Die zunehmende Verbreitung von Aufklärungsdrohnen und Satellitenaufklärung, die teilweise sogar kommerziell abgerufen werden können, zwingt die Streitkräfte dazu, die Tarnung eigener Kräfte und Mittel zu verbessern. So soll dem Feind die Aufklärung eigener Truppen und Geräte erschwert oder gar verwehrt werden. Zur Erreichung dieses Ziels hat das Bundeswehr-Beschaffungsamt BAAINBw im Rahmen des Vorhabens „Stationäre Multispektrale Tarnausstattung (SMT)“ bereits im Sommer 2024 einen Teilnahmewettbewerb eröffnet, der die Bundeswehr mit eben jenen modernen Tarnnetzen versorgen soll, die nicht nur visuell tarnen, sondern auch die Signatur in weiteren Spektren reduzieren.
Die SMT soll nach Angaben des BAAINBw den querschnittlichen Bedarf der gesamten Bundeswehr decken und die in Nutzung befindlichen Modelle zur stationären Tarnung ersetzen. Wie das BAAINBw in der TED-Mitteilung im Sommer 2024 schrieb, dient das Projekt der langjährigen Ausstattung aller Truppenteile und Projekte der Bundeswehr mit Tarnnetzen unterschiedlicher Größe für verschiedene Umgebungen (Wald, Wüste, Schnee, Urban) sowie der notwendigen Stützausstattung.
In dieser Woche soll der Bundestag nun die entsprechenden Haushaltsmittel freigeben, damit der entsprechende Beschaffungsvertrag für bis zu 219.261 Multispektral-Tarnnetz-Sätze, aufgeteilt auf verschiedene Ausprägungen und Netzgrößen, sowie bis zu 104.536 Sätze an Stützausstattungen geschlossen werden kann.
Gut unterrichteten Kreisen zufolge soll der Auftrag an den belgischen Textilspezialisten Sioen gehen. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Bundeswehr, mit dem Unternehmen eine Rahmenvereinbarung zu schließen, über die SMT-Sätze und Stützausstattungen im Gesamtwert von rund 580 Millionen Euro abgerufen werden können. Welche Tarnnetze genau beschafft werden, ist unbekannt, die Sioen-Marke SIOCAM hat unterschiedliche Multispektralnetze – Einschicht, Mehrschicht, 2,5D – im Angebot, die je nach Ausstattung neben der optischen Signatur auch die Signatur im NIR-, SWIR-, TIR- und Radar-Bereich reduzieren.
Künstliche Tarnmittel wie Tarnnetze oder Tarnanstriche im Verbund mit natürlichen Tarnmitteln wie Bewuchs können die visuelle Aufklärung erschweren, stoßen aber spätestens dann an ihre Grenzen, wenn die Aufklärung beispielsweise mittels Radartechnik oder Thermalkameras erfolgt. Um die Aufklärung durch solche Systeme zu erschweren, gibt es sogenannte Multispektraltarnnetze. Solche Netze sind in der Lage, mehr als nur ein Spektrum – das visuelle – zu tarnen. Wobei tarnen nicht bedeutet, dass man gänzlich unsichtbar wird, sondern vielmehr ein Zustand erreicht wird, der die Detektionsreichweite signifikant verringert. Multispektraltarnnetze sind in der Lage, mindestens zwei teilweise aber auch mehr Spektren zu tarnen. So kann beispielsweise die thermische (teilweise vom Nahinfrarotbereich bis hin ins UV-Spektrum) und oder elektromagnetische Signatur von Objekten verschleiert bzw. reduziert werden, so dass die Aufklärungsreichweite signifikant verringert wird. Die „höhere“ Tarnwirkung solcher Netze geht neben dem höheren Preis oftmals, abhängig vom Spektrum, auch mit einem höheren Gewicht sowie Einschränkungen beim Empfang von Funk- und Navigationssignalen einher.
Waldemar Geiger


















