Frankreich startet Marktanalyse trägerfähiger Kampfdrohnen

Xavier Vavasseur

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Die französische Beschaffungsbehörde für Verteidigung (DGA) hat eine Informationsanfrage (RFI) bezüglich eines künftigen „Collaborative Combat UAV System“ (CCA-System) veröffentlicht. Das am 4. Juni 2026 veröffentlichte Dokument markiert den Beginn einer offiziellen Marktanalysephase, um die operativen, technischen und industriellen Rahmenbedingungen für Frankreichs nächste Generation von „Loyal Wingmen“ und Plattformen für die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Flugzeugen (MUM-T) zu definieren.

Während das RFI den domänenübergreifenden kollaborativen Luftkampf abdeckt, deuten die vom französischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Details auf eine hochstrategische maritime Dimension hin. Die hartpunkt-Partnerseite Naval News stellt fest, dass die im Dokument dargelegten Anforderungen direkt mit den zukünftigen Fähigkeiten der französischen Marine (Marine Nationale) verbunden sind, insbesondere im Hinblick auf die Trägerluftfahrt und die seegestützte Machtprojektion.

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Ein entscheidender Hinweis auf den maritimen Anwendungsbereich findet sich im technischen Fragebogen des RFI unter den Abschnitten zu den Plattformmerkmalen. Die DGA fordert die Industrie ausdrücklich auf, Angaben zum „maximalen Startgewicht“ unter Einbeziehung des Katapultstarts sowie zum „maximalen Landegewicht“ zu machen, wobei speziell die „Landung auf einem Flugzeugträger, falls zutreffend“ berücksichtigt werden soll.

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Diese Formulierung deutet stark darauf hin, dass die DGA aktiv eine unbemannte kollaborative Kampfplattform ins Auge fasst, die in eine zukünftige Flugzeugträgerflotte integriert werden kann. Der Zeitplan passt nahtlos zu den laufenden Entwicklungen im Rahmen des französischen Programms für den Flugzeugträger der nächsten Generation (PANG), wobei der neue Flugzeugträger „France Libre“ die „Charles de Gaulle“ im Jahr 2038 ersetzen soll, sowie zu potenziellen Zwischenversuchen mit trägergestützten Drohnen.

Operative Architektur: MUM-T auf See

Der in dem RFI dargelegte operative Bedarf konzentriert sich stark auf fortschrittliche Flug- und Missionsautonomiesysteme sowie auf die Flexibilität der Führungs- und Kontrollstrukturen (C2). Die Auftragnehmer müssen nachweisen, wie diese Kampfdrohnen sowohl von einer Bodenkontrollstation als auch direkt von einem „bemannten Flugzeug“ aus gesteuert werden können.

Für die französische Marine bedeutet dies einen klaren Weg hin zu MUM-T-Architekturen auf See. Zukünftige, von Flugzeugträgern gestartete kollaborative Drohnen sollen als Kampfmultiplikatoren für die Rafale M im „F5“-Standard (und später für einen Next-Generation-Fighter, der zuvor im Rahmen des SCAF-Programms in Zusammenarbeit mit Deutschland und Spanien entwickelt wurde) fungieren und risikoreiche Aufgaben wie das Durchdringen von Anti-Access/Area Denial-Blasen (A2/AD), die Unterdrückung feindlicher Flugabwehr (SEAD) sowie fortgeschrittene Aufklärung und Überwachung (ISR) vor der Kampfgruppe.

Das RFI legt zudem den Schwerpunkt auf komplexe Nutzlastkapazitäten und befragt die Industrie zu Elektrooptischen, Infrarot-, Radar- und EW-Sensoren sowie zur Integration spezieller Waffen-Nutzlasten – Fähigkeiten, die für die Sicherung umkämpfter maritimer Lufträume und die Durchführung von Überwasseroperationen von entscheidender Bedeutung sind.

Industrieller Rahmen

Die DGA hat einen strengen Zeitplan und einen industriellen Rahmen für das RFI festgelegt. Interessierte Rüstungsunternehmen und Konsortien haben bis zum 21. August 2026 Zeit, ihre umfassenden technischen und industriellen Antworten einzureichen. Sie dürfen auf den gesamten oder einen Teil des formulierten Bedarfs eingehen, wodurch kleinere KMU der Verteidigungsindustrie dazu ermutigt werden, neben großen Hauptauftragnehmern teilzunehmen.

Das RFI ist nicht streng auf die französische Industrie beschränkt. Während das ultimative Ziel des Programms darin besteht, Frankreichs souveräne industrielle und technologische Verteidigungsbasis (BITD) zu schützen und zu stärken, steht das RFI selbst einer breiteren internationalen Beteiligung offen. Ein Hinweis darauf ist, dass die DGA neben der französischen Version des Dokuments eine offizielle „Request for Information – Courtesy translation“ veröffentlicht hat. Dies geschieht, wenn die Beschaffungsbehörde Marktdaten von ausländischen und internationalen Rüstungsunternehmen erfassen möchte, anstatt sich nur auf inländische Lieferanten zu beschränken.

Autor: Xavier Vavasseur ist Mitbegründer und Chefredakteur von Naval News. Er lebt in Paris, Frankreich und beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit dem Themengebiet der martimen Verteidigung. Er hat einen Bachelor-Abschluss in Managementinformationssystemen und einen Master of Business Administration vom Florida Institute of Technology (FIT). Der Beitrag erschien erstmalig am 11.06.2026 in englischer Sprache auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.