Die chinesische Marine im Jahresrückblick 2025 – Teil 2: U-Boot-Flotte, Logistik, Forschung & Entwicklung

Alexander Luck

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Im ersten Teil dieses Überblicks hat hartpunkt wichtige Entwicklungen für die chinesische Überwasserflotte im vergangenen Jahr beleuchtet. Der zweite Teil bietet eine Zusammenfassung der bedeutendsten Meilensteine für die Unterwasserflotte und Versorger. Dazu kommt ein Blick auf wichtige Infrastruktur-Maßnahmen sowie Forschung und Entwicklung, insbesondere bei ungewöhnlicheren Projekten.

Atom-U-Boote

Neben dem Flugzeugträger-Projekt ist die schrittweise Transformation der chinesischen Atom-U-Boot-Flotte der zweite fundamentale Trend für die chinesische Volksmarine (PLAN) in den vergangenen 15 Jahren. Geprägt ist diese Entwicklung sowohl durch bedeutenden Aufwuchs als auch erhebliche Fähigkeitsverbesserungen. Das derzeit prägende Beispiel ist der Zulauf von Angriffs-U-Booten des Typs 09IIIB (auch als Typ 093B oder von US-Quellen als Shang-III bezeichnet).  Der Entwurf verfügt über eine Startanlage mit 18 Zellen für Marsch- und Seezielflugkörper sowie einen Pumpjet als Antrieb, beides erstmalige Fähigkeiten für die PLAN. Die Bewaffnung begründet die Bezeichnung als SSGN (Angriffs-U-Boot mit Flugkörperbewaffnung und Atomantrieb).

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Im engen Zusammenhang mit dem Erscheinen dieses Modells steht die drastische Ausweitung und Modernisierung der U-Boot-Werft Bohai in Huludao, im Golf von Bohai. Die Werft ist der alleinige Fertigungsort für Atom-U-Boote in China und wurde speziell für diesen Zweck 1954 gegründet.

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Wie viele neue Boote vom Typ 09IIIB Bohai bisher gebaut hat, bleibt in öffentlichen Quellen unklar. Anders als für Werften für den Bau von Überwasserschiffen ist die Werft in Huludao selten in normalen Bildern zu sehen. Zur ungefähren Einordnung sind Beobachter daher überwiegend auf Satellitenaufnahmen unterschiedlicher Qualität angewiesen.

Die ersten Bilder vom Bau des Typs 09IIIB datieren auf das Jahr 2022. Zwei erfahrene Beobachter mit Zugang zu detaillierten Aufnahmen gehen in Diskussionen mit dem Autor von sieben bis acht bisher zu Wasser gelassenen neuen Booten aus. Der jährlich erscheinende Bericht des US-Verteidigungsministerium zu Rüstungsangelegenheiten in China (China Military Power Report, oder CMPR) sprach 2024 von vier 09IIIB, die zwischen Mai 2022 und Januar 2023 zu Wasser gelassen wurden. Zur Jahreswende 2025/2026 hat Bohai möglicherweise das achte Boot fertiggestellt. Die Fertigungsrate dürfte daher bei mindestens zwei Booten pro Jahr liegen.

Eine verlässliche Einschätzung bleibt schwierig, aufgrund eines Mangels an konsistenten Beobachtungen. Bohai ist angesichts der Größe und Struktur seiner neuen Fertigungsanlagen in der Lage, deutlich mehr U-Boote abzuliefern. Öffentlich verfügbare Aufnahmen zeigen nicht zwangsläufig jedes neue Boot. Zudem ist die Werft auch für die Instandhaltung und Modernisierung in Dienst befindlicher Boote verantwortlich. Dies bedeutet, dass Bilder gerade mit niedriger Auflösung nicht zwangsläufig stets neue Produktionen zeigen.

