Das ukrainische Verteidigungsministerium treibt die Ausstattung der Streitkräfte mit unbemannten Systemen deutlich voran und setzt dabei auf eine massive Ausweitung der Beschaffung von unbemannten Bodenfahrzeugen (UGV) sowie strukturelle Anpassungen im Beschaffungsprozess. Dies geht aus einer aktuellen Mitteilung des Verteidigungsministeriums der Ukraine hervor.
Im Zentrum der Initiative steht das Ziel, die Bedarfe der an der Front stehenden Einheiten vollständig abzudecken und die Lieferzeiten signifikant zu verkürzen. Hierzu führte der zuständige Minister Mychajlo Fedorow Gespräche mit Herstellern entsprechender Systeme, wie über die Social-Media-Kanäle des Verteidigungsministeriums bekanntgegeben wurde. UGV übernehmen innerhalb der Gefechtsführung der ukrainischen Streitkräfte bereits heute Schlüsselaufgaben in der Logistik und Verwundetenevakuierung. Allein im März 2026 wurden mehr als 9.000 Einsätze mit diesen Systemen durchgeführt.
Langfristig verfolgt die Ukraine laut der Mitteilung das ambitionierte Ziel, die Frontlogistik zu 100 Prozent durch robotisierte Systeme abwickeln zu lassen. Daher plant das Verteidigungsministerium für das erste Halbjahr 2026 die Bestellung von insgesamt 25.000 unbemannten Bodenplattformen. Damit würde sich das Beschaffungsvolumen im Vergleich zum Gesamtjahr 2025 verdoppeln. Bereits jetzt wurden durch die staatliche Beschaffungsorganisation 19 Verträge mit einem Gesamtvolumen von rund 11 Milliarden Hrywnja (umgerechnet rund 210 Millionen Euro) abgeschlossen.
Parallel dazu wurden mehrere Maßnahmen zur Beschleunigung der Beschaffung umgesetzt. Dazu zählt unter anderem die Anpassung des Preisrechts sowie Steuerentlastungen und Anhebung des Budgets. Zeitgleich wird die Einrichtung eines Kompetenzzentrums für unbemannte Bodenfahrzeuge im Verteidigungsministerium vorangetrieben. Dieses soll gemeinsam mit dem Generalstab und den Truppen die Einführung der Systeme beschleunigen und zugleich als zentrale Schnittstelle für die Industrie fungieren. Darüber hinaus stellt das Ministerium seine Beschaffungsplanung um. Hersteller sollen künftig bereits im laufenden Jahr Verträge für das Folgejahr erhalten. Ziel ist es, Planungssicherheit für die Industrie und Investoren zu schaffen und Produktionskapazitäten frühzeitig auszubauen.
Der Markt für unbemannte Bodenfahrzeuge hat sich in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges dynamisch entwickelt. Während entsprechende Strukturen zuvor kaum vorhanden waren, existiert inzwischen ein umfassendes Ökosystem mit mehr als 280 Unternehmen und über 550 verfügbaren Systemlösungen, das maßgeblich durch die Innovationsplattform Brave1 unterstützt wird. Insgesamt wurden 175 Förderprogramme für Unternehmen aufgelegt.
Neben klassischen Logistikplattformen treibt die Ukraine auch weitere Anwendungsfelder voran. Dazu zählen unter anderem Systeme für das Verlegen von Minen, respektive das Räumen der Selbigen. Aber auch zunehmend bewaffnete Bodenplattformen sowie automatisierte Waffentürme zur Abwehr von Luftzielen, die erst kürzlich ihre Leistungsfähigkeit gegenüber russischen Angriffsdrohnen mit Strahlentriebwerken bewiesen haben.
Kristóf Nagy

















