken sein dürfte – oder, was wahrscheinlicher ist, um die norwegische JSM-SL. Diese Waffe befindet sich derzeit in der Entwicklung und wird als aus dem Torpedorohr abgefeuerte Variante zur äußerst erfolgreichen NSM/JSM-Flugkörperfamilie gehören. Die JSM-SL hat bereits in einer Reihe europäischer Länder großes Interesse geweckt. Sollte sie für die A26 bestellt werden, würde sie den U-Booten nicht nur eine leistungsstarke Schiffsabwehrbewaffnung, sondern auch eine sekundäre Landangriffsfähigkeit verleihen.
Autor: Robin Häggblom hat einen Master of Science in Technolgy von der Universität Oulu und ist seit einem Jahrzehnt in verschiedenen Positionen in der finnischen Schifffahrts- und Verteidigungsindustrie tätig. Außerdem ist er unter dem Pseudonym „Corporal Frisk“ als Verteidigungsanalyst tätig. Der Beitrag erschien erstmalig am 28.07.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.