Der CMPR sprach in Ausgaben von 2023 und 2024 auch von der Wiederaufnahme des Baus von strategischen Atom-U-Booten des Typs 09IV (094 oder Jin-Klasse). Als Grund nennt das amerikanische Dokument Verzögerungen bei der Entwicklung des strategischen U-Bootes der neuen Generation, Typ 09VI/096. Im vergangenen Jahr wurden allerdings erkennbar keine neuen Boote dieser Kategorie zu Wasser gelassen. In Dienst befindliche Einheiten des Typs 09IV kehren regelmäßig von ihrem Heimathafen Longpo auf Hainan nach Bohai zu Wartungsarbeiten zurück. Diese Bewegungen über erhebliche Distanzen beinhalten auch den Transit durch die Taiwan-Straße, ein Phänomen, das in Medien oft politisch fehlinterpretiert wird.

Realistische Schätzungen für den Gesamtbestand der chinesischen Flotte von Atom-U-Booten beinhalten sechs aktive Typ 09III-SSN und sechs Typ 09IV-SSBN. Hinzu kommen wahrscheinlich mittlerweile zwei oder drei SSGN-Boote des Typs 09IIIB. Drei weitere SSGN dürften derzeit in der Erprobung sein und zeitnah in Dienst gestellt werden. Die verbliebenen Boote der ersten Generation, speziell die letzten drei Typ 09I (Han-Klasse) SSN, dürften allesamt außer Dienst sein, ebenso wie das einzelne SSBN des Typs 09II (Xia-Klasse).

Der derzeitige Trend beim Bau neuer Boote lässt vermuten, dass sich der Gesamtbestand an chinesischen nuklearen Jagd-U-Booten bis 2030 mindestens verdreifachen wird.

Konventionelle U-Boote

Wie hier dargestellt, fließen erhebliche Ressourcen in den Bau neuer atomgetriebener Boote für die PLAN. Dies dürfte auch begründen, warum Beobachtungen in den letzten Jahren nahelegen, dass sich die Indienststellung neuer konventioneller Boote erheblich verlangsamt hat.

Die chinesische Marine verfügt derzeit über zehn Boote der Kilo-Klasse (russisch: Projekt 636/636M). Hinzu kommen 13 Boote des chinesischen Typs 039 (US: Song-Klasse), 21 Boote des Typs 039A/B sowie eine unbekannte, aber geringe Zahl an Einheiten der Variante 039C (alle als Yuan-Klasse bekannt). Die veralteten Boote des Typs 035G/B (Ming-Klasse) sind in den letzten Jahren scheinbar alle außer Dienst gegangen. Eine geringe Zahl der 035G ging an Bangladesch und Myanmar.

Die inzwischen alternden Boote des Typs 039 werden möglicherweise neue Rollen als Erprobungsplattform oder zur Verbringung von Spezialkräften erhalten. Ein Indiz hierfür mag ein Bild sein, das im Oktober 2025 die Runde in sozialen Medien machte und das erste Boot dieses Typs mit Modifikationen auf der Hülle achtern zeigte, die einer Tragevorrichtung für kompakte Tauchboote (DSRV, SOF) oder Drohnen ähneln.

Die wichtigste Werft für den Bau konventioneller Boote ist Wuchang Shipbuilding in Wuhan. Die Fertigung im letzten Jahr schien auf die Vollendung der pakistanischen Bestellung von vier U-Booten der Hangor-Klasse (Variante des Typs 039A/B) konzentriert. Pakistan hat insgesamt acht Boote bestellt, von denen vier mit Hilfe Chinas im pakistanischen Karachi gebaut werden. Wuchang hatte das erste seiner vier Boote im April 2024 zu Wasser gelassen. Das zweite Boot folgte am 15. März 2025, das dritte am 16. August, und das vierte am 18. Dezember.

Im vergangenen Jahr gab es keine neuen Hinweise auf ein mysteriöses neues U-Boot in Wuhan, das im Jahr 2024 aufgrund eines vermuteten Zwischenfalls nach dem Stapellauf in den globalen Schlagzeilen war. US-Medien bezeichnen das neue Boot als Typ 041 oder Zhou-Klasse, und schreiben dem Entwurf einen hybriden Antrieb aus Dieseln und einem nuklearen Element, als Generator oder Batterie, zu. Die CMPR-Ausgabe von 2025 spricht im Zusammenhang mit diesem Boot lediglich von Korruption als möglicher Ursache für die Ereignisse im Jahr 2024.

