Rheinmetall sieht Synergien beim Marinegeschäft und will die Space-Sparte ausbauen

Lars Hoffmann

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Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall erwartet positive Wechselwirkungen seines bestehenden Geschäftsportfolios mit dem für die Zukunft angestrebten Ausbau des Marinesektors. So hat Rheinmetall-CEO Armin Papperger Synergien zwischen den Geschäftsfeldern identifiziert, wie er am Montag am Rande der Handelsblatt-Tagung „Wirtschaftsfaktor Rüstung 2025“ in Düsseldorf im Gespräch mit hartpunkt erläuterte.

Gegenwärtig baue Rheinmetall ein Eco System in dem Bereich auf. Wären in diesem Eco System etwa Marineplattformen enthalten, sind nach Einschätzung des Rheinmetall-Chefs Synergien im Zusammenhang mit Marine-Flugkörpern und Launchern zu erwarten. Weitere Details nannte er nicht.

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Man könne auch hingehen und mit Partnerschaften, wie sie Rheinmetall zum Beispiel bei den Missiles mit Lockheed Martin habe, Combat-Management-Systeme aufbauen und somit ein kompletter Systemanbieter werden, sagte Papperger. „Da wollen wir uns mehr vornehmen, als nur eine Plattform bauen.“ Seiner Aussage zufolge geht es jedoch nicht darum, etwas selbst zu entwickeln, sondern eher darum, ein vorhandenes System zu „germanisieren“, wie dies zum Beispiel auch bei Flugkörpern gemacht werde.

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„Der Punkt, den wir im Augenblick sehen, ist, dass unsere Initiativzündung bei den Missiles der Rocket-Motor ist und über den Rocket-Motor wir letztendlich dann die Integration mit Partnern machen.“

Der Rheinmetall-CEO hatte im August im Gespräch mit Analysten angekündigt, in seinem Konzern eine große Marinesparte aufbauen zu wollen. Man stehe in vertraulichen Verhandlungen mit Partnern, sagte er damals. In der vergangenen Woche hatte hartpunkt berichtet, dass Rheinmetall womöglich Gespräche zum Einstieg bei Naval Vessels Lürssen (NVL) führt. Beide Unternehmen haben dies allerdings nicht bestätigt und lehnen eine Stellungnahme ab.

Neben dem Marine-Sektor betrachtet Rheinmetall auch die Geschäftschancen, die sich im Weltraum eröffnen. So will das Unternehmen mit der norwegischen Andøya Space zusammenarbeiten, um Startdienste für Satelliten vom europäischen Kontinent anzubieten, wie gestern mitgeteilt wurde.

Vor etwa eineinhalb Jahren habe Rheinmetall begonnen, auch das Space-Thema für sich zu identifizieren, erläuterte Papperger in Düsseldorf. Dabei sei der erste Schritt die Kooperation bei SAR-Satelliten mit der Firma Iceye gewesen. In anderen Bereichen sei sein Unternehmen im Augenblick dabei, Konzepte aufzustellen. „Was endlich dabei rauskommen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Aber es ist ein großes Potenzial für uns.“

Papperger hat prinzipell Interesse, ein Angebot für Kommunikationssatelliten zu machen, insbesondere dann, wenn es sich um ein militärisches Programm handelt, weil er hier die eigene Kompetenz sieht. Der Rheinmetall-CEO unterstrich, dass sein Unternehmen beim Thema Weltraum im Augenblick Partnerschaften sondiert. Denn man benötige viele Partnerschaften, um eine Projektleitung übernehmen zu können.

Collaborative Combat Aircraft

Das Düsseldorfer Unternehmen redet gegenwärtig überdies mit den US-Unternehmen Anduril, Boeing und Lockheed Martin über eine mögliche Kooperation bei unbemannten Kampfflugzeugen, sogenannten Collaborative Combat Aircraft (CCA). Die Bundeswehr möchte offenbar bereits in wenigen Jahren über diese CCA verfügen.

Nach Einschätzung von Papperger hat Rheinmetall dabei unterschiedliche Möglichkeiten. „Die Phase Nummer eins ist erstmal, den Auswahlprozess vernünftig zu steuern. Die Phase zwei ist es dann auch, Produktionsprozesse hier nach Deutschland zu bringen.“ Dem Rheinmetall-Chef zufolge möchte die Regierung, dass hierzulande produziert wird oder womöglich sogar ein europäischer Hub entsteht. „Und der dritte Punkt ist, dass man tatsächlich dann auch eine Germanisierung machen könnte.“ Dabei könnte Rheinmetall mit Entwicklungstätigkeiten betraut werden.  

Ein Betätigungsfeld in diesem Zusammenhang sieht Papperger im Bereich der Konnektivität. „Wir haben gerade für 15 Milliarden Euro Digitalisierungsaufträge gebucht von der Bundeswehr.“ Das betreffe zwar in erster Linie den Bereich des Heeres, aber Konnektivität auf der Heeresseite und auf der Seite Air weise bestimmte Gleichheiten und Synergien auf. „Und die versuchen wir im Augenblick herauszuarbeiten.“

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern befindet sich gegenwärtig auf einem rasanten Expansionskurs. „Bei Rheinmetall werden wir in einigen Bereichen die Kapazitäten nicht nur verdoppeln, sondern verzehnfachen“, kündigte Papperger während einer Podiumsdiskussion der Handelsblatt-Veranstaltung an. So soll die Fertigung bei gepanzerten Fahrzeugen seinen Worten zufolge von gegenwärtig 70 Exemplaren auf 700 im Jahr 2027 erhöht werden.

Voraussetzung für den schnellen Aufwuchs der Produktionskapazitäten ist die Verfügbarkeit von Vorprodukten und Rohstoffen. Das sieht offenbar auch Rheinmetall so und hat eine Bevorratung für mindestens fünf Jahre aufgebaut, wie Papperger ausführte. Dazu seien auch Lager angemietet und im Bereich der Microchips etwa zehn Hersteller in verschiedenen Ländern von Taiwan bis in die USA qualifiziert worden. Im Gegensatz zur öffentlichen Diskussion schätzt der Rheinmetall-CEO die Situation bei den Seltenen Erden nicht so kritisch ein wie andere Player. Denn im Gegensatz zur Automobilbranche benötige die Rüstungsindusindustrie deutlich geringere Stückzahlen.

Lars Hoffmann