Chinas Dominanz bei Wolfram wird für die Rüstungsindustrie zur Herausforderung

Interview mit Lewis Black, Gründer und CEO von Almonty Industries

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China hat nicht nur bei den für Hightech-Anwendungen wichtigen Seltenen Erden ein Fast-Monopol, auch bei dem für die Rüstungsindustrie kritischen Metall Wolfram dominiert die Volksrepublik den internationalen Markt. So entfielen Schätzungen zufolge im Jahr 2024 mit 67.000 Tonnen über 80 Prozent der weltweiten Wolframproduktion von 81.000 Tonnen auf China.

Überdies ist China auch führend in der Weiterverarbeitung von Wolframpulver, Wolframkarbid und Hartmetallprodukten. Diese große Marktkonzentration wird – wie bei Seltenen Erden oder Computerchips – zum Problem, wenn die chinesische Regierung eingreift und es zu einer Verknappung kommt, was augenblicklich offenbar passiert. Das bestätigt auch Lewis Black, Gründer und CEO von Almonty Industries, einem kanadischen Bergbauunternehmen, das sich auf die Gewinnung von Wolfram spezialisiert hat.

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„China beschränkt die Ausfuhr kritischer Metalle auf verschiedene Weise. Ich gehe davon aus, dass China darauf hinarbeiten wird, im zivilen Bereich künftig fertige Erzeugnisse zu liefern, die Wolfram enthalten. Im militärischen Bereich halte ich die Lieferung entsprechender Erzeugnisse für ausgeschlossen. Schon heute untersagt China die militärische Nutzung bei kritischen Metallen“, erläutert Black.

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Im Gegensatz zu Seltenen Erden sei Wolfram weltweit wirklich selten, betont der Manager. „Die wirklich guten Projekte sind bereits erschlossen. Hinzu kommt, dass selbst gute Projekte scheitern können, wenn sich die falschen Akteure ihrer annehmen – das Geschäft mit der Produktion von Wolfram ist technisch herausfordernd. Weiterhin sind politisch-regulatorische Rahmenbedingungen ein wichtiger Faktor. Jedes Bergbau-Projekt ist eine große Herausforderung – innerhalb einer Demokratie mit unterschiedlichen Interessengruppen und Partizipationsrechten ist es heute nahezu unmöglich.“

Das Metall hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle und aufgrund seiner hohen Dichte ist es für bestimmte Anwendungen in der Rüstung unverzichtbar, insbesondere für panzerbrechende Munition. So werden Wolframlegierungen für kinetische Penetratoren aller Kaliber eingesetzt. Das Material findet auch in Verbundpanzerungen und ballistischen Schutzsystemen Anwendung, genauso als Trimmgewichte und Steuerungselemente in Lenkwaffen Verwendung.

Nach Einschätzung von Almonty werden jährlich etwa 2.500 Tonnen Wolfram für militärische Panzerungsanwendungen benötigt, wovon nach Zahlen von 2019 rund 40 Prozent auf die USA entfallen. Das Unternehmen geht davon aus, dass durch die Rüstungsprogramme der NATO-Staaten der Wolframverbrauch im Verteidigungsbereich bis 2035 voraussichtlich um 25 bis 30 Prozent steigen wird. Der Krieg in der Ukraine habe die Nachfrage weiter erhöht, da intensive Kampfhandlungen den Munitionsverbrauch drastisch steigern.

Das kanadische Unternehmen sieht ein akutes Risiko einer Verknappung, insbesondere für europäische und US-amerikanische Verteidigungsunternehmen, von der insbesondere Hersteller von Munition, Panzerschutz und bestimmten Lenkflugkörpern betroffen sein könnten.

„Die Fixierung westlicher Wolframverbraucher auf niedrige Preise hat es China ermöglicht, den Weltmarkt zu dominieren. Diese Kunden kommen widerwillig zu dem Schluss, dass höhere Preise für die Sicherheit der Lieferkette die einzige Option sind. Die harte Wahrheit ist, dass sie ohne Wolfram nicht arbeiten können. Aus dieser Perspektive betrachtet ist der Preis zweitrangig“, sagt Black.