Hilfsschiffe

Die wichtigste Entwicklung im Jahr 2025 für die Logistik-Elemente der chinesischen Marine war die Produktion und Erprobung von bisher geschätzt etwa fünf neuen Flottenversorgern des Typs 903/A. Diese Versorger verdrängen etwas über 20,000 Tonnen und sind vergleichbar mit den Einsatzgruppenversorgern der deutschen Berlin-Klasse. Bisher hat die PLAN neun Schiffe dieses Typs im Bestand. Von den fünf neuen Einheiten wurden drei von der Wuhu-Werft in der gleichnamigen Stadt am Yangtse gebaut, und weitere zwei von COMEC in Guangzhou. Mindestens ein Versorger ist seit Juni 2025 in der Erprobung. Die Indienststellung der neuen Schiffe in den Jahren 2026 und 2027 erhöht den Gesamtbestand an Versorgern dieses Typs um 50 Prozent.

Der Ausbau der Versorger-Flotte ist ein wichtiges Indiz für die wachsende Aktivität der chinesischen Marine sowohl in naheliegenden Seegebieten als auch für die Entsendung von Flottenverbänden in ferner gelegene Regionen, insbesondere im Pazifik und Indischen Ozean. Der Bau weiterer Versorger, auch für den mit 45.000 Tonnen doppelt so großen Typ 901, derzeit mit zwei Einheiten im Bestand, dürfte lediglich eine Frage der Zeit sein. Bisher ist allerdings kein Anzeichen für den Bau weiterer Einheiten dieses Typs zu beobachten.

Ausbau von Marine-Infrastruktur

Eine rapide wachsende Über- und Unterwasserflotte diktiert auch erhebliche Investitionen in neue, moderne Infrastruktur, und den Ausbau existierender Marinebasen. Bedeutsame Fortschritte in dieser Frage gab es 2025 vor allem in den beiden großen Marinestützpunkten Yulin auf Hainan sowie Yuchi im Gelben Meer. In beiden Basen, die Kernelemente der Süd- beziehungsweise Nordflotte beheimaten, entstehen zahlreiche neue Anlegestellen für Kampfschiffe und Versorger. Das Ausmaß der Modernisierung bedeutet, dass sich die Kapazität beider Marinestützpunkte verdoppelt oder sogar verdreifacht. In Yulin ist zuvor ein neues Trockendock in Dienst genommen worden, das auch zur Aufnahme von Flugzeugträgern fähig ist. Ob Yuchi ebenfalls ein Trockendock erhält, bleibt derzeit unklar.

Ein solcher Schritt wäre wenig überraschend, um die Werften Jiangnan und Dalian für Wartungsaufgaben zu entlasten und Zeit bei der Verlegung von Trägern zu sparen. Modernisierung und Erweiterung bestehender Anlagen ist auch bei im Stützpunkt neben der U-Boot-Werft Bohai, dem Stützpunkt für Atom-U-Boote der Nordflotte in Zhiangezhuang sowie bei den Anlagen für amphibische Elemente der Marinebasis in Zhanjiang (Südflotte) zu beobachten.

Forschung und Entwicklung

Eine Reihe von experimentellen Programmen Chinas hat weltweit 2025 für Aufmerksamkeit gesorgt. Das bedeutendste Vorhaben in dieser Hinsicht stellt der Bau und die Erprobung mehrerer neuartiger mobiler Landungsbrücken seit Januar 2025 dar, über die auch hartpunkt im April vergangenen Jahres berichtete. Federführend für den Bau ist die COMEC-Werft in Guangzhou, die bisher sechs Einheiten drei verschiedener Typen fertiggestellt hat. Beobachter und Medien suggerieren erhebliche Implikationen für eine zeitnahe mögliche Invasion Taiwans. Derartige Szenarien enthalten generell das Datum 2027, wie von US-Kreisen wiederholt suggeriert.

