Nach Einschätzung von Rheinmetall-CEO Armin Papperger stellt die Gewährleistung einer funktionierenden Lieferkette im Augenblick eine der größten Herausforderungen für die Rüstungsindustrie dar. Um dies zu gewährleisten, benötige man eine Lieferkettenanalyse, sagte der Chef des größten deutschen Rüstungskonzerns gestern auf einer Podiumsveranstaltung im Rahmen der Hannover-Messe.
„Jede Woche wird bei uns diese Lieferketten-Analyse gemacht, und zwar weltweit“, erläuterte Papperger. Dabei spreche sich Rheinmetall auch mit dem Ministerium ab und sei sehr transparent hinsichtlich der eigenen Lagerbestände. Seiner Einschätzung nach gibt es eine klare Lösung: Ein Unternehmen benötige mindestens zwei oder drei Länder, von wo das gleiche Gut bezogen werden könne. Das sei teuer, weil zwei oder drei Länder oder auch mehrere Unternehmen qualifiziert werden müssten
Rheinmetall verfolgt nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden keine „China free“-Politik. Man denke jedoch an Szenarien, in denen etwa ein für die Pulverherstellung kritischer Rohstoff wie Linters nicht mehr von China geliefert wird. Dann benötigte Rheinmetall andere Quellen. Der Stoff könne dann aus Argentinien oder Australien bezogen werden. Rheinmetall baue auch ein eigenes Werk für die Produktion. Bei der Lieferkettenanlyse durchkämme Rheinmetall alle Bereiche und sei mittlerweile auf der Ebene Tier 5 angekkommen, sagte Papperger.
Eine weitere Maßnahme zur Sicherung der Produktion sieht er im Hochfahren von Lagerbeständen. „Wir haben etwa für acht Milliarden Euro kritische Güter auf Lager liegen.“ Das sei zwar weder für das Working Capital noch den Cashflow gut, aber notwendig. Dabei sollten seinen Worten zufolge auch die großen Konzerne mit kleineren Unternehmen zusammenarbeiten und gegebenenfalls aushelfen.
Der Punkt sei, dass die Lagerlegung finanziert werden müsse. Dies funktioniere über die Anzahlungen des Auftraggebers. „Und ohne Anzahlungen würde es die Industrie nicht schaffen. Das ist unmöglich, denn wenn Sie im Milliardenbereich investieren müssen und das auf Lager legen und Sie kriegen vom Kunden kein Downpayment, dann werden mittlere Unternehmen pleitegehen“, warnte der Rheinmetall-CEO.
Es gebe bei diesem Thema heute jedoch Synergien zwischen der Industrie und der Regierung. Das funktioniere sehr vernünftig. „Und die Anzahlungspolitik, die das Ministerium macht, ist mehr als fair.“
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