Als Risikofaktoren hat sein Unternehmen die historische Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen – bis 2025 wurden demnach 90 Prozent des Wolframhandels zwischen China und der EU über russisches Territorium abgewickelt – identifiziert. Die Lieferzeiten aus China haben sich laut Almonty von zwei Wochen auf fast zwei Monate verlängert. Das Unternehmen schätzt, dass bei einem vollständigen Ausfall der Lieferungen aus China die europäischen Vorräte in drei bis sechs Monaten aufgebraucht werden.

Black: „Die Abhängigkeit von China bei Wolfram ist eine eklatante Schwachstelle für die deutsche Verteidigungsindustrie, die nur mit sicheren westlichen Bezugsquellen, also Almonty, behoben werden kann.“

Dass der Manager sein Unternehmen als wesentlichen Problemlöser sieht, liegt daran, dass er Almonty Industries zum führenden nicht-chinesischen Wolframlieferanten machen und damit einen wesentlichen Beitrag zur globalen Versorgungssicherheit leisten will.

„Die Marktstellung von Almonty ist einzigartig – viele Akteure suchen heute händeringend nach Wolfram – nur wir können kurzfristig aus dem Westen liefern. Es gibt zwar noch andere Wolfram-Projekte, die für die kommenden Jahre eine Produktion angekündigt haben, doch sind deren ökonomische Eckdaten weniger vielversprechend“, sagt Black.

Er habe mit Kunden gesprochen, die schon heute dazu bereit seien, Wolfram aus Konfliktregionen zu beziehen, um ihre Versorgung zumindest kurzfristig zu sichern. „Dieses Vorgehen ist aus verschiedenen Gründen nicht hinnehmbar, da es weder ethisch-moralisch zu vertreten ist, noch dabei hilft, resiliente westliche Lieferketten aufzubauen. Westliche Lieferketten sind entscheidend für die Ausstattung des Militärs und ein Garant für wirksame Abschreckung.“

Almonty bereitet in Südkorea mit der Entwicklung der Sangdong-Mine nach eigener Einschätzung die einzige bedeutende nicht-chinesische Erweiterung der Wolframproduktion in den kommenden Jahren vor. „Wir sind stolz, unsere Sangdong-Mine in Südkorea gemeinsam mit allen Stakeholdern an die Schwelle zur Produktion geführt zu haben“, betont Black. „Sangdong geht noch in diesem Jahr in Produktion. Mit den Zahlen zum 1. Quartal 2026 werden wir zeigen, welches Potenzial in der Mine steckt.“

Der Bau sei abgeschlossen und der Produktionsbeginn stehe unmittelbar bevor. In der ersten Phase sollen 640.000 Tonnen Erz pro Jahr gefördert werden, was etwa 3.000 Tonnen Wolframgehalt entpricht. In der zweiten Phase ist eine Erweiterung auf 1,2 Millionen Tonnen Erz pro Jahr geplant, wobei das Erz den Angaben zufolge eine hohe Qualität aufweisen soll.

Almonty geht davon aus, dass nach vollständiger Hochlaufphase etwa 30 Prozent der nicht-chinesischen Produktion allein aus Sangdong kommen könnten. Dem Unternehmen zufolge sind 90 Prozent der Produktion in Sangdong durch langfristige Verträge gebunden. So gebe es einen Kaufvertrag mit dem US-Verteidigungsministerium für Wolframoxid.

Daneben besitzt das Unternehmen seit 2015 die Panasqueira-Mine in Portugal mit einer  Produktion von 2.400 Tonnen Wolframkonzentrat pro Jahr. Die aktuelle Produktion dort decke etwa drei Prozent des europäischen Bedarfs. Sangdong Phase 2 könnte 20 Prozent des europäischen Wolframverbrauchs decken, schätzt Almonty.

Um langfristig für Versorgungssicherheit zu sorgen, sollten Staaten nach Aussage von Black Regulierungen und Bürokratie rund um Bergbau-Projekte abbauen. „Zugleich sollten sie in Partnerschaft mit privaten Geldgebern spezialisierte Investitionsfonds auflegen, wie das die US-Bank J.P. Morgan zuletzt angekündigt hat. Die deutsche KfW, die, auch unser Sangdong-Projekt finanziert hat, bringt dafür das entsprechende Knowhow mit. Bei Wolfram ist das Angebot an geeigneten Projekten und spezialisierten Unternehmen jedoch gering.“

Die Fragen stellte Lars Hoffmann