Bisher ist die Erprobung der ersten drei Brücken in überschaubarem Tempo erfolgt. Die chinesische Marine hat die Konstruktionen an verschiedenen Orten und im Zusammenspiel mit zivilen Fähren getestet. Die chinesische Planung beinhaltet die Verwendung ziviler Schifffahrt, um in einem Invasions-Szenario schnell große Mengen an gepanzerten Fahrzeugen zu verbringen. Wie erfolgreich in diesem Kontext das Konzept dieser Landungsbrücken ist, dürfte sich an weiteren Tests und Übungen vor allem in größerem und komplexerem Maßstab ablesen lassen.

Die PLAN erprobt zudem eine Reihe von Drohnen für Über- und Unterwasseroperationen. Auf der Militärparade in Beijing im September 2025, hartpunkt berichtete, zeigte die Marine eine Reihe von Systemen einschließlich UUV für die Aufklärung und den Minenkampf, sowie USV, ebenfalls für den Minenkampf.

Generell investiert China mittels staatlicher Institutionen und privater Unternehmen erkennbar signifikante Summen in die Entwicklung autonomer Systeme. Im letzten Jahr fanden Erprobungen verschiedener USV und UUV statt, einschließlich des zuerst 2024 gezeigten Jari-USV-A, der weltweit größten Überwasserdrohne für Kampfeinsätze. Bilder von derartigen Aktivitäten bleiben allerdings überwiegend auf Satellitenaufnahmen beschränkt. Der Mangel an Informationen mag zum einen der militärischen Geheimhaltung geschuldet sein, und dem Umstand, dass die betreffenden Lokalitäten schwerer zugänglich sind.

Allerdings ist auch zu bemerken, dass China weiterhin deutlich mehr Investitionen für komplexe und kostenintensive bemannte Systeme aufwendet. Die Dynamik bei militärischen Drohnen ähnelt in gewissem Maß anderen Industriezweigen in China, die zu Beginn eine Vielzahl von Produkten im Rahmen eines Innovations-Wettlaufs auf den Markt werfen. Wie viele dieser Vorschläge allerdings auf Interesse der chinesischen Streitkräfte oder Kunden im Ausland treffen, ist bisher eher unklar.

Neben etablierten Werften wie CSSC, die eine Reihe von Drohnen wie die Jari-Varianten gebaut haben, drängen auch bisher unbekannte Unternehmen auf den Rüstungsmarkt. Repräsentativ hierfür ist ein Containerschiff, das im Dezember 2025 in der Werft Hudong in Schanghai auftauchte. Das Schiff trägt zahlreiche ISO-Container, die der Beherbergung von marinen Waffensystemen und Radaranlangen dienen. Bemerkenswerterweise nahm dieser Frachter auch ein mobiles Katapultsystem an Bord, das mutmaßlich wie das Katapult der Fujian und des amphibischen Kampfschiffs Sichuan elektromagnetisch betrieben wird.

Ob derartige Anstrengungen einen definierten Bedarf der PLAN decken, ist wie bereits erwähnt abzuwarten. Sollte sich die These einer dynamischen und bisher wenig konsolidierten Rüstungsindustrie bewahrheiten, dürften wir in den nächsten Jahren noch eine Vielzahl weiterer exotischer Vorschläge zu Gesicht bekommen.

Insgesamt ist allerdings festzuhalten, dass die Kombination aus erkennbar wachsender Innovation sowie stetiger Finanzierung von komplexen Rüstungsvorhaben ein robustes Fundament für weitere erhebliche Modernisierung und Vergrößerung der chinesischen Volksmarine darstellt. Das vergangene Jahr war in diesem Zusammenhang trotz mehrerer bedeutsamen Ereignisse weniger ein Höhepunkt, sondern vielmehr einer von vielen Meilensteinen bei der Transformation sowohl der chinesischen Streitkräfte als auch der chinesischen Rüstungsindustrie.

Autor: Alexander Luck ist Analyst für Rüstungspolitik mit Schwerpunkt Marine und Luftfahrt. Sein Fokus liegt auf dem indopazifischen Raum, besonders Entwicklungen in China, Ostasien und Australien. Eine vorherige Version dieses Artikels in englischer Sprache erschien erstmalig am 17.01.2026 auf der hartpunkt-Partnerseite Naval News.