Die Drohnenkriegsführung hat seit geraumer Zeit auch die Dimension Land erreicht, so dass im Ukraine-Krieg der Einsatz unbemannter Bodenfahrzeuge zunehmend in den Bereichen Logistik und Kampfunterstützung zu beobachten ist. Auch für NATO-Streitkräfte gewinnt die Thematik zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Hersteller – etablierte und Start-ups – haben in den letzten Wochen und Monaten Systeme oder Konzepte vorgestellt, die Teilaspekte der integrierten Drohnenkriegsführung in das Gefecht der Verbundenen Waffen lösen sollen. Der Rüstungskonzern General Dynamics European Land Systems (GDELS) und der BOS-Einsatzrobotik-Spezialist Alpha Robotics wollen einen Schritt weitergehen und bereits im Rahmen der Eurosatory anwendungsfähige Gesamtlösungen für die bemannt-unbemannte Gefechtsführung vorstellen.
In einem Gespräch mit hartpunkt bestätigen Thomas Kauffmann, Vertriebsvorstand von GDELS und Geschäftsführer GDELS–Deutschland, sowie Oliver Rasche, Geschäftsführer Alpha Robotics, eine entsprechende Kooperationsvereinbarung, die die Expertise beider Partner bündeln und so schnell erste Lösungsansätze für konkrete militärische Anwendungsfälle bereitstellen soll. Welche Fälle genau, wollten die Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt geben, es soll sich jedoch nicht um Konzepte oder Ideen handeln, sondern fertige Lösungen, die unbemannte Elemente und bemannten Plattformen vernetzten und den gemeinsamen Einsatz – Verbringung sowie Führung – sicherstellen.
„Wir haben uns ausreichend Zeit gelassen, den Markt unbemannter Systeme und entsprechender Hersteller und Start-ups sorgfältig zu analysieren. Mit Alpha Robotics haben wir einen Kooperations- und Technologiepartner gefunden, der in diesem Segment absolut führend, seit Jahren einsatzerfahren und kompetent ist. Alpha Robotics denkt im Gegensatz zu anderen nicht von der Plattform, sondern vom Netzwerk und Einsatz kommend, das hat uns überzeugt,“ begründet Kauffmann die Kooperation mit Alpha Robotics.
Möglich wird die Bereitstellung eines ganzheitlichen Verbundes – bemannte Plattformen, Vernetzung und unbemannte Systeme (Luft und Land) – dadurch, dass GDELS eigenen Angaben nach als Systemintegrator die Integration der unbemannten Systeme in bestehende und in militärischer Nutzung befindliche Plattformfamilien übernimmt. Während Alpha Robotics die Expertise rund um die unbemannten Systeme übernimmt. Das im niedersächsischen Vechta ansässige Unternehmen kann nicht nur in der Herstellung von unbemannten Systemen auf eine zehnjährige Geschichte zurückblicken, es setzt diese von Anfang auch ein.
„Alpha Robotics bringt die einsatzerprobten unbemannten Systeme, GDELS die Integrationskompetenz in bestehende, skalierbare Plattformfamilien der Streitkräfte. Was wir gemeinsam bereitstellen, sind anwendungsfähige Verbundlösungen – verfügbar, erprobt und skalierbar“, erklärt Rasche gegenüber hartpunkt. Sein Unternehmen gilt als führend in der Anwendung von Rettungsrobotik in komplexen Einsatzumgebungen. Das Unternehmen hat sich auf den Einsatz solcher Systeme bei der Bekämpfung von Großschadensereignissen spezialisiert.
In solchen Szenarien müssen Menschen und Robotik zu Land und in der Luft gemeinsam eingesetzt werden, um Gefahrensituationen mit möglichst geringem Personaleinsatz bzw. einer möglichst geringen Personalgefährdung meistern zu können. Systeme von Alpha Robotics bewähren sich nach Aussage von Rasche auch seit geraumer Zeit in der Ukraine, wobei viele der Einsätze unter Bedingungen stattfinden, bei denen das elektromagnetische Spektrum gestört ist. Sowohl die bis zu 15 to schweren UGV, als auch die UAV sowie die Führungssoftware werden nach Angaben des Unternehmens vollständig selbst entwickelt und gefertigt. Dabei steht nach Aussagen des Unternehmens stets ein ganzheitlicher Lösungsansatz im Vordergrund, der konsequent auf die hohe Dynamik moderner Einsatzlagen ausgerichtet ist. Auch wenn die beiden Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Details zu den militärischen Lösungsansätzen preisgeben möchten, die in wenigen Wochen gezeigt werden, kann man anhand der Szenare, die Alpha Robotics mit seinen Systemen in der Brandbekämpfung löst, antizipieren, wohin die Reise auch im militärischen Kontext gehen könnte. Im BOS-Bereich ist es grundsätzlich so, dass Stationierungsort des Personals und der Ausrüstung vom Einsatzort abweicht. Einsatzkräfte die eine Großschadenslage – wie beispielsweise einen komplexen Industriebrand – lösen wollen, müssen daher mit Mann und Material erst zum Einsatzort verlegen und dort innerhalb kürzester Zeit einen Überblick über eine komplexe Lage gewinnen. Mobilität muss daher von Anfang an mitgedacht werden. Genau hier gibt es bisher Lücken im Einsatz von unbemannten Bodensystemen im Ukraine-Krieg, da der Krieg seit geraumer Zeit entlang recht starrer Linien geführt wird. Entsprechend sind auch die Einsatzkonzepte unbemannter Systeme ausgelegt. Eine Notwendigkeit, wo ganze Bataillone und Brigaden samt den bemannten Plattformen und unbemannten Systemen über größere Strecken in den Einsatzraum verlegen, um dort dann unterschiedliche Aufträge zu übernehmen – von der Sicherung von Räumen bis hin zum Führen von Gegenangriffen in die Tiefe eines vom Feind besetzen Raumes –, finden dort so nicht statt. Hier ist das Einsatzkonzept, wie es bei der Brandbekämpfung stattfindet, deutlich näher an dem, wie NATO-Streitkräfte zukünftige Landkriege führen möchten. Die Adaption solcher Konzepte auf die militärische Umgebung könnte daher durchaus Vorteile in der Umsetzungsgeschwindigkeit des bemannt-unbemannten Einsatzes bringen. Viele der gesammelten Erkenntnisse, insbesondere was die Logistik und Führung solcher Einsätze betrifft, können sicherlich gewinnbringend in die militärische Welt überführt werden.
Waldemar Geiger


















